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Kolumne11:01 17.05.04

Börsenexperte und Autor Prof. Dr. Max Otte

Aktienstrategien, die funktionieren

Sehr geehrte Privatanleger,

in den letzten Wochen haben einige meiner Favoriten neue All-Time-Highs erklommen, allen voran die erstaunliche Bijou Brigitte, eBay und Porsche. Insbesondere Bijou Brigitte überraschte: seit dem All-Time-High im Februar 2004 bröckelte der Kurs langsam ab, nur um dann Ende Mai plötzlich um 20% in die Höhe zu schießen. Dies bestätigt einmal mehr: die Gewinne werden an der Börse in wenigen Tagen im Jahr gemacht. Wenn Sie nicht bereits „drin" sind, wird es sehr schwer, auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

Oftmals erlebe ich es, dass Anleger „nervös" werden: nach einem hohen Kursgewinn verkaufen sie erfolgreiche Aktien, obwohl das Potential des Unternehmens noch lange nicht ausgereizt ist. Gerade bei eBay, Puma und Bijou Brigitte ist das einige Male vorgekommen. Ich kann verstehen, dass Ihnen nach den drei Baissejahren 2000-2003 der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach ist. Dennoch benötigen Sie Geduld und Durchhaltevermögen, wenn Sie an der Börse Erfolg haben wollen.

Es gibt viele Aktienstrategien, die funktionieren. Auf dem Treffen der deutschen Investoren anlässlich der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway in Omaha haben wir die wichtigsten davon diskutiert. Auch boerse.de hat mit der Champions-Strategie und der Strategie nach Warren Buffett zwei funktionierende und getestete Aktienstrategien im Programm.

Vorab: eine Strategie, die jedes Jahr gute Renditen abwirft, gibt es nicht. Der Aktienmarkt schwankt. Zwar überwiegt die Anzahl der guten Jahre, aber in einem ausgesprochenen Bärenmarkt werden auch die besten Investoren Verluste hinnehmen müssen. Natürlich gibt es Anleger und Spekulanten, die auch in einem Bärenmarkt Gewinne machen. Vielleicht haben solche Anleger einfach Glück gehabt und fallen bei der nächsten Wende des Marktes auf die Nase. Vielleicht sind es auch Superspekulanten wie George Soros. Auf jeden Fall wäre es grundfalsch für uns als Privatanleger, diese Personen zu imitieren.

Seriöse Anlagestrategien lassen sich an der Überrendite messen, die sie im Vergleich zu einem Index erzielen. Im Horror-Bärenmarkt der Jahre März 2000 – März 2003 waren keine Gewinne zu machen. Da hieß es nur, die Verluste zu minimieren. Als Investor benötigen Sie Geduld – manchmal 5 Jahre und mehr! Es ist völlig normal, dass Sie erst 2005, 2006 oder 2007 wieder beim alten Hoch Ihres Portfolios aus dem Jahr 2000 ankommen. Das gilt nur für ein GUTES Portfolio: der DAX wird wohl länger brauchen.

Auch die derzeit so gerne beworbenen Hedgefonds machen letztlich nur die Finanzdienstleister reich, nicht aber Privatanleger. Mit offenen und versteckten Gebühren von 10-30% haben Sie nur eine Gewissheit: auf Dauer wandert das Geld aus Ihren Taschen in die Taschen der Banken. Man muss sich das einmal verdeutlichen: jemand verspricht Ihnen hohe Renditen mit Strategien, die Sie nicht kennen und nicht überprüfen können. Sicher können Sie nur sein, dass Sie jedes Jahr zwischen 10% und 30% abliefern müssen. An Wunder glaubt man eben am besten, wenn man nicht so genau hinschaut.

