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Kolumne12:00 28.05.12

Börsenexperte, Experte und Author Hermann Kutzer
Das Facebook-Fiasko - Futter für die Finanzmarkt-Kritiker
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

Erinnerungen an die T-Aktie und den Dot-com-Hype gegen Ende der 90er Jahre werden wach. Was lehrt uns das Facebook-Fiasko? Aus einem historischen Börsengang ist ein schwerwiegender Flop geworden, der große Tragweite besitzt. „Nie wieder Aktien?“ fragt die Welt am Sonntag in dicken Lettern und spricht von einem herben Rückschlag für die ohnehin geschädigte Aktienkultur: „Was mit der T-Aktie begann, könnte das soziale Netzwerk nun vollenden.“ In einer Zeit globalisierter, eng vernetzter Märkte spielt aus deutscher Sicht tatsächlich nur eine nachgeordnete Rolle, dass diesmal die Wall Street der Schauplatz eines von den Medien wochenlang co-inszenierten Dramas geworden ist. Eher im Gegenteil: „Das passt, wieder einmal ein Beweis, dass die mächtigen amerikanischen Finanzjongleure den Rachen nicht voll genug kriegen können“, werden kritische Geister sagen und damit nicht nur linken Politikern den Rücken stärken.

Erwarte nichts, so kannst Du auch nicht enttäuscht werden – wer nach dieser altasiatischen Weisheit lebt, der hat sich nicht vom Facebook-Fieber im Vorfeld des IPOs anstecken lassen. Die Mehrheit der Anleger und Spekulanten erlebt einmal mehr – und in großem Stil –, welche Folgen übertriebene Erwartungen an der Börse schon in kurzer Zeit haben können. Jetzt sollen Fehlentwicklungen durch die Verantwortlichen rasch korrigiert werden. Zu spät. Ein so großer und weltweit Wellen schlagender Börsengang hätte besser vorbereitet werden müssen.

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Eine Woche nach dem Startschuss an der Nasdaq sitzen die Anleger der ersten Stunde weiterhin auf hohen Verlusten. Ausgabekurs 38 Dollar, Börsenpreis am späten Freitagabend unter 32 Dollar – ein Einbruch von mehr als 15 Prozent!. Das boomende Soziale Netzwerk mit seinen mehr als 900 Millionen Mitgliedern hat damit einen der übelsten Börsengänge der vergangenen Jahre hingelegt. Facebook war mit allerlei Pannen und Ungereimtheiten ins Börsenleben gestartet, die nun Gerichte und Finanzaufseher beschäftigen. Der Börsenbetreiber Nasdaq war mit der schieren Zahl der Anlegerwünsche zum Börsenstart überfordert. Das Facebook-Papier war mit einer halben Stunde Verspätung in den Handel gegangen und viele Orders wurden fehlerhaft ausgeführt.

Einer meiner analytischen Gesprächspartner, dessen Bauchgefühl noch funktioniert, ist Wolfgang Juds, Gründer von Credo Vermögensmanagement. Er hat mir unmittelbar vor dem Start des Börsenhandels geschrieben: „Der Facebook-Börsengang dieser Tage zeigt wieder einmal eindrücklich, wie stark Emotionen die Entscheidungen mancher Marktteilnehmer prägen. Der Ausgabekurs der Aktie wurde angehoben und liegt bei 38 Dollar … Damit liegt der Unternehmenswert von Facebook bei rund 104 Mrd. Dollar … Der Käufer der Aktie erwirbt somit das Unternehmen somit zum 100-fachen des Jahresnettogewinns. Andererseits: In diesen Tagen werden Qualitätsaktien rund um die Welt wieder verkauft – die Sorgen um die Konjunktur, um Griechenland und die Euro-Schuldenkrise belasten die Börse. Bei Facebook haben die Spekulanten die Oberhand. Kluge Investoren freuen sich darüber, dass es Qualität zu Tiefpreisen gibt. Dafür gibt es ein „Gefällt mir“!“

So, als hätten Sie’s bestellt – die neuen negativen Schlagzeilen liefern den Finanzmarkt-Kritikern, insbesondere den Politikern, neue Argumente, neuen Stoff aus der Welt der Zocker und Abzocker. Die Pauschalkritik, insbesondere an den Banken, wird immer lauter. Alle Marktteilnehmer müssen sich darauf einstellen, dass die Re-Regulierung der Finanzmärkte als Gegenbewegung zu der in den 80er Jahren begonnenen De-Regulierung weiter vorangetrieben wird. Die eigentlich herausragende und volkswirtschaftlich relevante Qualität der Aktie als Finanzierungs- und Anlageinstrument wird zusehends in den Hintergrund gerückt. Das dürfen wir nicht einfach hinnehmen.

Machen Sie also weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr

Hermann Kutzer
Chefredakteur
Kutzers-Anlegerbrief



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