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Kolumne15:26 01.02.12

Börsenexperte, Experte und Author Hermann Kutzer
Börsenbilanz Januar - Wie weit geht die "Erleichterungsrally?"
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

ein guter Auftakt. Kein Zweifel. Das Dax-Plus von gut 10% im ersten Monat des ominösen Jahres 2012 hatten nur krisenresistene Optimisten auf dem Radar. Jetzt präzise vorhersagen zu wollen, ob und wie weit die Aktienkurse bis zum Ultimo noch steigen werden, bleibt allerdings unverbesserlichen Spekulanten vorbehalten. Ich sage nur soviel: Es ist noch einiges drin nach oben. Und mit jedem Tag sinkt das – immer noch beträchtliche – Risiko von stärkerem Kursrückschlägen. Der deutsche Aktienmarkt ist in einer wirklich guten Verfassung, der Liquiditätsmotor läuft rund – nicht heiß. Deshalb warten viele „Bullen“ jetzt auf eine Korrekturphase, um kostengünstiger wieder zugreifen zu können.

Mir gefällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Erleichterungsrally“ bei Aktien. So hat z.B. der S&P den besten Jahresstart seit 1997 hingelegt – die Rückkehr der Technologiewerte. Maßgeblich dazu beigetragen hat eine insgesamt weniger pessimistische Haltung in Bezug auf die Eurozone und damit auch gegenüber dem Finanzsektor. Hinzu kommt, dass die Abschwächung der Konjunktur in der Eurozone zwar anhält, dafür aber die US-Wirtschaft eine Erholung erlebt. Die Sorgen über Chinas Dynamik haben nachgelassen. Ganz wichtig auch, dass die geldpolitischen Schritte von Fed und EZB für eine Unterstützung der Finanzmärkte gesorgt haben.

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Typisch der Verlauf des letzten Januartag. Die EU-Gipfelbeschlüsse über einen Fiskalpakt und die vorgezogene Einführung des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM sind in der Wirtschaft und an den Märkten auf eine überwiegend positive Resonanz gestoßen. Später enttäuschten aber – wieder einmal – neue amerikanische Wirtschaftsdaten. Die ändern nichts an der grundlegend verbesserten Einschätzung der US-Ökonomie. Außerdem kennen wir das Phänomen von überraschenden und kurz darauf wieder enttäuschen Statistiken schon seit langem. Gestern Abend überwogen auch gelassene Analystenreaktionen: Für Frank Geilfuß vom Bankhaus Löbbecke ziehen die Börsen positive Schlüsse aus dem EU-Gipfel, nachdem dieser zuletzt für eine "ohnehin fällige Atempause" am stark gelaufenen Aktienmarkt gesorgt habe. Zwei Drittel der deutschen Vorhaben seien durchgesetzt worden. Positiv aufgenommen wurden zudem Äußerungen von Griechenlands Regierungschef Lucas Papademos, der von Fortschritten in den Verhandlungen über einen Schuldenschnitt gesprochen hatte.

Letztlich macht also die Normalisierung des Börsengeschehens immer wieder kleine Fortschritte. Dazu gehört nach meiner Beobachtung, dass auf den strategischen und taktischen Empfehlungslisten, die fortlaufend überprüft und dann veröffentlicht werden, die Favoriten nicht mehr wöchentlich wechseln. Global erfolgreiche Technologiekonzerne bleiben ebenso auf der Agenda der institutionellen Vermögensmanager wie China-Konsumtitel, Unternehmen mit langjährig hohen Dividenden sowie Staatsanleihen der Schwellenländer und ausgesuchte Industrieanleihen.

Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr

Hermann Kutzer

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