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Kolumne16:07 20.06.16

Börsenexperte und Autor Gerhard Mahler

Alles dreht sich um den Brexit

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Anspannung ist mit Händen greifbar. Streckenweise kommt der Handel in Europa fast zum Erliegen, sieht man einmal von Angstverkäufen auf dem ohnehin gedrückten Niveau ab. Dabei sind einzelne technische Indikatoren wie zu schweren Krisenzeiten bereits in extremen Bereichen gelandet, die in jeder anderen Situation vom Markt längst eine Gegenreaktion gefordert hätten. Doch die Brexit-Angst war größer, die „Volas“ in ihrer Eigenschaft als Barometer für „Gefahr im Verzug“ stiegen weiter. Mit Hochrechnungen und Quoten für den eventuellen EU-Austritt Großbritanniens (Brexit) gestalten die Meinungsforscher und die britischen Buchmacher zurzeit die Aktienkurse. Daneben dominieren sie die Devisen- und Anleihenmärkte teils auch noch. Bis zum vergangenen Donnerstag grassierte die große Angst. Im Laufe des Tages wich sie aus verschiedenen Gründen etwas, worunter die Erkenntnis gewesen sein mag, dass Europa auch ohne direkte englische Mitgliedschaft trotz aller Probleme weiter existieren wird. An der Wall Street zogen die Kurse rasch nach oben.

Nervöse Märkte

Am nächsten Donnerstag ist die Abstimmung, am Freitag werden wir das Resultat kennen und die Bescherung an den Börsen haben. Dieses Wochenende lagen dem Vernehmen nach die Brexit-Befürworter knapp vorne, was sich in den kommenden Tagen aber leicht noch ändern kann. Entsprechend nervös sind die Märkte. Im Fall eines britischen EU-Austritts könnte Deutschland dem Ifo-Institut zufolge „langfristig einen Wachstumsverlust“ in Höhe von bis zu drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erleiden, heißt es. Und in Großbritannien selber könnten die Verluste „deutlich höher sein“. Im Falle des Austritts wäre an den Aktienbörsen Baisse-Stimmung angesagt, obwohl ein Großteil der jüngsten Verluste bereits auf das „Brexit-Konto“ geht.

Große Schwankungen

Und falls alles bleibt wie es ist, wird es eine Erleichterungs-Rallye geben. Unseres Erachtens dürfte der Brexit so oder so relativ schnell Geschichte sein. Notwendige neue Verträge treten an die Stelle der alten, und im Prinzip wird sich nicht gar so viel ändern. An einen Domino-Effekt, der infolge der schlechten Stimmung andere Staaten dem englischen Beispiel Folge leistet, glauben wir nicht. Allerdings gehen wir an den Börsen von anhaltend hoher Volatilität aus, die sich jedoch rasch zurückbildet, sollten die Kurse zu einem Spurt ansetzen. Die mögliche Erleichterungs-Rallye müsste die Indizes zumindest an ihre nächsten nennenswerten Widerstände heranführen. Eine Abwärtspanik mit Crash halten wir für unwahrscheinlich.

Viel Erfolg mit Ihren Investments
Ihr

Gerhard Mahler
Chefredakteur
Kurzfrist-Trader


P.S.: Hiermit lade ich Sie sehr herzlich zum 9. Rosenheimer Börsentag am 16. Oktober 2016 ein. Das Börsen-Event ist eine Institution mit namhaften Referenten und interessanten Themen.

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