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17:17 04.11.10

Aktiensparen rechnet sich mit der Zeit

In den letzten Wochen konnte der Deutsche Aktienindex DAX zulegen und notiert jetzt deutlich über dem Stand zu Jahresbeginn. Über den künftigen Kursverlauf gehen die Meinungen naturgemäß auseinander. Während die Optimisten dem DAX einen Jahresendstand von 7.000 Punkten und mehr zutrauen, rechnen andere mit einer Korrektur.

Tatsächlich stimmt es mich zuversichtlich, dass der große Crash, den viele angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise befürchtet haben, ausgeblieben ist. Seit den Tiefständen im September 2008 hat sich nicht nur das globale Konjunkturklima, sondern auch die Stimmung an den Börsen deutlich aufgehellt. Wesentlich haben hierzu auch Unternehmensergebnisse beigetragen, die oftmals die Erwartungen bei weitem übertroffen haben.

 

Darüber hinaus sind die Schleusen der Notenbanken weltweit unvermindert geöffnet. Von der US-Zentralbank wird sogar erwartet, dass sie in Kürze erneut Anleihen aufkaufen und damit den Markt mit zusätzlichem Geld versorgen wird. So entsteht zusätzliche Liquidität, die nach renditestarken Anlagemöglichkeiten sucht. Aufgrund der derzeit niedrigen Zinsen ist der Kauf vermeintlich risikoarmer Staatsanleihen aber nicht wirklich attraktiv. Dementsprechend sehen viele Anleger ihre Chancen am Aktienmarkt, was aufgrund steigender Nachfrage die Kurse beflügeln dürfte.

 

Ob dieses Kalkül aufgeht und uns eine Jahresendrallye an den Börsen bevorsteht, kann allerdings niemand mit Gewissheit vorhersagen. Ein großer Unsicherheitsfaktor ist insbesondere die US-Wirtschaft, die nicht so recht in Gang kommen will. Sorge bereitet auch weiterhin die prekäre Situation der öffentlichen Haushalte einiger europäischer Staaten. Hinzu kommt das politische Geschacher um die Reform des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts, das die Kapitalmärkte irritiert, weil die Schranken für die künftige Verschuldung weiterhin schwammig bleiben sollen.

 

Insgesamt bleibt die Lage an den Aktienmärkten weiterhin unübersichtlich. Dementsprechend groß ist auch die Verunsicherung unter den Anlegern. Die meisten wissen nicht, ob sie den Sprung auf den möglicherweise gerade anfahrenden Zug verpassen oder ob es sich lohnt, auf eine Abkühlung zu warten und sich dann zu niedrigeren Kursen mit Aktien einzudecken. Die stagnierenden Aktionärszahlen in Deutschland spiegeln diese Gemütslage wider.

 

Das Dilemma des „richtigen“ Einstiegszeitpunkts, der sich ohnehin erst im Nachhinein feststellen lässt, kann durch kontinuierliches Aktiensparen vermieden werden. Wer Monat für Monat einen Teil seiner Ersparnisse in Aktien oder Aktienfonds investiert, der muss über die vermeintlich oder tatsächlich günstige Gelegenheit nicht nachdenken. Die Erfahrung zeigt, dass sich Kursauschläge sowohl nach oben als auch nach unten über einen ausreichend langen Zeitraum ausgleichen. Was bleibt ist eine attraktive Durchschnittsrendite des gesamten Aktiendepots. Diese längerfristige Ausrichtung ist auch ein wesentlicher Grund, warum Aktien in keinem Altersvorsorgeplan fehlen sollten.

 

Prof. Dr. Rüdiger von Rosen ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Aktieninstituts e.V.



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