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Kolumne16:40 11.03.16

Börsenexperte und Autor Dirk Heß

BREXIT: Denn niemand weiß, was sie tun

Ende Februar gab der britische Premierminister David Cameron den Termin für das EU-Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU bekannt. Der 23. Juni wird nicht nur auf der Insel ein spannender Tag.

 

David Cameron hat hoch gepokert. Der britische Premier hat mit der Europäischen Union Vereinbarungen getroffen, die die Briten milde stimmen sollen: Weniger Pflichten, mehr Sonderrechte – seht her, wir sind gleicher unter den Gleichen. Also lasst uns weiter in der Union bleiben, wir profitieren davon. Das ist die Botschaft, die Cameron aus Brüssel seinem Volk senden wollte. Es ist aber nach wie vor ungewiss, ob diese Botschaft bei der Mehrheit der Briten angekommen ist. Sieht man sich verschiedene Umfragen zum möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU an, schwankt die Zahl der Brexit-Befürworter zwischen 30 und knapp unter 50 Prozent. Man kann das so interpretieren, dass zwar viele Briten die EU kritisch sehen, dass aber immer noch eine Mehrheit der Briten für einen Verbleib in der gemeinsamen europäischen Wirtschaftszone ist. Verlassen sollte man sich darauf nicht. 
 

In einem Umfeld, in dem viele Briten noch unentschlossen sind, wie sie am 23. Juni entscheiden werden, können jeden Tag neue Ereignisse die Waagschale in die eine oder andere Richtung kippen lassen. So sorgte jüngst Boris Johnson, der sehr populäre Bürgermeister Londons, mit seinem Ruf nach dem Austritt für große Aufregung. Es war ein herber Schlag für die Regierung. Denn er galt bis vor kurzem noch als eine der wichtigen unentschlossenen Persönlichkeiten.
 

Der Markt reagiert auf die Unsicherheit

Die Folgen eines Brexit wären sowohl für die Europäische Union als auch für Großbritannien höchst unerfreulich. So würde im Falle des Falles die neue Situation für die britische Regierung und auch für britische Unternehmen bedeuten, dass sie Verträge mit dem Festland neu aushandeln müssten. Das kostet Zeit und Geld. Es ist absehbar, dass das Handelsvolumen zwischen Großbritannien und der EU schrumpfen würde – was wiederum Implikationen auf die Gewinne der britischen Unternehmen und auch auf die Währung haben würde.
 

Die Wirtschaft hat diese möglichen Auswirkungen eines Brexit klar vor Augen. Abzulesen war das schon an der Reaktion der Märkte auf Boris Johnsons Bekenntnis zum Austritt. Das Pfund Sterling verlor am Tag danach gegenüber dem Dollar fast zwei Prozent an Wert, gegenüber dem Euro rund ein Prozent.
 

Der Trend setzt sich seitdem fort. Die nach einem Brexit zu erwartende Kapitalabwanderung ist bereits zu spüren. Bei Britischen Schatzanleihen (Gilts) findet gerade ein Ausverkauf statt, insbesondere bei den bislang international begehrten 10-jährigen Papieren. An der Börse sind auffällig viele Immobilienwerte unter Druck geraten. Denn im Fall eines Brexit könnte das ausländische Interesse an britischen Immobilien deutlich nachlassen.
 

Spannende Zeit auch für Anleger

Die kommenden Wochen werden also nicht nur für die britischen Bürger, sondern auch für Anleger zunehmend spannender. Denn die Märkte werden aller Voraussicht nach sehr sensibel auf die beginnenden Werbefeldzüge der Brexit-Befürworter und Gegner sowie die sie begleitenden Meinungsumfragen reagieren. Sich jetzt schon auf ein Szenario nach dem 23. Juni festzulegen und auf oder gegen einen Brexit zu spekulieren, wäre deshalb aus Anlegersicht riskant. Sehr wahrscheinlich ist wohl dagegen, dass der britische Aktienmarkt und die Entwicklung des Britischen Pfundes in den kommenden knapp dreieinhalb Monaten von hoher Volatilität geprägt sein werden. Anleger können sich in diesem Umfeld zum Beispiel mit Mini Long Futures auf das Währungspaar EUR/GBP oder Mini Short Futures auf das Währungspaar GBP/USD so positionieren, dass sie mit Hebelwirkung von einem weiteren Kursverfall des Britischen Pfundes gegenüber dem Euro oder dem US-Dollar profitieren würden. Anleger, die stark fallende Kurse erwarten, können in Mini Short Futures auf britische Aktien investieren – entweder, um bereits bestehende Positionen mit den Hebelpapieren abzusichern oder um davon zu profitieren, falls eine der nächsten Umfragen eine höhere Brexit-Wahrscheinlichkeit prognostiziert.
 

 

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