Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
wir hoffen, dass Sie das neue Jahr gut begonnen haben, sich über die Feiertage erholen und nach der Achterbahnfahrt der Märkte in 2011 wieder etwas Energie tanken konnten.
Bei uns fängt das neue Jahr genauso an, wie es für die Wirtschaft zu werden verspricht:
Reichlich verschnupft!
Was hält denn nun 2012 für die Wirtschaft, den Euro und den Anleger bereit? Wir wollen die Gelegenheit einmal nutzen, hier etwas weiter auszuholen und sozusagen das „Big Picture“ zu betrachten.
Ausnahmsweise werden wir hier ein bisschen fundamental werden, denn unser technischer Ausblick für 2012 wird dadurch etwas relativiert.
Stimmen werden laut welche prophezeien, dass 2012 das absolute Krisenjahr wird. Grund hierfür ist, dass die Konjunktur wieder etwas abflaut. Die letzte Krise haben wir so gut überstanden, weil Auftragseinbrüche in der deutschen Wirtschaft zum Großteil mit Überstundenabbau kompensiert wurden – dadurch wurden Entlassungen verhindert. Bei einer Krise 2012 werden die deutschen Unternehmen einen Stellenabbau nicht mehr verhindern können. Gleichzeitig ist der Geldbeutel des Bundes leer. Konjunkturpakete wird man sich dieses Mal nicht mehr leisten können.
Wenn dann die deutsche Wirtschaft abflaut könnten die Ratingagenturen ihre Drohung wahr machen und Deutschland – den Zahlmeister der Schuldenkrise – herabstufen. Folge davon könnte sein, dass die Euro-Zone auseinanderbricht und (finanziell gesehen) Staaten fallen wie Dominos. Dies hätte natürlich verheerende Auswirkungen auf die Banken – und schon ist die Weltwirtschaftskrise am laufen – und die D-Mark vielleicht sogar tatsächlich zurück. Willkommen, Apokalypse.
Was aber, wenn alles anders kommt? Die Wirtschaftsleistung von China und Indien ist immer noch stabil. Als diese Länder noch jährliche Zuwachsraten in 2-stelliger Prozentzahl vorwiesen, warnte jeder, dass solch schnelles Wachstum seine Gefahren birgt. Nun soll es schlecht sein, wenn diese Länder „nur“ ein paar Prozent Wachstum für 2012 erwarten. Indiens Produktion hatte im Dezember den stärksten Zuwachs seit 6 Monaten. Diese beiden Volkswirtschaften sind nicht nur riesig, sie werden auch zu immer wichtigeren Märkten für deutsche – und auch andere europäische – Exporte.
Zwar hat die europäische Produktion in den letzten Monaten nachgelassen – um etwa 1,5% im Q4 2011. Man spricht bereits von einer neuen Rezession. Doch noch sind die Auftragsbücher vieler deutscher Unternehmen bis März prall gefüllt. Falls die Auftragseingänge in den nächsten Wochen wieder anziehen, könnte diese Rezession daher vorbei sein, bevor sie richtig begonnen hat.
Wie auch immer das Drama ausgehen wird – wir sind der Meinung, dass sich in den nächsten drei bis sechs Monaten entscheiden wird, ob eine neue Krise auf uns zukommt oder wir mit einem blauen Auge davonkommen.
Wie wirkt das alles auf den Euro?
Die Eurokrise ist nach wie vor zentraler Fokus der Märkte. In den USA scheint es momentan zwar nicht ganz so schlecht auszusehen wie in Europa, aber der Ausblick für 2012 ist keineswegs rosig. Dazu kommt, dass wir in diesem Jahr Präsidentschaftswahlen haben. Dies könnte zu zwei Dingen führen:
- Im Bestreben, Obama Wähler abzuluchsen, werden sich dessen Kontrahenten darauf konzentrieren, was in den letzten Jahren so alles schief gelaufen ist, und wie schlecht es der Wirtschaft und dem Fiskus eigentlich wirklich geht.
- Im Falle einer neuen Krise könnte die US-Regierung aufgrund des Machtkampfes nahezu handlungsunfähig sein.
Falls sich Europa in den nächsten Monaten stabilisiert, würde dies dazu führen, dass der US-Dollar seinen angestammten Kurs fortführt – und der ist Abwärts!
Zugegeben, in den vergangenen acht Monaten hat der USD eine beachtliche Rallye hingelegt, doch zuvor hat der Euro genau das gleiche gemacht – und war sowieso überbewertet. Hinzu kommt, dass die Hausse im US-Dollar (= Baisse im EUR/USD) nicht darauf zurückzuführen ist, dass es den Amerikanern so viel besser geht als den Europäern. Vielmehr ist der Kursanstieg das Resultat einer Kapitalflucht aus der Eurozone. Dies hat die Nachfrage nach US-Dollars steil nach oben getrieben (das gleiche gilt auch für den japanischen Yen im Vergleich zum Euro = EUR/JPY). Man spricht dabei von einem „Zufluchtsort-Effekt“ (USD und JPY sind hier „Zufluchtsort“ für „Euro-Flüchtlinge“). Früher oder später wird diese Kapitalflut jedoch versiegen und somit die Nachfrage für diese beiden Währungen einbrechen. Dann wird sich der wahre Wert des Euro zeigen.
Hinzu kommt, dass die USA eine ganze Litanei an eigenen Problemen hat, die zurzeit von vielen ignoriert werden. Hohe Inflation, eine Staatsverschuldung weit über die Schmerzgrenze hinaus und eine lahmende Wirtschaft sowie ein hinkender Arbeitsmarkt werden früher oder später ihren Tribut verlangen.
Alles in allem ein eher positiver Ausblick für den Euro.
Das Sahnehäubchen zum Schluss:
Technisch gesehen ist der EUR/USD auf dem Monatschart lediglich in einer Seitwärtsbewegung und insgesamt seit seiner Einführung als tatsächliche Währung vor zehn Jahren eindeutig immer noch oberhalb des Gleitenden Durchschnittes (GD) 200 und somit in einem Aufwärtstrend!
>

Wir bitten um Verzeihung für diese „fundamentale“ Ausgabe, doch nun kommen wir zum Punkt:
Viele Trader und Investoren wundern sich, wie solche Märkte technisch gehandelt werden können, wo all die übergeordneten Fundamentaldaten solch großen Einfluss zu haben scheinen. Wer von Zeit zu Zeit einen Schritt zurück macht und das „Big Picture“ betrachtet, stellt fest, dass die Technische Analyse nie lügt. Wenn dann noch treu der Überzeugung gehandelt wird, dass sich alles im Kurs wiederspiegelt, ist meist alles im Lot. Das wichtigste ist, nicht in einen „Obelix-Modus“ zu verfallen:
„Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr“.
Also:
Natürlich gibt es immer wieder unvorhergesehene Ereignisse, welche die Spielregeln verändern können, doch vom heutigen Standpunkt aus gesehen erwarten wir für 2012 eine Hausse für den Euro – auf welche wir jedoch noch etwas warten müssen.
In diesem Sinne
Happy Waiting!
Ihr
Sven Brand
P.S.: Im wöchentlich erscheinenden Newsletter „Devisen-Ausblick” erhalten Sie einen Überblick über die aktuelle Lage an den Devisenmärkten und wie Sie von den aktuellen Währungsschwankungen profitieren.
Hier geht´s zur kostenlosen Anmeldung!