Kolumne17:04 20.01.12
Börsenstrategie (II) - Die Bären kriegen eins auf die Schnauze
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
die Börse will nach oben – wie weit und wie lang, weiß kein Mensch. Deshalb müssen die ängstlichen „Bären“ genauso vorsichtig sein wie ihre mutigen Gegenüber. Was Stimmungen und Herdentrieb bedeuten können und was nicht – die vergangenen Tage haben einmal mehr die Besonderheiten einer Börse deutlich gemacht. Nehmen wir die wöchentliche Stimmungsanalyse der Frankfurter Börse vom 18. Januar. Darin schreibt die mit der Marktbeobachtung beauftragte Cognitrend: „Der Downgrade-Rundumschlag gegen zahlreiche Länder der Eurozone hat deutliche Spuren im Markt hinterlassen. Verflogen ist der Rekordoptimismus vom Jahresende und macht einem Pessimismus Platz, obwohl sich der
DAX sich von seiner besten Seite zeigt … Aktienmarktinvestoren haben sich ohne jeden Zweifel intensiv mit der jüngsten Herabstufung auseinandergesetzt . Als Orientierung diente wohl die Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten, die der Abstufung der USA Anfang August folgte. Und am Wochenende, das dem Rundumschlag gegen die Eurozone folgte, berichteten die Medien ja auch fast ausschließlich über mögliche negative Konsequenzen für die betroffenen EU-Länder und dort tätigen Unternehmen. Gleichzeitig sind ganz offensichtlich zu einer negativen Interpretation des Ganzen noch die verhärteten Fronten im Kampf um das Vermeiden einer Griechenland-Pleite gekommen.“
Stimmungen und Kurse müssen sich also nicht immer im Gleichklang entwickeln. Für mich ist – neben dem Faktor große, wenn auch großenteils ruhende Bankenliquidität – das Thema Vertrauen in den kommenden Wochen und Monaten die entscheidende Richtschnur. Gelingt es nämlich Politik und Notenbanken wirksame Maßnahmen zur langsamen Überwindung der Krisen beiderseits des Atlantiks einzuleiten, Schritt für Schritt, werden die Investoren damit beginnen, vom kurzfristigen Trading wieder zu längerfristigen Investments überzugehen – wenigstens mit Teilen des verfügbaren Kapitals. Vertrauensbildung. Davon sollten in erster Linie die Aktien profitieren.
Zum Thema Vertrauen ist mir soeben eine Studie mit einem anderen Fokus auf den Tisch geflattert. Die Exameo GmbH Europäisches Institut für verständliche Information überschreibt sie mit „Kunden vertrauen ihren Banken wieder etwas mehr – aber es bleibt noch viel zu tun!“ Immerhin 63 Prozent der Kunden glauben, dass ihre Bank ernsthaft daran interessiert ist, verständlich mit ihnen zu kommunizieren. Das ergab eine Auswertung von knapp 4.000 Kundenstimmen zur aktuellen Servicequalität von 18 Geschäftsbanken der Kölner Analyse- und Beratungsgesellschaft ServiceValue GmbH. So weit, so gut. Schaut man jedoch genauer hin, ergibt sich ein differenzierteres Bild:
- Informationsmedien werden überwiegend als verständlich eingestuft.
- Bei der Beurteilung der Anträge und Vertragsdokumente gibt es große Spannweiten.
- Produktinformationsblätter (PIB) in aller Munde: Neun von zehn Kunden fühlen sich mit den PIB besser in formiert als ohne, aber es gibt auch Kritikpunkte.
Fazit des Instituts: Keine Bank schneidet über alle Kriterien als eindeutiger Sieger oder Verlierer ab. Dennoch zeigt sich, dass einige Banken häufiger in der Spitzengruppe vertreten sind, während andere sich öfter im unteren Drittel wiederfinden. Da bleibt also noch viel zu tun. Meine Empfehlung: Zeigen – sagen – Sie Ihrem Institut klipp und klar, wann Sie zufrieden sind und wann nicht!
Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr
Hermann Kutzer
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