Berlin (www.aktiencheck.de) - Klart sich der Konjunkturhimmel auf, dann ist nach Ansicht der Experten von "Heibel-Ticker" ein Kursanstieg bei der Aktie der Deutschen Post (ISIN DE0005552004/ WKN 555200) drin.
Ein Dividendentitel mit ungeahnter Bilanzstärke und sogar attraktiven Wachstumsaussichten. Wer hätte hinter diesem verstaubten gelben Schalter ein modernes Wachstumsunternehmen vermutet, das seine attraktive Dividende sogar steuerfrei anbieten könne? Für jedes konservative Depot stelle die Deutsche Post eine gute Komponente dar.
Zahlen, die begeistern würden: Das Umsatzwachstum von 6% p.a. werde mit einem KGV von 11 fair bewertet. Die 670 Mio. Euro Nettoliquidität in der Kasse würden die hohe Dividendenrendite von 5,4% gesichert erscheinen lassen, zu allem Überfluss sei die Dividende der Deutschen Post auch noch steuerfrei. Was stecke hinter diesen Zahlen?
Nun, zunächst einmal der langweilige "Postbeamte" hinter dem gelben Schalter, von dem man einen Brief wiegen lasse.... oder? Nein, die Zeiten seien längst vorbei. Die Jungs hinter dem Schalter seien heute alles andere als Langweiler. Aber die Briefpost sei schon längst nicht mehr der Gewinnbringer für die Post, sie sei lediglich der stabile Dividendenabsicherer.
Viel lukrativer und mit größeren Wachstumsraten versehen seien andere Bereiche wie die weltweite Logistik, die Expansion in den Schwellenländern, sowie Logistik Dienstleistungen, die schon an das Verteilernetz von Amazon.com (ISIN US0231351067/ WKN 906866) erinnern würden.
Warum müsse ein Geschäftsbrief, der heute ohnehin meist ohne Unterschrift verschickt werde, vom Computer auf den Drucker geschickt, eingetütet und zum gelben Kasten gebracht werden, von dort mit einem Lieferwagen zur Posthauptstelle gefahren, sortiert und mit einem Lieferwagen zum Flughafen/zur Bahn gefahren, um dann in einer anderen Stadt/einem anderen Land wieder mit einem Lieferwagen zum Kunden gebracht zu werden? Man könne den Geschäftsbrief doch gleich von der Post vor Ort des Empfängers ausdrucken lassen, dann spare man sich den Großteil der Transportlogistik.
Warum habe Schlecker bundesweit diverse Läger aufbauen müssen, um seine Zweigstellen und Filialen mit unzähligen kleinen Produkten zu beliefern, wo doch die Deutsche Post diese Infrastruktur schon längst aufgebaut habe? Besser noch: Warum müsse Schlecker seine Produkte bei Procter & Gamble (ISIN US7427181091/ WKN 852062) abrufen und dann umverpacken, um die Verteilung in die Filialen zu realisieren, wo doch Procter & Gamble den Nachschub direkt über die Deutsche Post dann an die Filialen auf den Weg bringen könnte?
Hier seien Unternehmen in jeweils bilateralen Projekten eifrig am Optimieren. Procter & Gamble mit Schlecker beispielsweise, doch das sei eine Sisyphus-Arbeit. Wenn sich die Deutsche Post dazwischen hänge, könnte dieser Prozess nochmals optimiert, die Lieferzeiten verkürzt und die Kosten reduziert werden.
Der Bereich Logistikdienstleistungen sei ein Wachstumsbereich der Deutschen Post. Er betreffe natürlich nicht nur Briefe, wie man schon längst gemerkt habe, sondern auch Pakete und Päckchen, also DHL.
Hier gelte für die Deutsche Post wie für viele andere Unternehmen auch: Die aufstrebenden Mittelstandsklassen der Schwellenländer würden in ihren Lebensgewohnheiten immer schneller der industrialisierten Welt folgen, also werde auch in China immer mehr Online bestellt und per Paketdienst nach Hause geliefert. Die Deutsche Post mit ihren derzeit 470.000 Mitarbeitern in 220 Ländern befinde sich auf Wachstumskurs. Vor zwei Wochen sei eine Unternehmensanleihe im Volumen von 500 Mio. Euro und einer Laufzeit von zehn Jahren zu einem Zins von nur 2,95% ausgegeben worden, ein Zeichen für das Vertrauen der Anleger in dieses Unternehmen. Mit diesem Geld werde die Expansion in die Schwellenländer weiter vorangetrieben.
