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Kolumne10:07 07.11.11

Börsenexperte, Experte und Author Prof. Dr. Max Otte
Großes Euro-Kino

Sehr geehrte Privatanleger,

nach dem Euro-Gipfel letzte Woche wurde uns nun diese Woche wieder großes und größtes Kino geboten. Als der griechische Ministerpräsident Papandreou ankündigte, sein Volk über die „Rettungsmaßnahmen“ abstimmen zu lassen, stürzten die Börsen ab.

In gewisser Weise durchaus zu recht. Denn wenn man anfängt, das Volk an den Entscheidungen zu beteiligen, ist der schöne Selbstbedienungsladen für die Finanzindustrie in Gefahr. Dann wird es nicht mehr so einfach, zu erklären, warum wir deutsche Steuergelder einsetzen müssen, und die Griechen einen extremen Sparkurs fahren müssen, nur damit die Banken einen großen Teil ihrer Fehlinvestitionen auf unsere Kosten zurückbekommen.

Die Abstürze beim DAX waren schon dramatisch. Auch der PI Global Value Fund, der zu Anfang der Woche bei erfreulichen 137 Prozent stand, wurde im Mitleidenschaft gezogen.

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Am Donnerstag machte Papandreou dann einen Rückzieher. Ich war gerade in Madrid, um die spanische Ausgabe von „Stoppt das Euro-Desaster“ vorzustellen. Ich argumentierte, dass Griechenland die Eurozone über kurz oder lang verlassen muss. Für Spanien sei das zwar kein Muss, aber auch für Spanien sei die Peseta besser. Die Thesen wurden mit Interesse aufgenommen. In Italien erscheint mein Buch demnächst auch, nur Griechenland tut sich noch etwas schwer.

Schade, dass Griechenland nun doch nicht abstimmt. Der Demokratie hätte es gut getan. Eines aber war an der ganzen Sache positiv. In der Pressekonferenz in Cannes am Mittwoch Abend sprachen Merkel und Sarkozy zum ersten Mal davon, dass sie bereit wären, die Eurozone auch ohne Griechenland zu verteidigen.

Damit ist man deutlich von der bis dahin offiziellen Ideologie abgerückt, dass ein Austritt eines unbedeutenden Staates gleichzeitig ein „Scheitern des Euro“ sei. Das ist wichtig! Denn nun ist Deutschland nicht mehr unbegrenzt erpressbar.

Über den Rettungsschirm und den Hebel geht natürlich die Geldschöpfung weiter, was letztlich Geldvermögen belasten wird und Aktien zugute kommen sollte.

Auf gute Investments,
Ihr

Prof. Dr. Max Otte

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