Letztlich verstecken sich hinter den Ungleichgewichten in Europa Zahlungsbilanzprobleme. Diese können langfristig – wenn der Euro erhalten bleibt – nur durch Deflation in den Schuldnerländern oder Inflation in den Gläubigerländern wie Deutschland (oder durch eine Kombination) gelöst werden. Dadurch werden die Waren der Schuldnerländer relativ attraktiver, die der Gläubigerländer weniger attraktiv, und die Ungleichgewichte können irgendwann schrumpfen. Eine Deflation, also eine reine Sparpolitik, würde aber auch dazu führen, dass die Schulden der Schuldnerländer schwerer zurückzuzahlen wären, denn sie wären dann ja mehr wert. Dieser Weg müsste also wahrscheinlich mit Schuldenerlassen und Haircuts kombiniert werden.
Für den kommenden EU-Gipfel haben Angela Merkel und Nicholas Sarkozy weit reichende Vorschläge angekündigt, die auch Änderungen der europäischen Verträge einschließen. Allerdings bleibt man dann bei dem undemokratischen Weg, bei dem die EU-Kommission, die eben nicht demokratisch gewählt und legitimiert ist, in nationale Haushalte eingreifen kann. Lassen wir uns überraschen.
Zwischenzeitlich wählt man den leichtesten Weg: das Gelddrucken durch die Notenbanken. Als am Mittwoch die Notenbanken in einer konzertierten Aktion Liquidität bereitstellten, schoss der DAX um mehr als 4 Prozent nach oben. Das zeigt, wie billig die Aktienmärkte derzeit sind.
Börse Online gab bekannt, dass mich die Leser zum dritten Mal in Folge zum Börsianer des Jahres gewählt haben. Ich danke allen, die mit abgestimmt haben, für ihr Vertrauen. Nach diesem Hattrick scheide ich aus der Konkurrenz aus. In einer anderen Hinsicht jedoch war die Abstimmung bezeichnend: während 2009 noch ca. 10.000 Stimmen abgegeben wurden, waren es aktuell nur gut 2.500. Die Stimmung der deutschen Privatanleger ist auf dem Tiefpunkt. Dann kann es ja so schlecht nicht sein, Aktien zu halten.
Sobald sich die geldpolitischen Bedingungen lockern, werden die Märkte nach oben schießen. Machen Sie sich aber keine Illusionen, dann schnell „rein“ zu kommen. So schnell können Sie gar nicht schauen, wie schnell die Märkte dann nach oben schießen. Derzeit finde ich die Lufthansa-Aktie (
WKN: 823212) als Beimischung interessant. Lufthansa notiert zu 60 Prozent des Buchwerts und ist sicher eine der besten Airlines der Welt. Wenn Sie zum Buchwert aufschließen würde, wären das schnelle 60 bis 70 Prozent. Aber ich bin auch nervös! Es ist keinesfalls sicher, dass die europäische Zitterpartie gut ausgeht. Für diesen Fall sollten Sie auf jeden Fall – Ihrer Anlegerpersönlichkeit angemessen – Gold und Liquidität halten.
Auf gute Investments,
Ihr
Prof. Dr. Max Otte