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11:06 14.12.15

Aktienanlage in Stiftungen

Stiftungen stellen in Deutschland jährlich 17 Mrd. Euro für die Förderung gesellschaftlicher, sozialer und anderer satzungsgemäßer Zwecke zur Verfügung. Sie erfüllen mit diesen Mitteln eine wichtige gesellschaftliche Funktion, die vom Bundesgesetzgeber oder der Finanz verwaltung durch die Verleihung des Gemeinnützigkeitsstatus privilegiert wird. Das Fördervolumen stammt neben Spenden vor allem aus der Vermögensverwaltung der Stiftungen. Bei der Vermögensanlageentscheidung steht das Stiftungsmanagement jedoch vor einem grundsätzlichen Zielkonflikt. Dieser ergibt sich aus zwei Prinzipien, die im institutionellen Rahmen der Stiftungen in Deutschland verankert sind: Auf der einen Seite ist eine Stiftung zum Erhalt des Vermögens verpflichtet; auf der anderen Seite muss sie laufende Erträge aus der Verwaltung ihres Vermögens zur Verfolgung des Stiftungszwecks erwirtschaften und verwenden. Eine nachhaltige Zweckerfüllung der Stiftung setzt daher sowohl eine entsprechend kontinuierliche wie auch substantielle Rendite des Stiftungsvermögens voraus. 

Bei vielen Stiftungen sind festverzinsliche Wertpapiere bester Bonität traditionell der zentrale Bestandteil des gesamten Vermögens, weil hier die Erträge gleichmäßig fließen, also gut planbar sind. Wegen der begrenzten Laufzeit von festverzinslichen Anlagen ergibt sich jedoch ein Wiederanlagerisiko, wenn die Zinsen neuer Anleihen unterhalb der Zinsen der  zurückgezahlten Anleihen liegen. Die seit einigen Jahren sinkenden und aktuell niedrigen Zinsen für festverzinsliche Anlagen stellen die Stiftungen daher zunehmend vor die nur  schwer zu lösende Herausforderung, das Grundprinzip des dauerhaften Vermögenserhalts  bei gleichzeitiger Erfüllung der satzungsmäßigen Aufgaben in gewohnter Weise sicherzustellen. Im Extremfall kann dieser Zielkonflikt darauf hinauslaufen, im Interesse des Vermögenserhalts die laufenden Leistungen von Stiftungen zu reduzieren. Diese Gefahr droht insbesondere dann, wenn das Niedrigzinsumfeld länger anhält. Eine sinkende Leistungsfähigkeit der Stiftungen würde sich unmittelbar im gesellschaftlichen Leben niederschlagen, denn mit fallenden Erträgen aus dem Stiftungsvermögen sinken auch die Möglichkeiten, diese Erträge für gemeinnützige Zwecke (z.B. kulturelle, soziale oder wissenschaftliche) einzusetzen.

Mehrere Presseberichte in jüngerer Vergangenheit legen nahe, dass dieses Risiko keine „graue Theorie“ ist. Aber auch in einem normalen Zinsumfeld hat die Gesellschaft ein Interesse an leistungsfähigen und stabilen Stiftungen. Vor diesem Hintergrund analysiert diese Studie die Eigenschaften der Aktienanlage sowie deren Eignung als Anlageobjekt für Stiftungen. Die Studie entspringt einem Auftrag der „Foundation Lindau Nobel Laureate Meetings“. Sie wurde in Kooperation des Deutschen Aktieninstituts und der UBS Deutschland AG erstellt. Die Untersuchung zeigt, dass Aktien langfristig höhere Renditen als festverzinsliche Wertpapiere erzielen. Die Anlage in Aktien oder Aktienfonds könnte daher verstärkt als Alternative im Vermögensmanagement von Stiftungen genutzt werden, um angemessen den Stiftungszweck verfolgen zu können. Dies gilt nicht nur in Phasen niedriger Zinsen, denn der Langfristcharakter von Stiftungen passt mit einem Aktieninvestment, das ebenfalls langfristig ausgerichtet sein sollte, prinzipiell ideal zusammen. Dabei geht es keinesfalls darum, das gesamte Stiftungsvermögen in Aktien anzulegen. Um eine bessere Rendite zu erzielen und damit langfristig den Stiftungszweck besser erfüllen zu können, ist es jedoch in vielen Fällen sinnvoll, den Aktienanteil des Stiftungsvermögens im Rahmen einer angemessenen Gesamtstrategie anzuheben.

