Kolumne16:53 13.12.11
China-Börse in gefährlichem Terrain
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
würde rein nach der Nachrichtenlage beurteilt werden müssen, welcher Markt (Europa, USA oder China?) sich momentan seinen Jahrestiefs am nächsten befindet, die Argumentationen würde wohl wie folgt lauten:
Angesichts der tobenden Euro-Schuldenkrise sollte das europäische Börsenbarometer den geringsten Abstand zu den Jahrestiefs aufweisen, dicht gefolgt von den USA, da diese ebenfalls mit massiven fundamentalen Problemen zu kämpfen haben und da von China zuletzt nicht allzu viel zu hören war und die Wirtschaft dort sowieso immer zu wachsen scheint, dürften die dortigen Börsen den größten Abstand zu den Jahrestiefs aufweisen. Andere würden die USA mit Europa vertauschen, da sie die Situation in den USA eventuell kritischer einschätzen. Konsens dürfte allerdings wohl darüber bestehen, dass China – rein von der Nachrichtenlage her betrachtet – wohl am meisten Puffer nach unten aufweist.
Ein gewaltiger Trugschluss! Denn ein Blick auf die entsprechenden Indizes zeigt, dass der EuroStoxx als maßgebliche Europa-Benchmark 14% über den im September markierten Tiefs sich befindet, der markbreite US-Index S&P500 12% oberhalb davon, während der China-Index Shanghai Composite gerade im Begriff ist ein neues (!) Jahrestief zu markieren.
Vor allem aus charttechnischer Perspektive ist die Lage dort nun brenzlig. Denn fällt der Markt deutlich unter das im Oktober notierte Jahrestief im Bereich von 2300 Punkten gelten neue, mittelfristige Verkaufssignale, sodass sich der Abwärtstrend dann sogar beschleunigen könnte. Die nächsten Auffangzonen wären dann erst wieder im Bereich von 2000 und 1700 vorzufinden. Selbst bei einer Stabilisierung auf dem aktuellen Niveau wäre der Index nicht aus dem Schneider, da erst Kurse über 2690 die negative Trendlage wieder drehen. Kurios:
Da die Euro-Verschuldungskrise nahezu alle anderen Themen in den Medien überlagert, scheinen nur wenige Anleger den sehr kräftigen Abwärtstrend in China mitzubekommen. Dabei zeigt die Vergangenheit klar, dass die Börse gegenüber der Realwirtschaft eine Vorlauffunktion aufweist, welche in der Regel sechs bis neun Monate beträgt. Steht also auch die „Konjunkturlokomotive“ vor einer kräftigen Bremsung? Noch ist die Datenlage nicht ausreichend genug, doch eine in Kürze negativ werdende Zinsstrukturkurve mahnt zu größter Vorsicht was Chinas Konjunktur anbelangt.
Nachdem 2011 also klar im Zeichen der EU-Krise stand, könnte in 2012 die chinesische Wirtschaft und dortigen Börsen verstärkt in den Fokus geraten. Als Trendfolger gilt es die dortigen Märkte daher engmaschig zu verfolgen, denn sofern sich die Abwärtstendenz manifestiert, dürften mit Short-Engagements in 2012 dort großartige Gewinne möglich sein.
Mit bester Empfehlung,
Ihr
Tobias Pichler
P.S.: Tobias Pichler zeigt Ihnen im Trendbrief mit konkreten Empfehlungen zu Aktien, Indizes, Devisen sowie Rohstoffen, wie Sie Ihre Profite „hebeln" und alle Gewinn-Chancen nutzen.
Testen Sie jetzt zwei Trendbrief-Ausgaben völlig kostenlos!