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15:23 22.08.12

DAX: Holprige Klettertour

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Mit dem Ausbruch über die Marke von 7.000 Punkten hat sich das deutsche Aktienbarometer DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) technischen Analysten zufolge neues Aufwärtspotenzial erschlossen, so die Deutsche Börse AG.

"Damit ist das Top vom März im Bereich von 7.200 Punkten in greifbare Nähe gerückt", meine etwa Christoph Geyer von der Commerzbank. Als Wermutstropfen und mögliche Auslöser für Rücksetzer würden die geringen Handelsumsätze gelten, die einmütig als mangelndes Anlegervertrauen in den laufenden Aufwärtstrend interpretiert würden.

Für Christian Schmidt spreche zwar Vieles für eine kurzfristige Verschnaufpause im DAX. Auf mittlere Sicht erwarte der technische Analyst der Helaba dennoch weiter steigende Kurse und verweise auf den phasenweise höchsten Stand des S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) seit vier Jahren am gestrigen Dienstag sowie auf ein neues Impulshoch im DAX. "Grundsätzlich werden neue Jahres- bzw. Mehrjahreshochs als prozyklisches Signal gewertet", erkläre Schmidt. Auf eine Fortsetzung der Erholung im deutschen Aktienbarometer hätten zudem Trendfolgeindikatoren wie der DMI sowie eine zunehmende Bewegungsintensität gedeutet, abzulesen am ADX mit einem Wert von 26,85.

Auch Schmidt erkenne eine Gefahr in den derzeit extrem schwachen Umsätzen im deutschen Leitindex. Bereinigt um Weihnachtsperioden hätten diese ein Zwölfjahrestief erreicht. "Hinzu kommt, dass der DAX das obere Begrenzungsband des Keltner-Channels zuletzt mehrfach nicht überwinden konnte und die Rückkehrlinie des Aufwärtstrendkanals nicht erreicht wurde." Auch hätten ein nachlassendes Momentum und negative Divergenzen auf eine kurzfristige Eintrübung des Gesamtbilds gedeutet. Erste Unterstützungen auf der Unterseite mache Schmidt bei 6.930, 6.882 und 6.772 Zählern aus. "Auf der Oberseite erwies sich zuletzt die Marke von 7.084 Punkten als massiver Widerstand."

"Negative Einflüsse werden von den Marktteilnehmern gegenwärtig vollkommen ausgeblendet", sei Gregor Bauer überzeugt. Denn immerhin stehe eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Verfassungskonformität des Euro-Rettungsschirms am 12. September dieses Jahres bevor. "Zudem ziehen dunkle Wolken am Konjunkturhimmel auf."

Aus charttechnischer Perspektive laufe der deutsche Aktienindex nach dem Knacken der Marke von 7.000 Zählern derzeit in einen massiven Widerstandsbereich, der sich aus den Umkehrbewegungen zwischen dem Hoch vom 16. März bei 7.194 Punkten und dem Bereich um 7.050 von Anfang April ergebe.

Investierten Anlegern rate Bauer zur Vorsicht. "Die Gefahr einer Korrektur, zunächst bis in die nächste Unterstützungszone um 6.850 Punkte, wächst." Neue Investitionen sollten aus seiner Sicht erst einmal zurückgestellt werden. "Bei einer deutlicheren DAX-Korrektur wird die 6.600-Punkte-Unterstützung erneut zur Schicksalsmarke." Ein klares, trendfolgendes Kaufsignal ergebe sich, wenn der Bereich um 7.200 Zähler im DAX nach oben verlassen werden sollte.

Mit dem Kursanstieg im DAX von über 1.000 Punkten seit Anfang Juni sei für Petra von Kerssenbrock eine kurzfristig überkaufte Situation entstanden. "Vor diesem Hintergrund und angesichts der Widerstandszone um 7.200 Punkte wird die DAX-Sommerrally vermutlich deutlich an Schwung verlieren", sage die technische Analystin der Commerzbank voraus und stimme Investoren damit auf eine trendbestätigende Konsolidierung ein. "Dabei bleibt der positive Grundton aufgrund der verbesserten technischen Marktbreite voraussichtlich erhalten."

"Solange der Aufwärtstrend im DAX bei 6.590 Indexpunkten verteidigt wird, sind neue DAX-Jahreshochs möglich", meine von Kerssenbrock. Werde dieser Aufwärtstrend jedoch verlassen, befände sich das deutsche Aktienbarometer mittelfristig lediglich in einer neutralen technischen Lage mit Unterstützung im Bereich zwischen 6.450 und 6.500 Punkten.

Auch die Anleger würden der Hausse nicht trauen. Der Bull/Bear-Index für die Bluechips sinke im Wochenvergleich von 46,1 auf 37,8 Punkte. Damit habe sich die Stimmung unter den 300 von der Börse Frankfurt befragten aktiven Investoren spürbar verschlechtert. 9 Prozent der Befragten hätten sich von ihren Aktien verabschiedet, 6 Prozent seien short gegangen. Damit seien die Pessimisten mit 51 Prozent in der absoluten Mehrheit, 20 Prozent seien unentschlossen, 29 Prozent würden auf Sicht von vier Wochen von steigenden Kursen im DAX ausgehen.

Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (22.08.2012/ac/a/m)


Quelle: ac

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