Folgende Strategien funktionieren, wenn Sie die notwendige Geduld und Konsequenz mitbringen:

1. Dividendenstrategien nach Michael O. Higgins. Nach dieser Strategie wählen Sie aus den 10 dividendenstärksten Werten eines Index die 5 Werte mit den niedrigsten Kursen aus. Ich habe diese Strategie zusammen mit Stefan Kotkamp auch für den DAX getestet („Kaufleute-Strategie") und komme auf eine historische Überrendite von 3%-4% p.a. gegenüber dem DAX. Mein am 3.12.1999 nach diesen Prinzipien aufgebautes Kaufleute-Portfolio weist einen Verlust von 18% auf, der DAX einen Verlust von 38%.

2. Die „Loser-Strategie" weist einige Ähnlichkeiten mit der Dividendenstrategie auf und war in den letzten Jahren die beste systematische Strategie überhaupt: wenn Sie ein Portfolio der fünf Werte mit der schlechtesten Kursentwicklung zusammenstellen, hat dies in den letzten Jahren eine Überrendite von 7%-8% erzielt. Das funktioniert! Allerdings müssen Sie die Werte nach einem Jahr auch verkaufen, sonst ist der Erholungseffekt dahin.

3. Kurs zu Nettoumlaufvermögen nach Benjamin Graham: Graham, der Lehrmeister von Warren Buffett, setzt den Wert des Unternehmens in Relation zum Nettoumlaufvermögen. Wenn Sie die nach dieser Methode billigsten Werte aussuchen, können Sie ebenfalls langfristig deutliche Überrenditen erzielen.

4. Marktwert unter Bargeldbestand: Wenn Sie Aktien kaufen können, deren Kurs unter dem Bargeldbestand pro Aktie notiert, werden Sie, statistisch gesehen, besser als der Index abschneiden. Sie müssen verkaufen, wenn das Unternehmen wieder 10% und mehr über dem Bargeldbestand notiert. Von Ende 2002 – Mitte 2003 war das auch im Neuen Markt möglich.

5. Relative Stärke und Kurs-Umsatz-Verhältnis (2-Filter-Strategie): Mit der relativen Stärke messen Sie, wieviel Prozent der anderen Aktien eines Index das entsprechende Unternehmen schlägt. Zwar messen Sie hier Wirkung (Kursentwicklung) und nicht Ursache (Unternehmensqualität) aber zusammen mit dem Bewertungskriterium Kurs-Umsatz-Verhältnis sind Sie erfolgreich.

6. Owner´s Earnings nach Warren Buffett: Zunächst einmal macht sich Buffett Gedanken über die allgemeine Unternehmensqualität. Dann untersucht er, wieviel zusätzliche Gewinne durch die über die Abschreibungen hinausgehenden Investitionen geschaffen werden. Nur, wenn deutlich mehr zusätzliche Gewinne geschaffen werden, kauft Buffett.

7. Der „Institutionelle-Investoren-Effekt": Dieser Einmaleffekt mit durchschnittlich 7-10% Kurssteigerung findet dann statt, wenn eine Aktie in größerem Stil von den institutionellen Investoren entdeckt wird. Wenn solche Investoren anfangen, sich einzudecken, treiben sie den Kurs nach oben. Bei Puma konnte man das in diesem Jahr beobachten – jetzt ist das Unternehmen an der Börse mit 3 Milliarden Euro bewertet. Bijou Brigitte ist mit 400 Millionen Euro immer noch ein kleines Unternehmen. Wenn das Wachstum weitergeht, kann es auch hier zu einem „Institutionellen-Effekt" kommen. Die Bijou-Story ist noch nicht zu Ende.

8. Unternehmen mit hohem Börsenwert (large caps) versus Unternehmen mit kleinem Borsenwert (small caps). In den letzten siebzig Jahren haben Unternehmen mit großem Börsenwert in den USA im Schnitt 13,7% (inflationsbereinigt 9,7%) und kleine Unternehmen inflationsbereinigt 17,3% (bereinigt 13,8%) Rendite erzielt.

Diese Börsenstrategien funktionieren – aber immer nur, wenn Sie die Ansätze auch konsequent anwenden und durchhalten. Der größte Feind langfristiger Renditen ist immer noch die eigene Ungeduld.

Erfolgreiche Investments wünscht Ihnen

Ihr
Prof. Dr. Max Otte
www.privatinvestor.de

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