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Kolumne16:05 28.11.11

Börsenexperte, Experte und Author Sven Brand
Die Krise kommt in Deutschland an

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Frage in der Überschrift unserer vorigen Ausgabe, ob eventuell ein Staatsanleihen-Crash in Europa bevorsteht, scheint sich am Mittwoch bereits bejaht zu haben:

Bisher waren deutsche Bundesanleihen ein „sicherer Hafen“ – eine der wenigen verbliebenen Anlageformen, welche an den Märkten noch Vertrauen zu genießen schienen. Diese Tage könnten nun gezählt sein. Am Mittwoch wollten die Banken zehnjährige Staatsanleihen nicht wie erwartet im Wert von sechs Mrd. Euro abnehmen. Stattdessen brachte der Bund nur weniger als vier Mrd. Euro an den Mann. Schuld daran waren sicher auch die erneuten Diskussionen und Forderungen nach Euro-Bonds. Doch auch die Herabstufung Portugals auf Ramsch-Niveau durch die Ratingagentur Fitch trug wohl ihren Teil dazu bei, dass Anleger nicht mehr ganz so heiß sind auf deutsche Schuldenverschreibungen. Die Rendite der Zehn-Jahres-Papiere stieg zwischenzeitig von weniger als 1,90% auf über 2,25%. Hiermit scheint die Krise nun auch im Herzen Europas angekommen zu sein.

Die Euro-Zone kränkelt, doch auch in den USA und in Japan stagniert die Wirtschaft. Diese Probleme sind allerdings momentan nicht im Fokus der Investoren, und so musste der Euro diese Woche weiter Federn lassen:

Nicht nur hat sich die Abwärtsbewegung gegenüber dem US-Dollar nach dem Dreiecks-Breakout weiter fortgesetzt, die Einheitswährung hat sich zum Ende der Woche auch bis zur nächsten Unterstützungszone herangearbeitet und im Vergleich zum Wochenbeginn bei 1,3500 nochmal beinahe 300 Pips verloren. Wir nähern uns mit großen Schritten dem Tief vom 04. Oktober bei 1,3145. Sollte auch diese Marke im Laufe der Woche fallen, wären die nächsten Kursziele nach unten die runde Marke 1,3000 sowie das Jahrestief vom 10. Januar bei 1,2873. Falls die Unterstützung des Tiefs bei 1,3145 hält, wären die Widerstände bei 1,3422, 1,3500 und 1,3600 sowie der GD50 und die Dreiecks-Unterseite die Kursziele nach oben für die kommende Woche.

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Zurzeit deutet jedoch alles darauf hin, dass der EUR/USD seine Talfahrt noch etwas fortsetzten wird. Zu ruhig ist es zuzeit um die USA, alle Welt konzentriert sich auf die Euro-Krise. Dementsprechend gilt momentan der Krisen-Leitspruch „Weniger schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“, und so leidet der Euro zu Gunsten der amerikanischen Währung.

Etwas Unterstützung könnte die Einheitswährung im Laufe der kommenden Woche durch die fälligen Wirtschaftsdaten für Bund und EU erhalten:

Die Bundesrepublik wird ihre Einzelhandels-Verkaufszahlen sowie die Arbeitsmarktdaten veröffentlichen. Sollten diese besser ausfallen als erwartet, könnte sich der Euro zumindest kurzfristig etwas erholen. Am Freitag richten sich alle Augen dann auf die USA. Dort werden die Arbeitsmarktdaten in Form der NFP – „Non-Farm Payroll“ veröffentlicht. Dies ist eine der wohl meistbeachteten Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten weltweit. Hier kommt es immer wieder zu Überraschungen auf den Devisen-Märkten. Viele Währungshändler bleiben an diesem Tag passiv und nehmen sich ein verlängertes Wochenende. Oft dünnen die Märkte ab Donnerstag vor der NFP aus und die Liquidität trocknet ein. Zum Ende der kommenden Woche gilt also wieder:

Bleiben Sie dran, aber bleiben Sie vorsichtig! Und wenn Sie gerne Ärger aus dem Wege gehen, lassen Sie ihr Devisenhandelskonto am Freitag einfach zu.

Happy Trading!
Ihr

Sven Brand


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