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Kolumne13:51 18.01.12

Börsenexperte, Experte und Author Hermann Kutzer
Börsenstrategie - Privatanleger besser als ihr Ruf
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

spielen Sie, liebe Anlegerinnen und Anleger, für das Geschehen an den Weltbörsen überhaupt noch eine Rolle? Nein, längst nicht mehr, zumindest nicht direkt. Aus Ihrem Blickwinkel ist auch die umgekehrte Frage wichtiger: Wie wirkt sich das Börsengeschehen auf das Verhalten der Anleger aus? Nur wenige Tage nach der bemerkenswert positiven Aktionärsstatistik des Deutschen Aktieninstituts (DAI) ist in Frankfurt eine weitere, aber ganz anders geartete Untersuchung vorgelegt worden, die mit dem Vorurteil aufräumt, die Deutschen hätten die Lust an der Aktie verloren und der Börse den Rücken zugewandt. Im Gegenteil, die noch oder wieder aktiven Aktienfans sind beweglicher denn je, verhalten sich jedenfalls professioneller, als oft behauptet wird.

Privatanleger haben das schwache Aktienjahr 2011, in dem der Dax per saldo rund 15 Prozent verloren hat, überwiegend zu Käufen an der Börse genutzt. Besonders während des Börsenabsturzes ab August übertrafen die Aktienkäufe der Privaten ihre Verkäufe sehr deutlich. Dies ist ein Ergebnis der bisher größten Datenauswertung zum Verhalten von Privatanlegern in Deutschland. Sie ist von der Deutschen Wertpapier Service Bank (dwpbank) auf Basis von rund 5 Millionen Wertpapierdepots vorgenommen worden; in diese hochaggregierte Erhebung wurden sämtliche Dax 30, MDax, TecDax und SDax betreffenden Aktientransaktionen einbezogen. Die Messung des Verhaltens erfolgte mittels eines Quotienten, bei dem das Euro-Volumen aller Käufe bei den beobachteten Transaktionen durch jenes der Verkäufe dividiert wird. Werte über 1 signalisieren überwiegende Kaufaktivität, Werte unter 1 hingegen überwiegende Verkaufsaktivität. Bezogen auf alle Marktteilnehmer (Privatanleger und institutionelle Anleger) beläuft sich der Quotient immer auf 1, bezogen auf einzelne Anlegergruppen jedoch kann er deutlich abweichende Werte annehmen und drückt so deren spezifisches Verhalten aus.

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Im Gesamtjahr 2011 ergibt die Datenauswertung für die Privatanleger einen Kaufquotienten von 1,14, das heißt, der Wert der Käufe überstieg den der Verkäufe um 14 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres, in denen der Dax sich unter dem Strich etwa seitwärts bewegte, wies auch der Kaufquotient insgesamt einen neutralen Wert von 1,01 auf. Besonders hoch jedoch lag er dann in der Periode des Dax-Absturzes im Zuge der Eurokrise ab Anfang August 2011. Allein im Crashmonat August, als der Index nahezu 21 Prozent einbüßte, überstiegen die Käufe der Privatinvestoren deren Verkäufe um 91 Prozent. Von August bis Dezember insgesamt lag der Wert bei plus 44 Prozent (Kaufquotient 1,44). Noch eine Überraschung: Zu den Favoriten der Privatanleger in diesem Zeitraum zählten die durch die Eurokrise stark unter Druck geratenen Bankaktien: Die Käufe bei Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank zusammen überstiegen die Verkäufe um 64 Prozent (Kaufquotient 1,64).

Kommentiert die dwpbank: „Die Auswertung unserer Daten zeigt, dass Privatanleger in der Eurokrise 2011 alles andere als ängstlich an der Börse agiert haben … Die angeblich “schwachen Hände“ der Privatanleger lassen sich auf dieser Basis in keiner Weise bestätigen.“

Das im abgelaufenen Jahr zu beobachtende antizyklische Verhalten der Privatanleger sagt allerdings noch nichts über den individuellen Anlageerfolg aus! Jeder muss für sich entscheiden, ob es im Nachhinein richtig war, wenn er sich wie die Mehrheit der Privaten verhielt und im Oktober, als der DAX eine deutliche Zwischenerholung erlebte, seine Aktienengagements deutlich abbaute.

So positiv die Zahlen insgesamt auch sein mögen – Privatanleger agieren dem instabilen Umfeld entsprechend immer kurzfristiger. Die Gemeinde der Trader wächst. Die Aktie sollte aber doch als ein typisch langfristiges Investment betrachtet werden. Dann ist sie auch attraktiver als andere Anlageklassen!

Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr

Hermann Kutzer


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