Allerdings sind Stiftungsorgane häufig sehr zurückhaltend, 
ein Aktieninvestment oder gar ein signifikantes Aktienengagement einzugehen. Noch immer wird ein Anteil von 30 Prozent am Stiftungskapital in vielen Stiftungen als „magische“ Grenze empfunden, die nicht überschritten werden sollte. Auch wird der Grundsatz der Vermögenserhaltung teilweise so ausgelegt, dass realisierte Kursgewinne aus Aktien nicht für Stiftungszwecke verwendet werden dürfen, sondern dem Vermögensstock zugeführt werden müssen. Beides lässt sich nach Ansicht des Deutschen Aktieninstituts ökonomisch nicht begründen. Gleichwohl führen die rechtlichen Besonderheiten der Stiftungen, aber mehr noch die oft sehr risikoaverse Interpretation dieser Vorgaben bei Stiftungsorganen, Aufsichtsbehörden und in der Literatur zu einer verbreiteten Unsicherheit und damit zur Zurückhaltung gegenüber dem Investment in Aktien oder Aktienfonds.

 
Aktien bergen größere Risiken als Renten – kurzfristig

Generell haben Aktien und Anleihen unterschiedliche Grundcharakteristika: 

Anleihen versprechen wegen ihrer i.d.R. laufenden Verzinsung einen planbaren jährlichen Ertrag in Form einer in den konkreten Bedingungen der Anleihe bestimmten Zinszahlung. Unter der Voraussetzung einer ausreichenden Kreditwürdigkeit der Anleiheemittenten sind das Risiko eines Totalausfalls, das Risiko ausbleibender Zins zahlungen und das Risiko deutlicher Kursschwankungen begrenzt. Anleihen haben i.d.R. eine definierte Laufzeit, nach der bei Zahlungsfähigkeit des Emittenten eine Rückzahlung zu 100 Prozent des Nennwertes erfolgt. Wenn Stiftungen Anleihen bis zur Endfälligkeit halten, ist das vorübergehende Kursrisiko praktisch begrenzt. Das entscheidende Kriterium aus Perspektive des Stiftungsmanagements ist dabei sicherlich die Planbarkeit: Aus dem Investment in Anleihen lässt sich relativ zuverlässig der künftige Zahlungsstrom, bestehend aus Zinszahlungen und der Rückzahlung des investierten Kapitals, ableiten und der mögliche Ausgabenrahmen einer Stiftung bestimmen. Außerdem lässt sich relativ gut abschätzen, welchen Anteil der laufenden Rendite ein Stiftungsvorstand in die Rücklagen einstellen muss, um bei einer gegebenen Inflationsrate den realen Erhalt des Kapitals zu gewährleisten – vorausgesetzt, die laufende Verzinsung liegt über der aktuellen Inflationsrate. Allerdings haben Anleihen wegen ihrer begrenzten Laufzeit auch ein inhärentes Wiederanlagerisiko, wenn der Zinssatz einer zurückgezahlten Anleihe (deutlich) über dem Marktzins für Anleihen in der Neuanlage liegt. Gerade Stiftungen, die typischerweise mit einem sehr langfristigen Horizont operieren, sollten dieses Problem im Blick behalten.
 
