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Kolumne18:05 16.08.12

Börsenexperte, Experte und Author Holger Wentz
CO2-Zertifikate - Boden erreicht?
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

erinnern Sie sich noch an die großen Pläne und die hehren Worte, die der angesichts des immer größer werdenden Ozonlochs alarmierten Weltbevölkerung in der Abschlussagenda der bis dato größten Klimaschutzkonferenz in Kyoto präsentiert wurden? Aufgrund geschickter nationaler Propaganda vieler Teilnehmerstaaten wurde das durch politische Weichspülerei auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzierte Gipfelergebnis vieler Orten als großer Wurf im globalen Klimaschutz gefeiert. Böse Zungen strapazierten bereits damals das böse Wort vom Berg der kreiste und schließlich eine Maus gebar.

Lange Worte kurzer Sinn: Die 2004 beschlossenen Maßnahmen waren für das Weltklima insgesamt nur als eher kosmetische Maßnahmen anzusehen. Unter anderem wurden auch die sogenannten CO2-Emissionsrechte eingeführt, die wir uns heute etwas genauer ansehen wollen.

Luftverschmutzung soll ihren Preis haben…

Volkswirte sprechen von Externen Effekten, wenn durch wirtschaftliche Aktivitäten eigentlich unbeteiligte Dritte in unterschiedlichster Form doch zu Beteiligten werden. Dies kann im positiven als auch im negativen Sinne der Fall sein. Denken Sie beispielsweise an die Anwohner eines Open-Air-Konzertgeländes die in den kostenfreien Genuss der gespielten Musik kommen (vorausgesetzt, man steht beispielsweise im Fall Wacken auf Heavy Metal in all seinen Spielarten), dann ist das ein Beispiel eines positiven Externen Effekts.

Umgekehrt ist es sicher ein negativer Externer Effekt, wenn eine Siedlung unter Luftverschmutzung und Lärm durch eine nahe gelegene Industrieansiedlung leidet. Zumal diese schädlichen Emissionen meist für den Verursacher völlig kostenfrei an die Umwelt abgegeben werden. Die Konferenz von Kyoto hat erstmals versucht, solch negative Externe Effekte mit unterschiedlichen Maßnahmen von der bis dato vorherrschenden Gratiskultur wegzuführen.

…und wer viel Dreck macht soll auch viel zahlen

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Das einfache Kalkül hinter diesem damals revolutionären Ansatz: Wer viel Dreck macht, soll auch viel dafür bezahlen müssen. Innerhalb der EU wurde hierfür ein System, welches sich „Cap and Trade“ schimpft, etabliert. „Cap“ bedeutet dabei, dass jedes Land eine Obergrenze für den CO2-Ausstoß festlegt, die sukzessive im Zeitablauf gesenkt wird und „Trade“, dass der Handel mit den vergebenen Zertifikaten erlaubt ist. Die Hoffnung: Durch den möglichen Handel wird Klimaschutz marktwirtschaftlich organisiert und soll schlussendlich dort stattfinden, wo er am effizientesten umgesetzt werden kann. Also lautet die Formel: Reduktion von Treibhausgasen oder Kauf von Zertifikaten. In der Theorie eine gute Sache!

Krise sorgt für Überangebot an Zertifikaten…

Die nunmehr bereits in das fünfte Jahr gehende Wirtschafts- und Finanzkrise sorgt dafür, dass gegenüber dem auf der Kyoto-Konferenz prognostizierten CO2-Ausstoßvolumens wesentlich weniger in die Luft geblasen wird und deshalb die Nachfrage nach den Zertifikaten zur Erreichung der Klimaziele stark gelitten hat – und somit deren Preis und dadurch zuletzt die Bereitschaft der Industrie, stärker in Umweltschutzmaßnahmen zu investieren. Ein Teufelskreis!

Politik will nun eingreifen

Um den Preis für Umweltverschmutzung wieder nach oben zu bringen, diskutiert die Politik nun geeignete Maßnahmen hierfür. So plant die EU-Kommission momentan, die Versteigerungstaktik für Emissionsrechte in der kommenden Versteigerungsphase zu ändern. Hier könnten bislang eingeplante Auktionen im Umfang von 400, 900 oder 1.200 Millionen Zertifikaten von 2013-2015 ausgesetzt und erst zeitversetzt dem Markt von 2016-2020 wieder zugeführt werden. Auch sind strukturelle und langfristig orientierte Verbesserungen des Marktdesigns auf der Agenda der Kommission. Alles Maßnahmen, die den Preisen für die Zertifikate nach Ansicht der DZ Bank wieder auf die Sprünge helfen sollten.

Und noch ein Blick auf die Markttechnik bei den Emissionsrechten

Schaut man sich den Preis für die CO2-Zertifikate an, so ist das ganze Dilemma leicht ersichtlich.



Die Markttechnik gibt noch keine Entwarnung, doch politisch motivierte Preisbewegungen können schnell und heftig ausfallen. CO2-Investments bitte wie immer nur mit Stop-Loss-Limit eingehen.

Herzliche Grüße
Ihr

Holger Wentz
Chefredakteur
Rohstoff-Ausblick


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