Kolumne13:58 22.08.12
Geldanlage - Das Sparbuch ist der falsche Weg
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
die Deutschen und die Inflation. Ein besonders kritisches Verhältnis, sagt man, weil unsere Nation in der Vergangenheit schlimme Erfahrungen mit der Geldentwertung sammeln musste. Heutzutage geht es aber mehr um den Unterschied zwischen statistischer und gefühlter Inflation: Was sollen beruhigend niedrige Zahlen vom Statistischen Bundesbank, wenn Monat für Monat weniger im Portemonnaie bleibt, weil Energie, Kraftstoffe und wichtige Lebensmittel empfindlich teurer werden? Viele Bundesbürger schimpfen daher über die offizielle Statistik, halten den Warenkorb für nicht repräsentativ, vermuten gar Manipulation.
Am vergangenen Wochenende geriet ich unfreiwillig in eine entsprechende Diskussion von Bekannten mit ganz unterschiedlichem Hintergrund. Dabei fiel ich gleich unangenehm mit meinem Hinweis auf (die Runde war gerade nicht im Humor-Modus), jeder könne ja seinen Warenkorb verändern, um auch von Preissenkungen zu profitieren, so dass statistische und gefühlte Inflation im Einklang stehen: „Kauft Euch doch regelmäßig Flachbild-Fernseher, Möbel in den großen Märkten, denn da gibt’s zur Küche noch Bares dazu, und Autos der hart umkämpften mittleren Klassen!“
Doch, ich verstehe ja den Unmut, aber wir brauchen die offizielle Statistik als Vergleichsmaßstab. Und wenn als Replik kommt, die Wiesbadener Inflationszahlen seien manipuliert, dann bleibt als Killer-Argument nur das achselzuckende „Statistiken sind doch immer manipuliert“.
Was mich vielmehr stört, ist die geringe Beachtung der Tatsache, dass ungezählte Experten aus dem Lager der Katastrophen-Propheten seit Jahren mit ihren Inflationsprognosen völlig daneben liegen – wer will schon gute Nachrichten lesen … Und so hat eine neue Studie zu diesem heiklen Thema eben nicht für Schlagzeilen gesorgt: „Inflationsgefahr im Euroraum nimmt ab.“
Das Ergebnis im einzelnen: Die Inflationsgefahr für den Euroraum dürfte in den kommenden Monaten zurückgehen. Nachdem sie Mitte des laufenden Jahres bei 2,4 Prozent gelegen hatte, wird sie in einer aktuellen Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für das Gesamtjahr 2012 bei 2,25 Prozent gesehen. Für das Jahr 2013 wird dann noch einmal ein leichter Rückgang erwartet. An der vierteljährlichen Umfrage des ZEW zu Inflation und Geldpolitik beteiligten sich im August dieses Jahres 228 Finanzmarktexperten. Angesichts der voraussichtlichen Inflationsentwicklung spricht für die Experten vieles dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten und den Zinsspielraum nach unten nutzen wird. Nur nebenbei: Bei uns liegt die monatliche Teuerungsrate noch deutlich niedriger – zuletzt bei nur 1,7 Prozent.
Hoffen wir, dass diese Prognose tendenziell stimmt (woran ich glaube), denn Teuerungsraten mit einer 2 vor dem Komma sind gesamtwirtschaftlich harmlos.
Was heißt dies für Sie als Geldanleger? Es gibt, wie immer, eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Niedrige Zinsen und niedrige Inflationsraten bilden eine mitentscheidende Grundlage für feste Börsen. Anleihen sind aber nur in der Phase sinkender Zinsen attraktiv und nicht mehr, wenn diese unten angelangt sind wie jetzt, auf einem historischen Tief. Die Schlechte: Nicht nur Geldanlagen, die Zinsen abwerfen (statt Dividenden oder andere Ausschüttungen), werden langweilig, sondern auch das Sparen als Anlageersatz. Viele Bundesbürger, die vorsichtshalber das Sparbuch reaktiviert haben, übersehen, dass 2 Prozent Zinsen bei 1,7 Prozent Inflation doch keinen Zuwachs des Kapitals bedeuten, denn er muss ja noch Kosten und Steuern berücksichtigen – meist bedeutet dies ein Verlustgeschäft.
Ich empfehle: Geld auf Konten parken nur im Sinne und in Höhe der bewussten Liquiditätshaltung, die individuell ganz unterschiedlich ist. Der größte Teil sollte investiert werden, in Sachwerte wie Immobilien, Rohstoffe (Edelmetalle) – und nichgt zuletzt Aktien. Wie erfolgreich dies sein kann, zeigen meine Kollegen von den einzelnen Anlegerbriefen auf, deren Ergebnisse mich immer wieder in Erstaunen versetzen.
Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr
Hermann Kutzer
Chefredakteur
Kutzers BauchgefühlP.S.: Im dreimal wöchentlich erscheinenden Newsletter „Kutzers Bauchgefühl” erhalten Sie einen Überblick über die aktuelle Lage und die daraus resultierenden Chancen an den Kapitalmärkten.
Hier geht´s zur kostenlosen Anmeldung!