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Kolumne09:56 10.05.16

Börsenexperte und Autor Volker Meinel

Apple & Co: Weg vom Investment - hin zum Trading

Nachdem der Markt die schwachen Zahlen von Apple und Samsung verdaut hat - Apple notiert auf dem tiefsten Stand seit Herbst 2014, die Samsung-Aktie hat sich noch nicht nennenswert von ihrem Mehrjahrestief erholt - kalkuliert man weltweit mit einem Ende des Smartphone-Superzyklus. Vergangene Woche meldeten die Industrieanalysten von Strategy Analytics, auf die sich weltweit viele Finanzanalysten verlassen, ein Minus für den Smartphone-Markt von 3 Prozent im ersten Quartal. Gemäß Bloomberg hat sich das Wachstum, das Anfang 2011 noch bei 86 Prozent auf Quartalsbasis gelegen hatte, praktisch in Luft aufgelöst.
 

Weil die Endkonsumenten nicht mehr fast automatisch zum neuesten Gerät greifen und es immer weniger zahlungskräftige Menschen gibt, welche sich noch ein Smartphone kaufen könnten (die allermeisten haben bereits eines), ziehen einige Experten bereits Parallelen zum Markt für PCs und Notebooks. Der hatte vor rund einem Jahrzehnt ebenfalls seinen Höhepunkt erlebt und ist, auch aufgrund der immer leistungsfähigeren drahtlosen Kommunikationsnetze und Smartphones, seither deutlich geschrumpft. Lediglich ein positiver Verkaufsstart wie jetzt beim neusten Galaxy S7-Modell von Samsung kann den Aktien der Hersteller kurz eine Erholungsphase bescheren - und bei solchen Ankündigungen gibt es denn auch reichlich Einstiegsmöglichkeiten für Trader.
 

Es findet jedoch nicht nur bei den Aktien von Apple und Samsung eine Konsolidierung und eine Anpassung des Kurses an die neue Realität statt. Auch viele Zulieferer wie Texas Instruments, Sony, SK Hynix (Südkorea), der japanische Bildschirmhersteller Sharp und die europäischen Chiphersteller Dialog Semiconductor und AMS verzeichneten ein ruppiges erstes Quartal mit teilweise dramatischen Kursverlusten.
 

Optimisten verweisen darauf, dass erst eine Minderheit der Smartphone-Besitzer ein Gerät hat, das die Möglichkeiten der Netze der jüngsten Generation richtig ausnutzen kann. Es bleibt damit viel Raum für weitere Ersatz-Käufe - und damit für die kleineren Hersteller, welche die Schwächen der beiden Großen ausnutzen.
 

Pessimisten verweisen auf die neuen Aktivitäten der Hersteller, die von Drohnen, Internet-of-Things (IoT) und selbstfahrenden Autos - hier sollen besonders Apple und Google aktiv sein - reichen. Es dürfte jedoch noch zwei, drei Jahre dauern, bis erste sichtbare Erfolge bei diesen neuen Aktivitäten sichtbar sein werden - wenn überhaupt. Eine einfache Überschlagsrechnung genügt, um allzu große Hoffnungen zu dämpfen: IoT-Endgeräte kosten wenige Dollar und halten fünf bis zehn Jahre. Bessere Smartphones kosten (ab Fabrik) zwischen 100 und 400 Dollar - und werden alle zwei bis drei Jahre ersetzt. Kalkulationen für Drohen sehen noch ernüchternder aus.
 

Damit dürften die Aktien der Hersteller und Zulieferer nach dem Auslaufen des Superzyklus weg von Long-Only-Anlagen hin zu Trading-Investments wandeln. Für Investoren, die beide Seiten der Marktentwicklung im Griff haben, sind das weiterhin attraktive Basiswerte. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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