Kolumne09:17 01.08.12
Der liebe Wolfgang aus Berlin verdirbt die DAX-Party
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
„ist die Luft wieder raus?“ Das war die Frage meines Nachbarn am gestrigen Abend im Garten beim Weizenbier. Und er meinte nicht das kaputte Planschbecken meiner Tochter, das ich schon seit einer Woche durch ein neues ersetzen will. Selbstverständlich nicht. Als Anleger mit Aktien wie Nokia und Solarworld in seinem Depot hat er schon seit Monaten nicht viel zu lachen. Da ist es verständlich nach einem solchen Dienstag-Handel eine solche Frage zu stellen, nachdem es am Freitag und Montag so gut lief. Denn:
Trotz einer Vielzahl an Quartalszahlen von deutschen Konzernen und US-Konjunkturdaten drehte der deutsche Leitindex
DAX die meiste Zeit um den Vortagesschluss. Am Ende stand ein kleines Minus von 0,02 Prozent bei 6772 Zählern. Und das wohl nur weil unser lieber und sparsamer Finanzminister mit seinem Ministerium die ganze Kurs-Euphorie der vorangegangenen Tage wieder zunichte gemacht hatte. Es gebe derzeit keine konkreten Gespräche, um den Rettungsfonds ESM mit einer Banklizenz auszustatten, damit er Staatsanleihen aufkaufen könne, so das Statement aus Berlin. Was für ein Stoß mitten in die Herzen der krisen-und verlustgeplagten Anleger! „So was kann er doch nicht machen“, sagte mein Nachbar. Aber:
Deutschlands Banken – ein Trauerspiel (?)„Geld-nicht-ausgeben“ ist auch an vielen anderen Stellen angesagt. Beispielsweise bei der Deutschen Bank. Diese stand heute zusammen mit der Commerzbank im Fokus. So reagiert die Deutsche Bank auf den Gewinneinbruch im zweiten Quartal und das schwache Investmentbanking-Geschäft mit der Streichung von 1.900 Stellen. Allein 1.500 Stellen sollen im Investmentbanking wegfallen. In einer ersten Reaktion zeigten sich die Anleger fast euphorisch über die Stellenstreichungen und hievten die Deutsche Bank-Aktie um 5 Prozent nach oben. Die Gewinne hielten aber nicht. Schauen Sie sich einmal diesen Chart an:

Oder diesen:

Attraktive deutsche Finanzwerte sehen irgendwie anders aus. Zumindest wenn Sie seit Jahren der Deutschen Bank oder der Commerzbank als Aktionär die Treue halten. In wie weit also die besagte Stellenstreichung bei der Deutschen Bank hilft – wir werden es in den kommenden Quartalen sehen. Ebenso wird es spannend werden, zu verfolgen, ob die Commerzbank noch die Kurve kriegt. Gestern publizierte man, dass nach vorläufigen Eckdaten im zweiten Quartal ein weiterer Gewinneinbruch verhindert werden konnte. Wenn das schon als „Erfolgsmeldung“ durchgeht...
Blick auf den Handelstag – BMW im FokusAus den USA erreicht uns am Nachmittag der ADP-Report für den Monat Juli, der uns einmal mehr Hinweise darauf geben sollte, wie die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten ausfallen werden. Diese werden am Freitag bekannt gegeben. Zusätzlich wird der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe (Juli) veröffentlicht, genauso wie die Bauausgaben (Juni), die MBA Zahl der Hypothekenanträge und der wöchentliche Ausweis der US-Öllagerbestände. Die größte Aufmerksamkeit dürfte dagegen der anstehenden Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve zukommen.
Dabei erhoffen sich einige Marktteilnehmer endlich die Ankündigung einer dritten Runde des Anleihe-Kaufprogramms („QE3“). Dabei spricht die Kursrallye der vergangenen Tage dafür, dass nicht wenige Marktteilnehmer weitere gelpolitische Lockerungsmaßnahmen von der Fed und der EZB erwarten.
Unternehmensseitig dürften hierzulande einmal mehr die Quartalszahlen einiger DAX-Konzerne im Fokus des Anlegerinteresses stehen. Es berichten unter anderem Fresenius Medical Care, Fresenius, Henkel und BMW. Dabei versprechen die BMW-Zahlen ganz besondere Spannung, da somit der Vergleich zu den gestern veröffentlichten Zahlen des bayerischen Konkurrenten Audi gezogen werden kann. Dabei zeigte sich die VW-Tochter von der Euro-Krise unbeeindruckt und verbuchte in den ersten sechs Monaten des Jahres unter dem Strich 2,3 Mrd. Euro, was eine Steigerung von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.
In diesem Sinne, noch einen erfolgreichen Börsentag
Ihr
Christoph Scherbaum
Chefredakteur
BAC-Börsenausblick