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Kolumne17:15 09.01.12

Börsenexperte, Experte und Author Hermann Kutzer
Anlagestrategie - Die Börse läuft sich noch warm
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

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sind wir nach der ersten Woche schon klüger als vorher? Ich befürchte, nein. Die Unsicherheit bleibt, aber die Nervosität hat nicht noch zugenommen. Enttäuschte Börsianer sehen in drohenden Pleiten von Griechenland und Ungarn eine weitere Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise. Andererseits proben gerade heute Angela Merkel und Nicolas Sarkozy den Schulterschluss, um Europa weiter voranzubringen. Im Osten wie im Westen nicht viel Neues. Und das ist besser, als es viele Pessimisten erwartet haben. Die Börsen sind verhalten ins neue Jahr gestartet. Und es sieht momentan so aus, als sei eine stärkere, nachhaltige Bewegung in die eine oder andere Richtung unwahrscheinlich – immer voraussetzend, dass dramatische und überraschende Entwicklungen ausbleiben.

Übrigens: Sollte unser Bundespräsident in den nächsten Tagen entgegen seinen beharrlichen Ankündigungen doch das Handtuch werfen, würde das mit Sicherheit keinen Schwächeanfall an der Börse auslösen.

Ein positiver Impuls auf den Aktienmarkt könnte (könnte!) tatsächlich von Fortschritten in den deutsch-französischen Krisengesprächen im Vorfeld des in drei Wochen stattfindenden EU-Sondergipfel ausgehen. Beachtenswert auch deshalb, weil Kanzlerin und Präsident nicht nur die Umsetzung des „Fiskalpakts“, der die Euro-Länder sowie EU-Staaten zu mehr Haushaltsdisziplin verpflichten soll, vorantreiben wollen. Berlin und Paris loten auch Wege für mehr Wachstum und Beschäftigung aus. Umgekehrt glaube ich nicht, dass weitere Hiobsbotschaften aus Griechenland die Börsianer noch schocken können – man weiß aber nie, wie die Märkte im Falle des Falles tatsächlich reagieren werden.

Vorsicht schließlich beim Blick das Kräftemessen am Persischen Golf! Durch das Nadelöhr Straße von Hormus wird immerhin ein Fünftel der weltweiten Ölexporte verschifft. Eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Iran und den USA würde die Märkte gewiss beeindrucken, den die politischen wie wirtschaftlichen Folgen könnten unabsehbar schlimm werden. So wäre eine Verknappung des Rohöls mit der Folge dauerhaft noch höherer Preise eine zusätzliche große Hypothek für die Weltwirtschaft. 2011 war schon das teuerste Öljahr der Geschichte mit einem Durchschnittspreis von 110 Dollar je Fass Rohöl. Dieses Jahr wird es mindestens genauso schlimm, befürchten nicht wenige Fachleute – und das trotz der Erwartung einer globalen Wirtschaftsflaute, im Zuge derer die Ölpreis eigentlich sinken müssten.

Gemütlich wird es für Sie, liebe Anlegerinnen und Anleger, also nicht. Der Aktienmarkt hat im Moment aber keine schwachen Beine. Und das ist ja auch schon was.

Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr

Hermann Kutzer


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