Aktien haben eine unbegrenzte Laufzeit, weil sie einen Anteil am Eigenkapital des betroffenen Unternehmens verbriefen. Der Ertrag einer Aktienanlage setzt sich aus Dividenden und Kursgewinnen zusammen. Die Kurse von Aktien schwanken allerdings gewöhnlich kurzfristig stärker als die Kurse von Anleihen. Auch sind Dividenden anders als üblicherweise Zinszahlungen von Anleihen nicht fest definiert und können ebenfalls schwanken. Inwieweit dies der Fall ist, hängt von der Ertragssituation und der Dividendenpolitik der jeweiligen Aktiengesellschaft ab. Dividendenstarke Aktientitel sind dabei nicht unter allen Umständen, d.h. unter Berücksichtigung von Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen, die chancenreicheren Aktien. Wachstumsstarke Unternehmen schütten oftmals wenig oder keine Dividenden aus (Apple ist ein viel zitiertes Beispiel für ein Unternehmen, das jahrelang keine Dividenden ausgeschüttet hat), da sie ihre Gewinne im eigenen Unternehmen zur Finanzierung des Wachstums nutzen. Hierbei profitiert der Anleger nicht von Dividenden, sondern von überdurchschnittlichen Kurserträgen. Andererseits sind höhere Dividendenausschüttungen – wenn sie nicht aus der Substanz, d.h. aus früher thesaurierten Gewinnen erfolgen – auch oftmals ein Zeichen der besonderen aktuellen Ertragsstärke eines Unternehmens, die sich wiederum ebenfalls in höheren Kursgewinnen ausdrückt.

Weiterhin haben kurzfristig 
unternehmensexterne Faktoren – z.B. die Marktzinsentwicklung oder polititische Entwicklungen – Einfluss auf die Aktienkurse. Insgesamt sind Erträge von Aktien daher kurzfristig weniger planbar. Wegen der Abhängigkeit von der Ertragsentwicklung der Unternehmen sind sie aber auch nicht völlig ungewiss. Unter dem Strich birgt die Aktie jedoch kurzfristig ein Zusatzrisiko gegenüber festverzinslichen Anlagen. Sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen ist zu unterscheiden, ob eine einzelne Aktie oder eine einzelne Anleihe oder ein diversifiziertes Portfolio aus vielen Aktien oder Anleihen betrachtet wird. Naturgemäß ist die Anlage in ein einzelnes Wertpapier für sich genommen immer riskanter, denn die Erträge hängen von der Entwicklung eines einzelnen Unternehmens (bei der Aktie) oder eines einzelnen öffentlichen oder privaten Schuldners (bei Anleihen) ab. Die Risiken eines Investments in einzelne Wertpapiere lassen sich aber durch Diversifizierung reduzieren, indem man in viele unterschiedliche Papiere gleichzeitig investiert, deren Wertentwicklung möglichst wenig gleichläufig (korreliert) ist. Wenn also im Folgen den von einem Aktien- oder Renteninvestment gesprochen wird, ist grundsätzlich immer eine breit gestreute Anlage gemeint, bei der das Risiko der Einzelanlage („unsystematisches Risiko“) durch ausreichende Diversifikation deutlich gemindert ist. Die nachfolgenden Aussagen zu Chancen und Risiken beziehen sich damit immer auf die gesamten Anlageklassen „Aktien“ und „Renten“ („systematisches Risiko“).

Langfristig höhere Renditen bei Aktien: Die Aktienrisikoprämie
Das kurz- und mittelfristige Risiko von Wertschwankungen der Anlageklasse Aktie ist der Grund, warum diese herkömmlich als besonders riskante Anlageform gilt. Das höhere Kurzfristrisiko ist aber nur eine Seite der Medaille, denn Investoren lassen sich das Risiko in Form einer langfristig besseren Rendite „bezahlen“. Die Finanztheorie spricht von der Aktienrisikoprämie (Equity Risk Premium). Die empirische Kapitalmarktforschung zur Höhe dieser Risikoprämie kommt je nach Methodik und betrachtetem Zeitraum auf unterschiedliche historische Renditevorsprünge der Aktie gegenüber (risikolosen) Staatsanleihen. Die Ergebnisse der Studien sollte man daher nicht als „Naturgesetz“ in dem Sinne interpretieren, dass die Aktienanlage in jedem einzelnen Jahr oder über jeden vorab definierten Zeitraum eine fest bestimmbare Mehrrendite garantiert. Solche Aussagen scheitern schon daran, dass die Entwicklung in der Zukunft unsicher ist und daher Vergangenheitsdaten nicht ohne weiteres extrapoliert werden können. Dennoch geben die vorliegenden Studien einen einigermaßen verlässlichen Eindruck, welcher Renditevorsprung der Aktie realistisch ist. 

