Kolumne09:03 29.06.12
Gibt es doch noch den Gipfel-Erfolg in letzter Minute?
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
am Tag des EU-Gipfels überwog bei den Anlegern am deutschen Aktienmarkt doch das Gefühl dass die europäischen Spitzenpolitiker sich nicht auf Maßnahmen verständigen können, die zu einer schnellen Lösung in der Euro-Krise führen würden. Somit musste der deutsche Leitindex
DAX seine Gewinne, die er am Mittwoch hart erkämpft hatte wieder abgeben. Neben den geringen Hoffnungen auf positive Impulse seitens des EU-Gipfels drückten einmal mehr die steigenden Risikoaufschläge für spanische und italienische Staatspapiere auf die Stimmung der Investoren. Dabei näherte sich Spanien erneut der magischen Marke von 7 Prozent bei den zehnjährigen Papieren an.
Anders als am Mittwoch gab es gestern auch keine guten Konjunkturnachrichten aus den USA, die den
DAX hätten nach oben ziehen können. Bei den wöchentlichen Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe beispielsweise wurde ein leichter Rückgang vermeldet. Außerdem wurden die vorläufigen Zahlen zur Abschwächung des BIP-Wachstums im ersten Quartal bestätigt. Das BIP ist demnach von Januar bis März um annualisiert 1,9 Prozent gestiegen. Im Schlussquartal 2011 hatte die Rate noch bei 3,0 Prozent gelegen. Allerdings wurden diese Nachrichten von den Anlegern kaum beachtet. Man darf auf den heutigen Tag gespannt sein. Ein kurzer Blick darauf:
Zum Wochenausklang werden die deutschen Einzelhandelsumsätze für den Monat Mai bekannt gegeben. Aus Frankreich erreichen uns die BIP-Daten zum ersten Quartal des Jahres und die Erzeugerpreise (Mai). Außerdem wird in Großbritannien das GfK-Verbrauchervertrauen (Juni) veröffentlicht. Im Hinblick auf mögliche Zinsschritte seitens der EZB, zur Stützung der europäischen Wirtschaft, dürfte die Vorabschätzung der Inflation im Euroraum (Juni) von Investorenseite mit relativ großem Interesse beobachtet werden. Laut Dekabank-Research bewegt sich die Inflationsrate der Eurozone langsam wieder auf die Marke von 2,0 Prozent zu. Die Schnellschätzung für Juni sollte den dritten Rückgang in Folge auf eine Jahresrate von 2,3 Prozent anzeigen. Seit dem Frühjahr ist der Weltmarktpreis für Rohöl erheblich gesunken, was sich auch in diesem Monat in Form niedrigerer Preise von Benzin, Diesel und Heizöl bemerkbar gemacht hat. Daneben flacht sich der Anstieg der Lebensmittelpreise ab, und in den meisten übrigen Komponenten ist der Preisauftrieb ohnehin moderat, so die Analyse von Dekabank-Research. Diese Details werden jedoch erst mit den endgültigen Verbraucherpreisen Mitte Juli bekannt gegeben.
In den USA werden zudem die persönlichen Einnahmen und die privaten Konsumausgaben für den Monat Mai veröffentlicht. Hierbei dürften die rückläufige Dynamik bei der Erholung des US-Arbeitsmarktes und der fallende Rohölpreis zu den entscheidenden Einflussfaktoren gehört haben. Außerdem werden der Chicago Einkaufsmanagerindex (Juni) und die endgültigen Zahlen zum Verbrauchervertrauen der University of Michigan (Juni) bekannt gegeben. Unternehmensseitig berichten u.a. Constellation Brands Inc. und die IKB Deutsche Industriebank AG, was jedoch nicht marktbewegend sein dürfte.
In diesem Sinne, noch einen erfolgreichen Börsentag
Ihr
Christoph Scherbaum
Chefredakteur
BAC-Börsenausblick