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Kolumne14:11 23.02.12

Börsenexperte, Experte und Author Hermann Kutzer
Börsenprognosen - Keine Angst vor den Crash-Warnungen!
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

noch hat der Dax den 7.000er nicht gepackt – auch wenn er schon kurz davor stand. Und es ist aus meiner Sicht völlig offen (und egal), ob ihm das kurzfristig gelingen wird, oder ob jetzt erst einmal eine (längere) Konsolidierungsphase beginnt – bekanntlich warten Börsianer und Beobachter schon seit Tagen auf eine Verschnaufpause mit Kurskorrekturen. Es gibt keinen Grund, die optimistische Grundhaltung aufzugeben – wegen oder trotz Griechenland. Deshalb möchte ich Sie beruhigen, liebe Anlegerinnen und Anleger, falls neue Crash-Prophezeihungen Sie nervös machen sollten.



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Mit diesem Thema hat sich auch mein junger, geschätzter „Handelsblatt“-Kollege Christian Schnell auseinandergesetzt, dem ich für seinen Bulle & Bär-Kommentar ein dickes Kompliment aussprechen möchte. Er schreibt u.a.: Es liegt in der Natur der Sache, dass Pessimisten in Geldfragen angesehener sind als Optimisten. Liegen Letztere falsch, kostet das diejenigen, die ihnen folgen, Geld. Wer jedoch dem falschliegenden Pessimisten glaubt, der hat nur das Geld nicht verdient, das andere einstecken. Beides sind zwar eigentlich schmerzhafte Erfahrungen, aber die Wahrnehmung ist eine andere.

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Sei es, wie es ist, die Zahl der Dauerschwarzseher wird durch den nächsten Kurssprung sicher nicht weniger werden, ganz im Gegenteil. Erst recht werden sie in gewissen Kreisen wieder Gehör finden, die chronisch für solche Nachrichten empfänglich sind. Bei den Verschwörungstheoretikern und Weltuntergangspropheten. Man muss jedenfalls auch kein Prophet sein, um zu behaupten, es käme wieder eine Krise. Die wird sicher irgendwann kommen, nur wann? Dass es bis dahin jede Menge verpasste Gelegenheiten gibt, wird gerne verschwiegen, wenn es so weit ist. Man sonnt sich stattdessen lieber in dem Bewusstsein, es schon immer gewusst zu haben. Auch wenn die Gründe mittlerweile ganz andere sind als die damals verkündeten. Aber an die erinnert sich, wenn es wieder steil bergab geht, ohnehin niemand mehr. Nur die
PR-affinen Pessimisten rücken sich sogleich ins Licht der Öffentlichkeit, frei nach dem Motto: Wir haben es schon immer gewusst.

Ach, wie wahr!

Ich möchte nur hinzufügen, dass es die Pessimisten schon befriedigt, irgendwann Recht zu bekommen gemäß der Formel „Pessimismus = Realismus“. Und bin gewiss nicht der erste und einzige mit der Behauptung, dass diese Grundeinstellung hierzulande besonders verbreitet ist.

Warum es für derartige Betrachtungen aktuellen Anlass gibt, sei nur am Rande erwähnt: Ebenfalls im „Handelsblatt“ verrät der bekannte US-Untergangsökonom Gary Shilling, warum sich die Anleger auf Rezession, Deflation und eine tiefen Fall des Euro einstellen sollten. Und Roland Leuschel, der als Mensch äußerst sympathische „Opa“ unter den Crash-Propheten (ich habe ihn schon vor Jahrzehnten als Moderator seiner Bühnenschlachten mit dem Über-Bullen Heiko Thieme begleitet), zeigt sich im Interview mit dem DAF überrascht von der jüngsten Stärke an den Aktienmärkten: "Ich habe diese Rally unterschätzt", so Leuschel. „Aber ich glaube, sie wird nicht mehr lange gehen." Leuschel erwartet einen großen Gegenangriff der Bären.

Noch gemäßigt klingt da die Vorwarnung anderer Bankanalysten, die den Anlegern empfehlen, sich allmählich auf Inflation (nicht Deflation!) einzustellen. Auch in dieser so rasanten Zeit sollten Sie sich aber von diesen Thesen nicht gleich zu hektischem Aktionismus verleiten lassen! Mit einem nach Anlageklassen stark gemischten Depot, das ein großes Aktiengewicht (Deutschland, neue Wachstumsländer und Weltkonzerne) besitzt, sind Sie gut aufgestellt. Und selbst, wenn: Nichts kommt so schnell, als dass Sie nicht rechtzeitig darauf reagieren könnten. Bleiben Sie cool!

Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr

Hermann Kutzer


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