Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
die zurückliegenden Monate standen beim System-Trading-Ruppert ganz im Zeichen der Candlesticks. Aus meinem Bestand von weit mehr als 200 beliebig kombinierbaren Kerzenmustern habe ich Ihnen einige der Interessantesten vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass diese spezielle Darstellungsart des Chartverlaufs tiefe Einblicke in die Verhaltensmuster der Marktteilnehmer liefern kann. Um kurz- und mittelfristige Stimmungen unter Tradern auszumachen und damit entsprechende Vorhersagen über die zukünftigen Kursentwicklungen zu treffen, können Candlesticks von unschätzbarem Wert sein.
Wir haben aber auch feststellen müssen, dass längst nicht alles, was auf den ersten Blick logisch erscheint, in der Praxis ebenso auch funktioniert. Behavioral Finance, also jene Lehre, die sich mit der Psychologie der Anleger und den Anlageentscheidungen der Massen auseinandersetzt, ist nur schwer in starre Schablonen zu pressen. Umso wichtiger für Sie, den Pauschalaussagen zu den jeweiligen Candlestickpattern mit Skepsis und einem berechtigten Vorbehalt entgegenzutreten. Dabei ist beileibe nicht alles, was Sie in der Literatur über Kerzencharts nachlesen können, falsch. Sie sollten aber nach Möglichkeit jede Aussage auf den Prüfstand stellen und wenn nötig, nach einer besseren Anwendungsmethode suchen. Wie das funktionieren kann, habe ich Ihnen in meinen Anleitungen zur Interpretation und Anwendung von Candlestickcharts immer wieder gezeigt.
Zum Abschluss dieses ersten Blocks wollen wir uns heute nochmals das entscheidende Mehr an Informationen gegenüber dem herkömmlichen Linienchart ansehen. Hierzu soll jener Zeitraum aus dem vergangen Sommer dienen, welcher uns allen wohl noch deutlich im Gedächtnis ist.
Abb. 15.38 DAX Linienchart mit 38 Tage Gleitendem Durchschnitt (15.07. - 26.09.2011)

Nur wenige Hundert Punkte vor dem Erreichen neuer Allzeithochs kam es im August 2011 zu einem massiven Crash, der den wichtigsten Deutschen Aktienindex um rund 30 Prozent einbrechen ließ. Kaum ein Indikator und schon gar kein Linienchart, konnte den Anleger rechtzeitig warnen. Liniencharts, bei denen lediglich die Schlusskurse der entsprechenden Periode (z.B. Tage) miteinander verbunden werden, fehlt es dafür einfach an den notwendigen Informationen.
Ganz anders die folgende Abbildung, bei der ich Linien- und Candlestickchart überlagert habe. Hier wird deutlich, welchen Informationsvorsprung ein Kerzenchart gegenüber dem Linienchart bietet.
Abb. 15.39 DAX Linien-/Candlestickchart mit GD 38 (15.07. – 26.09.2011)

Bevor wir uns nun näher mit der folgenden Abbildung beschäftigen, werfen Sie bitte noch einmal einen Blick auf die Abbildung des Liniencharts ganz oben. Welch ein Nichtssagendes Etwas im Vergleich zur nachfolgenden Chartdarstellung. Finden Sie nicht auch?
Abb. 15.40 DAX Candlestickchart mit GD 38 (15.07. – 26.09.2011)