Vor allem aber demonstrieren die vorliegenden Studien, dass in der langen Frist grundsätzlich ein Renditevorsprung der Aktie gegenüber festverzinslichen Anlagen existiert. Ob dieser grundsätzliche Renditevorsprung ausreicht, risikoaverse Anleger, z.B. Stiftungsvorstände, trotzdem zur Aktienanlage eines Teils des Portfolios zu bewegen, ist eine andere Frage. Diese Entscheidung lässt sich aber nur dann verantwortlich treffen, wenn der jeweilige Anleger über das konkrete Chancen-Risiken-Profil der Anlagealternativen ausreichend informiert ist und nicht auf der Basis von Vermutungen oder Vorurteilen gegenüber einzelnen Anlageformen agiert. Eine sehr umfangreiche Vergleichsstudie zur Rendite verschiedener Assetklassen stammt von Dimson/March/Stauton (2011). Sie enthält historische Renditeuntersuchungen für die Aktie sowie Renditevergleiche mit US-Staatsanleihen für 19 Länder. Betrachtet wird der Zeitraum von 1900 bis 2010, wobei die Renditen um die Inflationsrate bereinigt, also reale Renditen betrachtet werden. Die Berechnung erfolgt aus Perspektive eines US-Investors, weshalb als Vergleichsmaßstab US-Staatsanleihen herangezogen werden. Tabelle 1 gibt die Kernergebnisse dieser Untersuchung wieder. Danach lag die durchschnittliche reale Aktienrendite für den US-Aktienmarkt bei 6,3 Prozent p.a., für Deutschland bei 3,1 Prozent, europaweit bei 4,8 Prozent und weltweit bei 5,5 Prozent (siehe erste Spalte):



Wichtiger ist jedoch der historische Renditevorsprung der Aktie gegenüber der Staatsanleihe (siehe letzte Spalte). Dieser lag für den US-Markt bei 4,4 Prozent, in Deutschland bei 5,4 Prozent, in Europa bei 3,9 Prozent und weltweit bei 3,8 Prozent. In einer etwas andersangelegten Studie kommen Doole/Renelleau/Seville (2007) für den Weltaktienmarkt auf eine ähnliche Größenordnung von 2,5 bis 3 Prozent. Rückblickende Renditevergleiche verschiedener Assetklassen hängen selbstverständlich stets vom betrachteten Zeitraum ab. Allerdings besteht ein Zusammenhang zwischen der Länge des betrachteten Zeitraums und dem Ergebnis: je länger der Anlagehorizont, desto wahrscheinlicher ist die Aktienanlage rentabler als die Anlage in Rentenpapiere. Gerade in der kurzen Frist lassen sich zahlreiche Zeiträume finden, in denen die Anlage in festverzinsliche Papiere rentabler gewesen wäre. Je länger der betrachtete Anlagehorizont wird, desto stärker wirkt sich die höhere Durchschnittsrendite der Aktienanlage aus und desto höher wird der Anteil der Zeiträume, in denen die Aktienanlage rentabler war als die Anlage in festverzinsliche Papiere.

Höhere Renditen der Aktienanlage: ein illustratives Beispiel für den deutschen Markt
 
Die Kernaussagen, die sich aus den o.g. umfangreichen Renditevergleichsstudien ableiten lassen, lassen sich anschaulich anhand eines Renditevergleichs für den deutschen Markt demonstrieren. Dazu wird auf die Entwicklung des DAX-Performance-Index (DAX) und des REX-Performance-Index (REXP) für den Zeitraum 1967 bis 2014 zurückgegriffen, deren Verlauf Abbildung 1 wiedergibt. 
 


