Kolumne11:41 14.02.12
Aktien-Hausse - Jetzt kommt die Belastungsprobe
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
was wird aus Griechenland? Wer die Bilder und Stimmen gestern Abend gesehen und gehört hat, muss noch besorgter werden - bürgerkriegsähnliche Zustände. Kann denn überhaupt Ruhe einkehren? Eine verzweifelte Bevölkerung am Rande der Armutsgrenze soll begreifen, dass noch härter gespart werden muss. Andererseits ist Griechenland auf das Rettungspaket angewiesen, um die Staatsbeamten und Pensionäre bezahlen zu können. Hätte das Parlament vor wenigen Stunden gegen die Sparmaßnahmen gestimmt, müsste unser Partner aus dem Euro-Verbund austreten. Für diesen Fall würde die neue Währung sehr wahrscheinlich dramatisch abwerten, befürchten nicht nur Frankfurter Banker, und die griechische Regierung müsste Staatsdiener und Pensionäre mithilfe der Notenpresse bezahlen. Das Land würde damit sehr schnell in eine Hyperinflation geraten, die erfahrungsgemäß eine Gesellschaft zerstören kann, heißt es bei den Analysten von Metzler. Ich gehe noch einen Schritt weiter, denn eine neue Währung würde innerhalb von wenigen Wochen zum Kollaps des gesamten Geld- und Bankensystems in Griechenalnd führen.
Das Thema Griechenland kann also noch nicht abgehakt werden, ist am Aktienmarkt noch nicht „eingepreist“. Der volle Umfang der Krise und ihrer Folgen sind noch immer nicht abzusehen. Aber die klassischen Faktoren sind im Verlauf der ersten Wochen 2012 wieder stärker in den Vordergrund getreten und haben einen überraschend kraftvollen Kursaufschwung ausgelöst – nicht zuletzt dank der starken Liquiditätszufuhr durch die Europäische Zentralbank. Ob mit oder ohne Griechenland-Einfluss – eine Korrektur, eine Verschnaufpause an der Börse ist längst überfällig. Spätestens seit vergangener Woche rätseln Markteilnehmer und -beobachter, wie weit der Dax im Zuge einer solchen Konsolidierung zurückfallen könnte. Gleichzeitig schwindet aber das Misstrauen in die Aktien-Hausse immer mehr, warten viele Anleger noch die Möglichkeit zum Einsteigen. Die könnte es jetzt geben, denn die Börse muss jetzt eine Belastungsprobe absolvieren.
In diesem Zusammengang ist mir eine aktuelle Analyse der Helaba sehr sympathisch, in der es heißt: Mit der überdurchschnittlich positiven Januar-Performance wächst der Handlungsdruck bei denjenigen Anlegern, die nicht zuletzt aus Angst vor einer weiteren Eskalation der Staatsschuldenkrise bislang sehr defensiv positioniert waren. Immerhin hat sich ein starker Januar in der Vergangenheit schon häufig als Vorbote für weiter steigende Aktiennotierungen erwiesen, auch wenn sich nach einer derart starken Aufwärtsbewegung der Anstiegswinkel vermutlich etwas abflachen wird. Der noch immer überdurchschnittlich hohe Anteil an Geldern, die in Form von Sichteinlagen und Geldmarktpapieren geparkt sind, spricht dafür, dass bislang nur wenige „Pionierinvestoren“ die jüngste Rally mitgemacht haben. Viele Anleger warten dagegen auf Kursrücksetzer, um Aktienpositionen aufzubauen. Schließlich geben die wichtigsten fundamentalen und marktpsychologischen Aktiendeterminanten derzeit klare Signale für weiter steigende Kurse. Ja.
Das sehe ich auch so.
Lassen Sie sich also von Kursrückgängen nicht irritieren. Der Dax sollte den Härtetest bestehen!
Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr
Hermann Kutzer