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John Law und das Mississippi-Projekt (1720)

Parallel zu den Geschehnissen in England wurde auch Frankreich Anfang des 18. Jahrhunderts Opfer einer Spekulationsblase. Interessant ist dabei, dass die Vorgänge in Frankreich eine gewisse Ähnlichkeit zu den Vorfällen in England zeigen. Wie in England begründete sich die Krise in Frankreich aus dem im Jahr 1702 begonnenen Krieg der beiden Europa-Mächte. Auch war bei beiden Krisen die Suche der Regierung nach einem Ausweg aus der enormen Schuldenlast der Hauptgrund für das Entstehen der Spekulations-Blasen.

Der Krieg zwischen Frankreich und England hatte die Staatskassen beider Länder geleert. In Frankreich war die Wirtschaft durch Krieg, Aufstände in der Bevölkerung und die hohen Steuerabgaben nahezu zum Erliegen gekommen. Als der Sonnenkönig Ludwig XIV. am 01. September 1715 starb, hinterließ er einen Schuldenberg von 2,4 Milliarden Livre (Livre = damals gültige Silbermünze). Wie hoch dieser Schuldenberg war, läßt sich dadurch verdeutlichen, dass allein die Zinsen für die Schulden 90 Mio. Livre jährlich betrugen, während die Gesamtsteuereinnahmen aber bei lediglich 160 Mio. Livre und der vorhandene Staatsschatz bei 700.000 bis 800.000 Livre lagen. Zudem hatte Ludwig XIV. die Steuereinnahmen der kommenden drei Jahre bereits zur Hälfte im Voraus ausgegeben. In den Monaten nach dem Tod des Königs wuchs der Schuldenberg trotz verschiedenartiger Restrukturierungsversuche (z.B. Reduzierung der Beamten oder Kürzung der Pensionen) stetig weiter. 1716 drohte ein Defizit von 5 Milliarden den Staat zu ruinieren. In dieser Phase war die Regierung offen für alle erfolgversprechenden Möglichkeiten den Schuldenberg zu tilgen. Dies war die Geburtsstunde der Finanzkrise, die vor allem mit der Person John Laws in Verbindung gebracht wird.

John Law's Konzept einer Landbank
Um John Law ranken sich viele Legenden, doch trotz seiner Fähigkeiten war Law eigentlich nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Schon früh verfiel der Sohn eines schottischen Goldschmieds und Bankiers der Spekulation, allerdings nicht an der Börse, sondern vielmehr in den Spielhöllen Europas. Als er 17 war starb sein Vater und Law erbte das nicht unbeträchtliche Vermögen des Vaters. Kurz darauf zog er nach London, wo er in den kommenden neun Jahren ein Großteil des Erbes verzockte. Im Jahr 1697 erschoss er in einem Duell seinen Widersacher und wurde deswegen zum Tode verurteilt. Es gelang ihm aber die Flucht aus dem Gefängnis. Um nicht wieder gefasst zu werden, setzte er sich nach Amsterdam ab. Dort vertrieb er sich die Zeit mit Studien im Finanzbereich. In den Nächten versuchte er das Erlernte dann in den dortigen Spielbanken in bare Münze umzuwandeln.

Schon zu dieser Zeit hatte Law die Idee einer Bodenkreditbank, deren Sicherheit sich auf ein Stück Land begründen. Doch scheiterte Law im Jahr 1700 bei dem Versuch das schottische Parlament von seiner Idee zu überzeugen. Auch seine Versuche in der noch bestehenden Mordanklage begnadigt zu werden, verliefen im Sand und so kehrte Law wieder auf das europäische Festland zurück. Die folgenden 14 Jahre streifte er durch Europas Spielsalons und hielt sich damit einigermaßen über Wasser. In Paris lernte er kurz vor dem Tod Ludwig XIV. schließlich den Herzog Philipp II. von Orleans kennen - eine Begegnung, die sowohl sein als auch das Leben vieler Franzosen entscheidend verändern sollte.



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