Bezogen auf den DAX wird die Rendite deutscher Standardaktien unter der Annahme dargestellt, dass sämtliche Dividenden in die Aktien des Index reinvestiert werden. Der REX-Performance-Index (REXP) ist das Pendant für ein (synthetisches) Portfolio deutscher Staatsanleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten. Auch hier wird davon ausgegangen, dass erhaltene Zinszahlungen in den Index reinvestiert worden sind. Ebenfalls gehen Kursschwankungen in die Berechnung des Index ein. Diese spielen jedoch eine etwas geringere Rolle, da Kursschwankungen von festverzinslichen Wertpapieren relativ gering ausfallen. Man erkennt unmittelbar, dass der DAX entsprechend des höheren Aktienrisikos größeren kurz- und durchaus auch mittelfristigen Schwankungen unterliegt. Die Kurve beschreibt jedoch langfristig einen stärkeren positiven Trend, um den sich die Schwankungen bewegen, als dies beim REXP der Fall ist. Übertreibungen von Aktienkursen/-renditen in die eine oder andere Richtung kommen regelmäßig vor, werden jedoch mittelfristig durch fundamentale Bewertungen korrigiert. Unmittelbare Konsequenz ist, dass sich das Risiko von Aktien langfristig relativiert. Für den langfristigen Anlageerfolg sind nicht die kurzfristigen Schwankungen ausschlaggebend, sondern der langfristige Aufwärtstrend. Durch die höhere Langfristrendite von Aktien lassen sich damit im statistischen Durchschnitt deutlich größere Endvermögen oder – was für Stiftungen relevant ist – zur Erfüllung des Stiftungszwecks höhere verwendbare Erträge erzielen.

Dies kommt dem langfristigen Charakter der Anlagepolitik von Stiftungen entgegen. 
Es liegt im Wesen historischer Renditevergleichsstudien, dass Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt aus der Aktienanlage deren Rendite deutlich stärker beeinflussen als bei der Rentenanlage. Deshalb lassen sich weder zum Aktienrisiko noch zur Aktienrendite für alle denkbaren Zeiträume absolut zutreffende Aussagen treffen. Möglich sind dagegen Aussagen, die auf in der Vergangenheit gewonnenen Erfahrungen beruhen. Abbildung 2 verdeutlicht die Renditeeigenschaften für den deutschen Aktienmarkt daher auf etwas andere Art und Weise. Basis sind die Jahresendstände des DAX-Performance-Index seit 1967. Abgetragen sind im oberen Teil die maximalen, im unteren die minimalen jährlichen Renditen einer Aktienanlage im DAX über bestimmte gleich lange Anlagehorizonte. Die grüne Linie beschreibt dabei die Maximalrenditen p.a., die dunkelrote die Minimalrenditen p.a. Betrachtet man alle 47 möglichen Ein-Jahreszeiträume, so liegt die beste Jahresrendite bei rund 85 Prozent (im Jahr 1985), während der höchste Jahresverlust bei rund 43 Prozent (im Jahr 2002) lag.



Wer also bei Aktien in der Vergangenheit einen langen Atem behalten hatte, konnte zwischenzeitliche Buchverluste ausgleichen und insgesamt mit einer positiven Rendite rechnen. Ab ca. 20 Jahren Anlagehorizont pendelte sich dabei die jährliche Durchschnittsrendite in Abhängigkeit vom Einstiegszeitpunkt zwischen gut 5 und fast 15 Prozent in den beiden Extremen ein. Im Mittel lag sie am deutschen Aktienmarkt bei rund 9 Prozent. Im Vergleich dazu lag die Rendite im REXP – also im Rentenmarkt – bei ca. 7 Prozent. Dies entspricht einer Risikoprämie für Aktien von ca. 2 Prozent. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Aktienrisikoprämie in jedem beliebigen Zeitraum zu erwirtschaften gewesen wäre oder dass die Aktie die Rente in jedem beliebigen Zeitraum geschlagen hätte. Tatsächlich gibt es sowohl in der Ein-Jahresperspektive als auch in längerfristigen Perspektiven sowohl Phasen, in denen die Aktie mehr Rendite erbracht hat als auch solche, in denen festverzinsliche Wertpapiere rentabler waren. In der Zeit zwischen 1967 und 2014 gab es 28 verschiedene 20-Jahreszeiträume. In 24 dieser Zeiträume lag die Aktienanlage vorn, in 4 die Rentenanlage. Rückblickend betrug damit die Wahrscheinlichkeit, mit der Aktie eine höhere Performance zu erzielen als mit der Rente, etwa 86 Prozent. Abbildung 3 fasst dies für andere Anlagezeiträume zusammen. Man erkennt zudem, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der Aktie die Rentenanlage zu überbieten, mit längeren Anlagehorizonten tendenziell zunimmt.
 


