Stuttgart (www.aktiencheck.de) - Da haben die Wirtschaftsdaten noch einmal die Kurve bekommen, berichten die Analysten vom Bankhaus Ellwanger & Geiger.
Das deutsche BIP sei im 2. Quartal mit 0,3 Prozent anstatt mit erwarteten 0,2 Prozent gewachsen und das französische BIP habe immerhin stagniert und sei nicht wie erwartet in den negativen Bereich gefallen. Anders sehe es in den südeuropäischen Ländern aus. Die gute Entwicklung in Deutschland reiche jedoch nicht aus, um die paneuropäische Situation zu übertünchen.
Sowohl Italien und Spanien als auch Griechenland würden nach wie vor mit den negativen Auswirkungen der Sparmaßnahmen auf die Wirtschaftsentwicklung kämpfen und sich im tiefrezessiven Bereich befinden. Selbst Finnland, bisher als eines der starken europäischen Länder angesehen, scheine konjunkturell zu schwächeln. Grund zu dieser Annahme würden die scharfen Einbrüche diverser Frühindikatoren, wie des Verbrauchervertrauens oder des Frühindikators der EU-Kommission bieten.
Auch hier würden sich die haushaltspolitischen Sparbemühungen in wachstumshemmenden Schritten, wie z.B. einer Erhöhung der Mehrwertsteuer von 23 Prozent auf 24 Prozent, niederschlagen. Dies sei nur ein Vorgeschmack, denn europaweit sei ab 2013 mit einer Reihe von Steuer- und Abgabenerhöhungen zu rechnen. Dass dies nicht förderlich sei für die traditionelle Stütze der Wirtschaftsleistung, den privaten Konsum, würden die handelnden Politiker wohl erst wieder im Nachhinein bemerken.
Die Impulse aus der Weltwirtschaft würden zwar nicht überbordend sein, aber das relativ stabile weltweite Wirtschaftswachstum in Verbindung mit dem schwachen Euro-Kurs sollte dafür sorgen, dass die rezessive Konjunkturdelle gegen Ende des Jahres ausgebügelt werden könne. Die Stimmungen würden sich jedoch zunehmend eintrüben. Entscheidend werde sein, ob eine Abwärtsspirale vermeidbar sei.
Der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) sei zuletzt mehrfach an der 7.000er-Marke gescheitert. Die Hoffnung auf die große Marktstützung durch die EZB sei allerdings so weit verbreitet, dass dieser Anlauf durchaus noch von Erfolg gekrönt werden könnte. Wenn die psychologisch wichtige Marke von 7.000 Punkten gerissen werde, könnten charttechnisch bedingte Anschlusskäufe den DAX durchaus in Richtung 7.200 Punkte, d.h. den bisherigen Jahreshöchststand, bringen.
Spätestens dann sei aber Vorsicht angeraten, denn das Konjunkturumfeld sei sehr fragil und geopolitische Risiken (z.B. Naher Osten) könnten wieder vermehrt ins Blickfeld geraten, sodass Gewinnmitnahmen oder Absicherungsmaßnahmen bei DAX-Ständen über 7.000 DAX-Punkten durchaus Sinn machen würden. (15.08.2012/ac/a/m)