Kolumne09:20 06.12.11
Die Liquiditätsdroge
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
müssen die Analysten ihre Prognosen für den Rest dieses Jahres und für 2012 jetzt schnell umschreiben? Für das nächste Jahr wohl kaum, da bleibt viel Zeit, um die Geschehnisse einzuarbeiten. Für die Börsenwochen im Dezember aber haben sich die Perspektiven mit der konzertierten Aktion der Notenbanken schon geändert. Herrschte vor wenigen Tagen bei DAX-Notierungen um die 5.400 Punkte an den Börsen allerorten Trübsal, so hat die massive und überraschende Liquiditätshilfe den Märkten Mitte voriger Woche schlagartig auf die Beine geholfen. Der DAX übersprang zwischendurch die 6.150er-Marke und der Dow erreichte fast die kritische Schwelle bei 12.200 Punkten. Wen wundert´s, dass die Kommentare der Experten nun wesentlich optimistischer sind. In den vergangenen Wochen und Monaten wechselten die Meinungen zur Entwicklung oft im Gleichklang mit der Tendenz, nach dem Motto: Ist sie schwach, so ist man pessimistisch gestimmt und ist sie freundlich, so keimt die Zuversicht auf. Tatsächlich war und ist es nicht einfach, sich in Anbetracht der schillernden Krisenlage mit all ihren Absturzängsten und Lösungshoffnungen überhaupt eine vernünftige Meinung zu bilden.
Der
Kurzfrist-Trader (KFT) hatte vor acht Tagen geschrieben: Vorsicht mit Baisse-Positionen, denn wenn die überfällige Erholung kommt, kann sie 400 Punkte und mehr aufwärts führen (also über 5.800 Punkte beim DAX). Dass die Rallye nun dermaßen gewaltig ausfällt und viel weiter nach oben führt, ist sicher eine Überraschung, die man nicht erahnen konnte und die in Richtung Jahresende-Rallye zielt. „Der Glaube an die Kraft des billigen Geldes als Liquiditätsdroge ist nicht kleinzukriegen“, lautet der treffende Kommentar dazu. Manipulierte Märkte? Bei den durch die Geldflut erzeugten riesigen Sprüngen handelt es sich zweifelsfrei um „künstliche Bewegungen“, die den normalen Rahmen sprengen. Ob aber die erweiterten Kreditangebote der Zentralbanken den Kern der Krise erreichen, steht auf einem anderen Blatt. Denn die Staatsschuldenkrise ist damit nicht erledigt. Aber es ist Zeit gewonnen. Und die Notenbanken haben ihren Willen bekundet, dem grassierenden Pessimismus entschlossen entgegenzutreten, wobei sie insbesondere dem geschwächten Bankensystem unter die Arme greifen.
Viel Erfolg mit ihren Investments
Gerhard Mahler
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