Auch die für das Stiftungsmanagement wichtige Frage, ob und inwieweit Aktien absolute Verlustrisiken bergen, lässt sich letztlich nur auf Grundlage von Erfahrungswerten aus der Vergangenheit beantworten. Dies visualisiert Abbildung 4. Sie zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, mit einem Aktieninvestment in die Verlustzone zu geraten, in der Vergangenheit
langfristig beherrschbar war: Man erkennt, dass die Verlustwahrscheinlichkeit von Aktienanlagen mit zunehmender Anlagedauer signifikant abgenommen hat. Während bei einer einjährigen Aktienanlage etwa in jedem dritten bis vierten Jahr ein Verlust eintrat (28 Prozent), stand bei nur noch in zwei von 38 historischen 10-Jahresperioden ein Minus unter dem Strich (5 Prozent). Bei einem Anlagehorizont von über 10 Jahren verschwand das Risiko von Verlusten im historischen Rückblick – wie oben bereits angedeutet – quasi vollständig. Gleiches gilt für die Wahrscheinlichkeit extrem niedriger Renditen, die zwar Verluste vermeiden, aber keinen realen Kapitalschutz gewährleisten, weil sie unterhalb der Inflationsrate liegen (braune Balkenabschnitte). Diese lag für Deutschland im betrachteten Zeitraum bei rund 2,6 Prozent pro Jahr.



Aktuelles Kapitalmarktumfeld und Geldanlage von Stiftungen
Im Zuge der Finanzkrise sehen sich Stiftungen mit einer drastischen Verringerung der Zinsen auf festverzinsliche Anlagen konfrontiert. Die Erträge des wesentlichen Bausteins im Vermögensmanagement vieler Stiftungen geraten hierdurch unter Druck. Abbildung 11 zeigt dies illustrativ anhand der Umlaufrendite börsennotierter Wertpapiere des Bundes seit Beginn der 1990er Jahre, die sich beinahe stetig von gut 8 Prozent auf heute rund 0,6 Prozent verringert hat. 



Diese drastische Verringerung stellt Stiftungen vor große Herausforderungen. Folgendes Gedankenexperiment mag dies verdeutlichen: Es wird davon ausgegangen, dass Stiftungen ihre Gelder ausschließlich in sichere deutsche Bundesanleihen anlegen. Unter dieser Annahme bleibt von der erzielten Rendite heute faktisch nichts mehr erhalten, um Stiftungsaktivitäten zu finanzieren. Selbst die Langfristzinsen für Staatsanleihen anderer Länder bewegen sich auf historisch niedrigen Niveaus. So liegen sie nach Angaben der Europäischen Zentralbank in Frankreich aktuell bei 1,0 Prozent, in Italien bei 1,9 Prozent und in Großbritannien bei ca. 1,8 Prozent. Auch die Zinsen für Unternehmensanleihen bester Bonität bewegen sich aktuell in ähnlichen Größenordnungen, so dass selbst bei sehr günstigen Annahmen kaum eine Rendite von 2 Prozent vor Kosten bei einem Anleiheinvestment in (Staats-)Anleihen realistisch erscheint. Geht man von Verwaltungskosten in Höhe von mindestens 1 Prozent des Stiftungsvermögens aus, bleibt gerade einmal eine Nominalrendite nach Transaktionskosten von 1 Prozent übrig. Will die Stiftung hieraus noch einen realen Kapitalerhalt leisten, reduziert sich die Ausschüttung für Stiftungszwecke noch einmal um die aktuelle Inflationsrate.

