Kolumne17:36 27.01.12
Anlagestrategien - Profis favorisieren ganz unterschiedliche Modelle
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
„Die Unternehmen bestimmen endlich wieder den Handel“, überschrieb das Handelsblatt am Donnerstag seinen Marktrückblick. Doch ist dies nur die halbe Wahrheit, denn der wichtigste Treibsatz bleibt die hohe Liquidität, die in historisch niedrigen Zinsen zum Ausdruck kommt. Dies bestätigte gestern auch die Reaktion auf die amerikanische Ankündigung einer noch lange anhaltenden Null-Zins-Politik. Die Sorgen wegen der Staatsschuldenkrise in Euroland wie auch der Umschuldung der griechischen Staatsschulden spielten vor diesem Hintergrund nur noch eine untergeordnete Rolle. Vorsicht! Das ist nur eine Momentaufnahme. Sollte sich die Lage auf der politischen Ebene wieder zuspitzen, würde das auch die Börse beeindrucken. Das befürchte ich aktuell nicht, aber es wäre einfach viel zu früh, jetzt schon Entwarnung zu blasen.
Auf jeden Fall bemerkenswert: In vielen Gesprächen ist das Bemühen der institutionellen Experten zu spüren, sich immer mehr an den neuen Wirtschafts- und Unternehmensdaten zu orientieren. Das habe ich zur Grundlage einer spontanen, völlig unwissenschaftlichen Blitzumfrage auf dem zweiten Tag des Fondskongresses in Mannheim gemacht – dem jährlichen Treffen der kompletten Investmentbranche. Das Ergebnis hat mich etwas überrascht, denn die durchweg sehr positiven Berichte von ZEW, Ifo und jetzt auch noch GfK (Verbraucherstimmung) wurden zwar mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, doch habe ich Hurra-Rufe deswegen nicht vernehmen können. Außerdem: Die gerade in den jüngster Zeit immer lauter angepriesenen deutschen Aktien sind nicht die klaren Favoriten der Experten. Weitgehende Übereinstimmung herrschte lediglich bei der Betonung der internationalen Streuung.
Ich habe die Frage gestellt, wie würden Sie persönlich jetzt 100.000 Euro anlegen, wenn Sie das Geld nicht für geplante Sachinvestitionen benötigen? Die persönliche Vermögenssituation wurde der Einfachheit halber außer Acht gelassen, als Zeithorizont „mittel- bis längerfristig, mindestens drei Jahre“ vorgegeben. Das ist an individuellen Modellen u. a. herausgekommen:
- 40% europäische Aktien, 30 % Emerging-Markets-Aktien mit Schwerpunkt China, 20% Emerging-Markets-Anleihen, 10% Liquidität.
- 100% Aktien, davon 30% Europa, 25% USA, 25% Emerging Markets mit den Schwerpunkten Lateinamerika und China, Rest Liquidität.
- 50% Anleihen Emerging Markets, zweite Hälfte Aktien, davon 20% Deutschland, 20% USA und 10% Emerging Markets.
- 30% Aktien mit Übergewichtung von US-Aktien und global führenden Konzernen, 50% Anleihen, großenteils Unternehmensanleihen, 10% offene Immobilienfonds und 10% Liquidität.
- 80% Aktienfonds, davon 50% Asien, 30% Europa und 20% USA, 20% offene Immobilienfonds.
Solche und ähnliche Kombinationen waren die Regel. Asien und China wurden im Aktienbereich am meisten genannt, USA und Europa etwa gleich oft. Eine klare Mehrheit der Fachleute baute auch einen größeren Anteil Anleihen ein – sei es „nur zur Sicherheit“ (deutsche Staatsanleihen) oder angesichts der teilweise noch zweistelligen Renditen (Staatsanleihen der Schwellenländer). Rohstoffe und Edelmetalle wurden dagegen nur in wenigen Ausnahmefällen erwähnt. Es sei dennoch nicht unterschlagen, dass ein einzelner Profi ganz auf Silber setzten würde, und zwar aus fundamentalen Gründen („Silber wird immer knapper in den nächsten Jahren“). Er peilt zunächst 50 Dollar an, innerhalb von etwa drei Jahren sogar die 100-Dollar-Marke. Und als „sicherste Spekulation“ galt einem Investmentrepräsentanten jetzt der Kauf der Commerzbank-Aktie.
Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr
Hermann Kutzer
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