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Kolumne15:56 23.01.12

Börsenexperte, Experte und Author Hermann Kutzer
Börsentage / Anlegermessen - Impressionen von einem Bullen-Auftrieb
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

eine alte Empfehlung ist jetzt neu bestätigt worden: Wer sich als Privatmann über alle möglichen Formen der Geldanlage informieren möchte, und das an einer Stelle und hautnah in Gesprächen mit Experten unterschiedlicher Anbieter, der sollte Börsentage und Anlegermessen besuchen. So ist auch der diesjährige Dresdener Börsentag, seit Jahren einer der meistbesuchten in Deutschland, wieder von einer paar Tausend Interessenten – nicht nur aus Sachsen – intensiv genutzt worden. Die Präsentationen von 100 Ausstellern wurden von mehr als 60 Vorträgen begleitet. Da spürte mancher Gast schon so etwas wie die Qual der Wahl. Auf den ersten Blick sehen solche Veranstaltungen wie in jedem Jahr aus. Doch stellen sie – trotz ihres regionalen Charakters – auch eine Art Marktplatz da, auf dem sich bei genauerer Beobachtung tendenzielle Veränderungen erkennen lassen.

Natürlich wurde an den Ständen und in den Forum über die Krise gesprochen, wurden Meinungen zur Existenz des Euro abgegeben und Prognosen für Konjunktur und Inflation gestellt. Nur: Die Gelassenheit, mit der die Privatanleger mittlerweile die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sehen, ist schon bemerkenswert. In vielen Gesprächen sind die Besucher am Samstag auffallend schnell zur Tagesordnung übergegangen: Wie entwickeln sich die Märkte weiter?

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Es war offensichtlich, dass das Interesse an der Aktie als Sachwertanlage zunimmt. Dabei schien aber der eine oder andere Referent die Kenntnisse seiner Zuhörer zu unterschätzen, wenn er das kleine ABC der Börsenswesens abspulte. Andererseits kam es mir so vor, als hätten es die Fachleute aus dem Derivate- und Zertifikatemarkt in diesem Jahr schwerer als sonst gehabt, neue Kunden an- und auf sich zu ziehen. Auch die namhaften Münzenanbieter, bei denen man gleich einkaufen konnte, berichteten von mehr oder weniger starken Rückgängen im Umsatz mit Gold und Silber verglichen mit dem Vorjahr. Dabei herrschte übrigens weitestgehende Einigkeit unter den anwesenden Gurus, dass die Preise weiter steigen werden: Die Goldprognosen bewegten sich zwischen gut 2000 und 2350 Dollar bis Ende des Jahres. Überrascht war ich aber vor allem von dem ausgeprägten Interesse der Privatanleger an elektronischen Handelsmöglichkeiten und dem modernen Trading – etwa mit CFDs. Die Tradinghäuser mit ihren immer weiter entwickelten Plattformen bildeten auch einen klaren Schwerpunkt im Ausstellungs- wie im Konferenzbereich.

Börsentage sind ein „Bullen-Auftrieb“ – was sonst. Dennoch lohnt es sich, Augen und Ohren weit aufzumachen, um die durchaus unterschiedlichen Einschätzungen von Chancen und Risiken der Experten für die eigene Meinungsbildung mitzunehmen. Mir hat eine Präsentation der Erste Bank (Österreichischer Sparkassensektor) besonders gut gefallen, die auf folgenden – für sich genommen nicht spektakulären – Erkenntnissen beruht:
    • In jeder Marktphase gibt es auch Gewinner.

    • Man sollte aus der Vergangenheit lernen, denn es gab immer wieder schwierige Marktphasen.

    • Keine Anlageklasse hat immer funktioniert.

  • Eine Streuung auf unterschiedliche Anlageklassen hat gute Ergebnisse geliefert.

Dazu wurden den Dresdner Besuchern anschauliche Übersichten gezeigt mit der Wertentwicklung unterschiedlicher Anlageklassen – und zwar einmal Krise plus 3 Jahre zum anderen und Krise plus 10 Jahre. Es wurden neun Krisen seit der Ölkrise 1973 unter die Lupe genommen. Daraus zwei Teilergebnisse: Nur ein einziges Mal – nach der Japan-Krise von 1990 – endete ein Betrachtungszeitraum im Minus! Und: Am häufigsten ganz oben oder zumindest in der Spitzengruppe der Wertentwicklung war das Rohöl zu finden.

Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr

Hermann Kutzer


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