Kolumne13:22 22.05.12
Brent - Liegt das Jahreshoch bereits hinter uns?
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
noch vor wenigen Wochen fragten sich die Autofahrer unter uns, um wie viel tiefer der Griff der Ölmultis beim Ansteuern der Zapfsäulen in unsere Taschen noch gehen wird. Der Grund: Die Preise für Benzin und Diesel bewegten sich seit Jahresanfang 2012 kontinuierlich nach oben und erreichten zuletzt neue Rekordpreise. Bei Preisen von rund 1,70 Euro je Liter sahen einige Beobachter bereits das einst von den Grünen heraufbeschworene Gespenst vom „Spritpreis von 5 DM“ am Horizont auftauchen. Als die Ökopartei diese Parole vor etlichen Jahren als das von ihnen bevorzugte Szenario für die Rettung der Welt postulierten, notierte Super bei etwa 2 DM oder nach neuer Rechnung bei etwa 1 Euro je Liter. Und bereits damals schien für viele Zeitgenossen die Grenze der Zumutbarkeit erreicht.
Passiert ist seitdem aber nicht allzu viel – die Anzahl der Autos ist stetig weiter angestiegen und auch der Durchschnittsverbrauch der Bestandsflotte hat sich nicht sonderlich stark nach unten entwickelt. In den vergangenen Handelstagen hat sich nun der Ölpreis relativ stark nach unten entwickelt und es mehren sich die Analystenstimmen, dass wir Anfang März bei einem Preis von etwa 127 US-Dollar je Fass bereits das Jahreshoch gesehen haben. Prominentester Vertreter dieser Fraktion ist der mittlerweile 79 Jahre alte US-Kapitalmarkthaudegen Byron Wien, der gar einen weiteren Rückgang des Ölpreises prognostiziert. Sein Argument: „Die Iranprämie ist aus dem Ölpreis entwichen.“
Werfen wir heute also wieder einmal einen Blick hinter die Kulissen und schauen uns an, ob sich die Meinung der Analysten schlüssig nachvollziehen lässt.
Die Mischung machts – mehrere Negativfaktoren drücken auf den Brentpreis
Wie das an den Kapitalmärkten oft der Fall ist, wurde auch Öl nun das „Opfer“ gleich mehrer negativer Umstände, die zeitgleich negativ auf die Stimmung und somit den Preis drücken.
Eine Mischung, die sich aus einer sowohl saisonalen als auch konjunkturellen Nachfrageschwäche, der zwischenzeitlich gesunkenen Eskalationswahrscheinlichkeit der Irankrise sowie einer deutlich über den Erwartungen liegenden OPEC-Förderung zusammensetzt.
Und diese Mischung hat es in sich: Die vom Markt stark beachteten Öllagerbestände in den Ländern der OECD haben vor diesem Hintergrund wieder begonnen, eine Aufwärtsentwicklung zu nehmen. Die Internationale Energieagentur hat hierzu jüngst entsprechende Zahlen veröffentlicht, die diesen Anstieg bestätigten. Die Chinesen füllen gleichzeitig heimlich ihre strategischen Reserven auf – und stützen so den Preis. Es ist zu erwarten, dass China die Läger bei rückläufigen Ölpreisen weiter bestücken wird.
Und was sagt die Markttechnik zu Brent? Der Ölpreis hat es bei seinem 2012er-Höhenflug nicht geschafft, die Höchststände aus 2011 zu knacken.

Somit bewegt sich der Preis weiterhin in der seit Februar 2011 etablierten Seitwärtsrange zwischen 105 und 127 US-Dollar je Barrel. Wir hatten bereits in unserem letzten Bericht zur Entwicklung des Brentpreises darauf hingewiesen, dass dieses Szenario auch mittelfristig das wahrscheinlichste ist. Investments in Korridorzertifikate oder Bonus- und Discountprodukte erscheinen somit weiterhin erste Wahl zu bleiben. Bitte dabei aber ausreichende Sicherheitspuffer achten und wie immer das Stop-Loss-Limit nicht vergessen.
Herzliche Grüße
Ihr
Holger Wentz
Chefredakteur
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