Wachstumsraten von 12% seien nun zwar auch in China Vergangenheit, doch auch 7% oder 6% Wachstum stelle für die Deutsche Post einen Markt mit großem Potenzial dar. Während in Europa die Krisenstaaten auf den Umsatz drücken würden, gleiche das Wachstum der Schwellenländer diesen Rückgang nach Unternehmensangaben mehr als aus.
516 Mio. Euro habe die Deutsche Post im Juni an den deutschen Fiskus nachzahlen müssen. Im Zeitraum 1998 bis 2010 habe es nach EU-Richtlinien eine ungerechtfertigte Umsatzsteuerbegünstigung gegeben. Die Deutsche Post habe diese Zahlung erwartet und entsprechende Rückstellungen gebildet. Damit sei diese leidige Geschichte nun aus der Welt.
Die Liberalisierung des Briefmonopols habe nicht funktioniert, habe Wirtschaftsminister Philip Rösler in den vergangenen Tagen zugegeben. Man werde nun keine weiteren Abenteuer mehr unternehmen, um für das Briefmonopol den Wettbewerb zu stimulieren. So würden die Zeiten der Billiganbieter im Briefverkehr vorerst der Vergangenheit angehören.
Zu besten Zeiten der Hochkonjunktur, also Anfang 2000 und Anfang 2007, habe die Postaktie schon mal über 25 Euro notiert. In Krisen rutsche der Logistikkonzern dann gerne mal unter 10 Euro. Logisch, es sei doch ein Logistikunternehmen und als ein solches hänge der Erfolg stark an der Konjunktur, oder?
Nun, die Experten würden das ein wenig anders sehen. Die Welt verändere sich hin zu einer Gesellschaft, die immer mehr über das Internet bestelle und nach Hause liefern lasse. Das sei ein sekulärer, also nachhaltiger, Wachstumstrend. Von diesem habe die Deutsche Post profitiert, während gleichzeitig immer mehr Briefe per E-Mail verschickt würden. Inzwischen sei das Paketgeschäft das Hauptgeschäft der Post, nicht mehr das Briefmonopol. Und wenn auch manche Konjunkturkrise das Wachstum beim Paketversand vorübergehend bremse, so bleibe es dennoch ein Wachstumsmarkt.
Kontinuierlich sei die Dividende in den vergangenen Jahren angehoben worden, lediglich 2008 sei eine Reduzierung infolge der Finanzkrise gefolgt. Seit 2002 habe sich die Dividende nunmehr von 0,40 Euro auf 0,70 Euro erhöht, während der Aktienkurs heute wieder auf dem damaligen Niveau notiere.
Es gebe keine Garantie, aber die Investitionen würden zeigen, dass die Deutsche Post auch weiterhin einen hohen Cashflow haben werde und dadurch weiterhin Dividendenerhöhungen zu erwarten seien. Das Damoklesschwert der Steuernachzahlung sei verschwunden. Das Damoklesschwert der Liberalisierung sei vorerst außer Sichtweite. Was halte denn die Aktie noch davon ab, dem Unternehmen eine "vernünftige" Dividendenrendite zu verschaffen, also eine Dividendenrendite von 3 bis 3,5%, wie es für ein cashflowstarkes Unternehmen mit mäßigen Wachstumsraten üblich sei?
Entsprechend würde die Aktie dann bei 18 bis 20 Euro notieren, was einem KGV von 16 entspräche. Es wäre ein Kursniveau, bei dem ich mich nach alternativen Dividendentiteln umschauen würde, denn von hier aus gebe es nicht mehr viel "Potenzial". Doch auf dem aktuellen Niveau und mit diesen Aussichten sei die Deutsche Post eine prima Alternative zu den niedrigen Zinsen am Anleihemarkt.
Sollten wir nun zu allem Überfluss auch noch Konjunkturprobleme bekommen, nachdem wir Europa in eine Krise gestürzt haben und die Chinesen und Amerikaner sich unserem Abwärtssog nicht entziehen können, dann werden Anleger nach sicheren Dividendentiteln Ausschau halten, so die Experten von "Heibel-Ticker". Die Deutsche Post sei ein solcher Titel, der nicht nur bei schwacher Konjunktur sondern auch im Trubel der Euro-Turbulenzen gut bestehen sollte.
5% Dividendenrendite, steuerfrei, seien attraktiv genug. Konjunkturprobleme sollten den Titel belasten, gleichzeitig sollte die Aktie als Dividendentitel gesucht sein. Vielleicht laufe der Kurs einfach weiter seitwärts, was schon attraktiv genug wäre, wenn harte Zeiten zukommen.
Klart sich der Konjunkturhimmel auf, dann ist sogar ein kräftiger Kursanstieg bei der Deutsche Post-Aktie drin, so die Experten von "Heibel-Ticker". (Ausgabe 28 13.07.2012) (16.07.2012/ac/a/d)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
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