Die Inflations
rate lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt des Jahres 2014 bei 0,9 Prozent, aktuell unter 0,5 Prozent, so dass derzeit die Situation gegeben ist, dass Stiftungen bei einem 100 Prozent-Rentenportfolio (ohne noch rentable „Alt-Anlagen“) vermutlich (weitgehend) auf Stiftungsaktivitäten verzichten müssten, wenn sie das Stiftungskapitalreal im Wert erhalten wollen. Vor rund 15 Jahren wäre die Situation wesentlich weniger problematisch gewesen. Die Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen lag bei ca. 5 Prozent, so dass nach Kosten 4 Prozent für Stiftungszwecke bereit gestanden hätten. Da auch damals die Inflationsrate bei niedrigen 0,8 Prozent lag, wären selbst bei vollständigem realem Kapitalerhalt immerhin noch 3,2 Prozent Ausschüttungspotential vorhanden gewesen. Wenig anders sieht die Situation im langfristigen Mittel aus, wenn man hierfür die Rendite des REXP und die langfristige Inflationsrate zu Grunde legt. Diese lagen über den gesamten Zeitraum von 1967 bis heute bei 6,6 Prozent (siehe oben) bzw. ca. 2,6 Prozent, so dass unter sonst gleichen Bedingungen in einem 100 Prozent Rentenportfolio eine ausschüttungsfähige Rendite von rund 4 Prozent übrig geblieben wäre. Abzüglich der Kosten für die Verwaltung hätten also im Schnitt rund 3 Prozent zur Verfügung gestanden.

Zusammenfassend hängt damit die Fähigkeit einer Stiftung zur Verwirklichung ihrer gemeinnützigen Zwecke in einem 100 Prozent-Rentenportfolio allein von der aktuellen realen Rentenrendite ab. Bei niedrigen Renditen geraten Stiftungen schnell in den Konflikt, zwischen den beiden Zielen (realer) Kapitalerhalt und Erfüllung des Stiftungszwecks durch Verwendung der Erträge wählen zu müssen. Bei einem historisch niedrigen Zinsniveau – wie aktuell – ist sogar eine Situation vorstellbar, in der die Rendite nach Kosten soweit absinkt, dass bei realem Kapitalerhalt überhaupt keine Erträge zur Erfüllung des Stiftungszweckes mehr übrig bleiben oder der Kapitalerhalt bewusst aufgegeben werden muss, um überhaupt noch den Stiftungszweck erfüllen zu können. Bleibt das aktuelle Zinsumfeld, wie viele Beobachter annehmen, längere Zeit auf diesem Niveau, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Stiftungen in der Breite in die Schwierigkeit geraten, ihre satzungsgemäßen Zwecke nicht mehr erfüllen zu können. Dann nämlich wird das zu Beginn des Kapitels 2 geschilderte Problem des Wiederanlagerisikos von Anleihen zunehmend relevant: Altanlagen mit hohem Zins müssten zunehmend durch Neuanlagen mit niedrigem Zins ersetzt werden, was die Gesamtrendite des in Anleihen angelegten Stiftungsvermögens erheblich schmälert.

Dass dies kein theoretisches Szenario ist, zeigen verschiedene Presseberichte aus der jüngeren Vergangenheit. So berichtet z.B. das Handelsblatt (2013) von Sparzwängen bei der Naturschutzorganisation BUND, weil sie nur ein Fünftel der ohnehin schon nicht üppigen Zielrendite von 1,5 Prozent erwirtschaften konnte. Die F.A.S. (2015) sieht sogar das „Geschäftsmodell“ Stiftung insgesamt vor einer ernsten Bewährungsprobe. Stiftungen halten daher schon jetzt verstärkt nach alternativen Anlagen Ausschau. Eine verstärkte Aktienanlage kann wegen der Aktienrisikoprämie langfristig dabei helfen, die Rendite des Portfolios zu heben. Im aktuellen Umfeld liegt überdies oft allein die Dividendenrendite von Aktien über der (sichereren) Anleiherendite, so dass sich bereits ohne Rückgriff auf etwaige Kursgewinne die Ausschüttungsfähigkeit verbessern lässt.

Kontakt:
Dr. Uta-Bettina von Altenbockum
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon +49 69 92915-47
E-Mail presse@dai.de

 




Quelle: Deutsches Aktieninstitut


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