Kolumne09:10 26.07.12
Deutsche Quartalszahlen: Des einen Freud, des anderen Leid...
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
zur Wochenmitte sah es zunächst so aus, als könnte der DAX deutliche Gewinne verbuchen. Es wäre auch zu schön gewesen – nach diesen drei vergangenen Handelstagen mit Verlusten. Am Mittag war ich gerade wegen eines Termins in Frankfurt an der Börse und fragte dementsprechend einen Broker, welchen ich kannte, woher denn das Plus von über 1 Prozent im
DAX herkomme. Seine Antwort:
„Ach Du, hier geht doch alles nicht mehr seinen gewohnten Gang. Schreib doch was von technischer Gegenreaktion, aber lange halten wird das eh nicht...“ Hm, das war dann doch nicht wirklich eine stichhaltige Begründung für mich. Aber welche war es dann? Eines steht fest:
Zuvor hatten am Vormittag die Anleger der dritte Rückgang des ifo-Geschäftsklimaindex wenig belastet. Im Juli ging es auf 103,3 Punkte hinunter, nachdem im Vormonat revidiert 105,2 Zähler zu Buche standen. Im Fokus stand vielmehr die heimische Bilanz-Schlacht. Tagesgewinner im DAX war unter anderem die Daimler-Aktie. Zwar wurde im zweiten Quartal ein Gewinnrückgang ausgewiesen, jedoch konnten die Markterwartungen übertroffen und eine befürchtete Gewinnwarnung verhindert werden. So etwas wird an der Börse honoriert! Der größte Verlierer war hingegen die Aktie der Deutschen Bank, nachdem das Finanzinstitut enttäuschende Eckdaten für das zweite Quartal veröffentlich hatte. Die Quartalszahlen-Saison – sie entscheidet derzeit definitiv über die Kurse. Ein Blick auf den heutigen Tag:
Hierzulande steht die Bekanntgabe der Zahlen zum GfK-Konsumklima (August) auf dem Programm. Im vergangenen Monat war ein überraschender Anstieg zu verzeichnen. Der entsprechende Index kletterte im Monatsvergleich von 5,7 auf 5,8 Punkte. Für den August wird eine Stagnation auf dem Vormonatsniveau erwartet. Daneben werden auch die deutschen Einfuhrpreise (Juni) veröffentlicht. Aus den USA erreichen uns am Nachmittag u.a. die Zahlen zu den US-amerikanischen Auftragseingängen für langlebige Güter (Juni), die anstehenden Hausverkäufe (Juni), der Kansas City Fed Manufacturing Index (Juni) und die wöchentliche Bekanntgabe der Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe – eine große Menge an Zahlen, die durchaus kursbewegend sein könnte. Der Fokus wird aber wohl auf den Bilanzen der Unternehmen liegen:
Unternehmensseitig wird es nämlich in Deutschland heute so richtig ernst. Aus dem DAX werden BASF, Siemens und Volkswagen ihre Quartalszahlen bekanntgeben. Für den weltweit größten Chemiekonzern BASF erwarten die Analysten im Schnitt einen leichten Umsatzanstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 1,6 Prozent auf 18,8 Mrd. Euro. Beim Konzerngewinn wird allerdings aufgrund einer höheren Steuerquote ein leichter Rückgang erwartet. Zudem wurde bei den Zahlen des US-Konkurrenten DuPont deutlich, dass die Unternehmen der Branche mit höheren Rohstoffkosten, aber auch mit den Folgen der Euro-Krise zu kämpfen haben. Dagegen wird es bei Siemens spannend, ob die Jahresprognose aufgrund der Euro-Krise und der zunehmenden wirtschaftlichen Probleme in Südeuropa halten wird.
Ganz besonders gespannt dürften die Anleger auf die in den USA nachbörslich zu veröffentlichenden Quartalszahlen von facebook sein. Laut dem „Daily Express“ soll das Unternehmen im zweiten Quartal aufgrund der hohen Kosten im Zusammenhang mit dem Börsengang des Unternehmens in die roten Zahlen gerutscht sein. Dabei soll der Verlust bei 350,6 Mio. US-Dollar liegen. Daneben steht aber noch eine ganze Reihe weiterer interessanter Unternehmensberichte an. Dazu zählen u.a. 3M, ABB, AIXTRON, Amazon, Colgate-Palmolive, Deutsche Börse AG, Exxon Mobil, Gildemeister, Praktiker, Puma, Shell, Sanofi, Schaltbau, Starbucks, Unilever, Vossloh und Wincor Nixdorf. Kurz um: ein spannender Börsentag wartet auf uns!
In diesem Sinne, noch einen erfolgreichen Börsentag
Ihr
Christoph Scherbaum
Chefredakteur
BAC-Börsenausblick