Dax
11.831,50
0,23%
MDax
23.411,00
-0,92%
TecDax
1.891,75
-1,28%
BCDI
142,49
0,00%
Dow Jones
20.821,76
0,05%
Nasdaq
5.342,05
0,28%
EuroStoxx
3.318,00
-0,61%
Bund-Future
166,32
0,33%

Kolumne08:09 06.05.13

Börsenexperte und Autor Prof. Dr. Max Otte

Das Ende der europäischen Ratingagentur

Sehr geehrte Privatanleger,


Markus Krall, der Initiator des Projekts zum Aufbau einer europäischen Ratingagentur, gibt endgültig auf.

 

Das Projekt war mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet. Auch das Geschäftsmodell sollte ein anderes werden: Investoren und nicht Emittenten sollten die Agentur bezahlen. Josef Ackermann sagte spontan, dass die Deutsche Bank mitmachen würde. Letztlich passte es aber nicht in die Machtstrukturen der derzeitigen Weltökonomie.

 

Für die Emittenten (also vor allem die Investmentbanken) wäre es natürlich sehr schlecht gewesen, wenn nicht mehr sie, sondern die Investoren die Ratingagenturen bezahlen. Auch die Staaten hätten sich wohl eher nicht gefreut. Und das angelsächsische Machtkartell wehrt sich natürlich auch mit Händen und Füßen gegen einen kontinentaleuropäischen Rivalen. Sonst würde doch der ein oder andere hinterfragen, warum die USA bei einem Haushaltsdefizit von bis zu 10 Prozent noch mit AAA geratet werden, und europäische Südstaaten bei Defiziten von 3 oder 4 Prozent B oder schlechter erhalten. Da liegen groteske, interessengetriebene Verzerrungen vor.

 

Es geht um Macht, es geht ums Geld. Man kann das hinter dem modernen Mythos „Markt“ verstecken. Aber letztlich geht es um die Frage, ob das spekulativ-orientierte kapitalmarktbasierte System sich durchsetzt und die Regeln in Washington und London gemacht werden, oder das kreditbasierte kontinentaleuropäische System – in Deutschland mit Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen.

 

Und da war es naiv, zu glauben, dass bei der lauwarmen und teilweise unterwürfigen Haltung unserer Regierungen eine europäische Ratingagentur überhaupt eine Chance hatte. Denn, wie Krall selbst sagt, für sein (richtiges) Modell hätten die Gesetze geändert werden müssen. Aber, wenn der Gesetzgeber – ob Parlament, ob Ministerien – fest in der Hand der spekulativen Finanzlobby ist und Milliardenbeträge für Lobbying ausgegeben werden, ist das wohl eher Wunschdenken. Ähnlich naiv ist es, Private Equity Gelder für eine Agentur gewinnen zu wollen, die letztlich der Spekulation geschadet hätte. So scheiterte es an lächerlichen 30 Millionen Euro Gründungskapital – 0,05 Prozent der Summe, die alleine in den europäischen Rettungsfonds fließt.

 

Gute Nacht, Europa. Der Letzte macht den Vorhang zu.

 

Als langfristige Aktieninvestoren müssen wir mit diesem Zustand leben. Für Sparer, Mittelstand, Bürgerinnen und Bürger ist er sehr schädlich, aber Investments lassen sich immer noch finden, denn viele Großkonzerne und Geschäftsmodelle gedeihen auch in dieser falschen Welt. Und die Geldpolitik tut ihr Übriges dazu, Aktieninvestments weiter attraktiv zu halten.

 

Auf gute Investments,

Ihr

Prof. Dr. Max Otte

maxotte.de

 

Volltextsuche
Neu Im Fokus
Aktueller Chart
  • Daimler überholt BMW beim Absatz!
  • Attraktive Dividenden-Rendite!
  • Ist die Aktie jetzt noch fair bewertet?

Performance: Dax-Aktien 2016

Platz: 30
Unternehmen: E.ON
Von 8,93 auf 6,79 Euro
Performance: -24,90%

Tipp: Alles zu den langfristig sichersten und erfolgreichsten Aktien der Welt erfahren Sie im kostenlosen Newsletter Aktien-Ausblick, den Sie hier gerne anfordern können...
Warum der Dax auf 100.000 Punkte steigen wird
Warum der Dax auf 100.000 Punkte steigen wird
Thomas Müller und Alexander Coels haben in "Das Börsenbuch" die spektakuläre Prognose ausgestellt, dass der Dax bis 2039 auf 100.000 Punkte steigen wird. Diese einzigartige Börsenvision mag viele Anleger, angesichts des ständigen Bergauf und –ab an den Finanzmärkten, überraschen. Dabei ist die Überlegung dahinter einfach erklärt.