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Kolumne09:32 08.08.12

Börsenexperte, Experte und Author Christoph A. Scherbaum
Die Wirtschaft schrumpft, aber der DAX steigt
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

auch am Dienstag konnte der DAX Zugewinne verbuchen. Dabei ließen sich die Anleger von den aufkommenden Gerüchten nicht beirren, dass sich der IWF für einen weiteren Schuldenschnitt für das europäische Sorgenkind Griechenland stark machen würde, bei dem einmal mehr die privaten Investoren Geld verlieren könnten. Auch die aktuellen Wirtschaftsdaten wurden einfach beiseite geschoben - dabei trübt sich die Konjunktur in Europa merklich ein:

Unsere heimische Industrie hat im Juni deutlich weniger Aufträge an Land gezogen. Diese schrumpften so stark wie seit Herbst 2011 nicht mehr. Und auch aus Italien kamen keine guten Nachrichten. Dort ging das BIP im zweiten Quartal zum vierten Mal in Folge zurück. Die ersten Warnungen, dass die gesamte Euro-Zone in die Rezession rutschen könnte, kamen auf. Normalerweise sind das gute Gründe, um an den Märkten rote Vorzeichen zu sehen.

Doch wir haben ja die EZB! Anders kann ich persönlich die Märkte nicht interpretieren. Das Hoffen auf die obersten Währungshüter Europas und der Intervention in den kommenden Tagen war wohl der Hauptgrund, dass Deutschlands Börsenbarometer Nummer Eins sich am Dienstag der psychologisch wichtigen Marke von 7.000 Punkten bis auf gut 20 Punkte genähert hat. Zu mehr kam es (noch) nicht. In wie weit wir nun das Durchbrechen der runden Marke sehen? „Eine Frage der Zeit“ sei das Ganze, sagten mir zwei Händler in Frankfurt – wir dürfen gespannt sein, ob es wirklich so ist, oder ob wir nur eine ganz große Bullenfalle sehen.

E.ON überrascht

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Bereits gestern am späten Nachmittag konnte der größte deutsche Energieversorger E.ON mit einer deutlich verbesserten Bilanz aufwarten. Nach vorläufigen Zahlen soll das EBITDA in den ersten sechs Monaten des Jahres voraussichtlich um 55,8 Prozent auf 6,7 Mrd. Euro angestiegen sein. Im ersten Halbjahr 2011 lag dieser Wert noch bei 4,3 Mrd. Euro. Daneben geht E.ON von einem nachhaltigen Konzernüberschuss von rund 3,3 Mrd. Euro (Vorjahr rund 0,9 Mrd. Euro) aus. Die Hauptgründe für die deutliche Ergebnissteigerung liegen darin, dass E.ON endlich die ungünstigen Gaslieferverträge mit Gazprom nachverhandeln konnte und dass einmalige Belastungen aus dem deutschen Kernenergieausstieg im ersten Halbjahr des Vorjahres nun weggefallen sind. Gleichzeitig bestätigte E.ON seine Jahresprognose. Die E.ON-Aktie dürfte auch heute wieder zu den stärkere Papieren gehören.

Blick auf den Tag

Zur Wochenmitte werden die Zahlen zum deutschen Leistungsbilanzsaldo (Juni) veröffentlicht. Außerdem steht die Bekanntgabe der Daten zur Nettoproduktion in Deutschland an. Im Mai stand noch ein überraschender Anstieg von 1,6 Prozent zu Buche, doch die eingetrübten Konjunkturaussichten dürften im Juni zu einem Rückgang geführt haben. Aus dem europäischen Krisenland Spanien erreichen uns die Zahlen zur Industrieproduktion (Juni). Am Nachmittag folgen wiederum einige interessante Konjunkturdaten aus den USA. Dazu gehören beispielsweise die Zahlen zu der Arbeitsproduktivität ex Agrar und den Arbeitskosten im zweiten Quartal, die MBA-Zahl der Hypothekenanträge und der wöchentliche Ausweis der US-Öllagerbestände.

Unternehmensseitig berichten heute u.a. Axel Springer, Brenntag, Douglas, Evotec, Fraport, freenet, Gigaset, Heidelberger Druckmaschinen, ING, Klöckner & Co und Rio Tinto.

In diesem Sinne, noch einen erfolgreichen Börsentag
Ihr

Christoph Scherbaum
Chefredakteur
BAC-Börsenausblick

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