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Kolumne13:50 26.01.12

Hausse oder Baisse - Bitte nicht zu viel erwarten!
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

was weckt breites Anlegerinteresse? Elektronische Medien, ob TV oder Online-Plattformen, messen laufend Quoten und Klicks. Und wenn es um Kapitalanlagen geht, dann stehen extreme Prognosen stets ganz oben auf der Favoritenliste der Anleger. Beispiel: In einem Börsendienst werden gleichzeitig zwei neue Kommentare eingestellt. 1.: „Mustermann-Bank: Edelmetallen drohen 2012 keine Preiseinbrüche.“ 2.: „Edelmetall-Experte Mustermann sieht Gold hat schon bald über 5.000 Dollar.“ Sie brauchen nicht dreimal zu raten, um auf die mit weitem Abstand stärker beachtete Meldung zu kommen. Immer dann, wenn Gier und Angst das Marktgeschehen überschatten, kommt es zu Übertreibungen.

Gestern Abend bin ich auf das Klagen zwei unverändert skeptische Beobachter gestoßen, die Börse würde sich inzwischen nur noch von einem unrealistischen Optimismus leiten lassen. Angesichts der großen, noch ungelösten Probleme drohe den Haussiers ein bitteres Erwachen. Nun, das kommt mir wie selektive Wahrnehmung vor. Für eine Sekunde zog ich eine Strichliste positive rund negativer Überschriften in Erwägung – nicht nötig: Es ist doch offensichtlich, dass es Stimmen und Prognosen auf beiden Seiten gibt, dass die Nachrichten zu Konjunktur und Unternehmen ziemlich gemischt sind – dass es für Bullen und Börsen genügend Argumente gibt.


Vor diesem Hintergrund gefällt mir, einem bekennenden Optimisten, die aktuelle Börsenentwicklung ausgesprochen gut: Der Aktienmarkt reagiert zwar auf schlechte Nachrichten, aber doch verhalten und ohne in die Knie zu gehen. Außerdem stellt sich immer wieder eine Kurserholung ein, schon nach kurzer Zeit – ein gutes Zeichen! Die Börse zeigt sich widerstandsfähig, will eher weiter nach oben.

Nur empfehle ich den Haussiers, die Erwartungen nicht zu hoch zu spannen, sondern auch die Warnungen der Gegenseite im Auge zu behalten! Das Jahr ist noch keinen Monat alt und alles ist möglich. Und Ihnen, geschätzte Anlegerinnen und Anleger, rate ich zu kritischer Distanz gegenüber marktschreierischen Thesen. Wie schwierig es ist, eine „ausgewogene“ Prognose zu stellen, mit der Sie auch etwas anfangen können, sei anhand eines aktuellen Beispiels aufgezeigt:

Auszüge aus einer Pressenotiz: Die Saxo Bank, Spezialist für Online-Trading und Investment, sieht in ihrem aktuellen Marktausblick schon im ersten Quartal 2012 stürmische Zeiten anbrechen. Ob ungelöste Eurokrise, staatliche Sparzwänge oder soziale Spannungen: Saxo Bank Chefvolkswirt Steen Jakobsen rechnet mit heftigen, dafür aber befreienden Unwettern. Für ihn steht fest: 2012 wird ein Schlüsseljahr … Jacobsen weiter: „Auch wenn sich ein großer Sturm bedrohlich nähert, besteht kein Anlass zur Panik. Wir sind optimistisch, dass das neue Jahr bedeutende Veränderungen mit sich bringen wird. Bis es jedoch soweit ist, werden wir ein weiteres Quartal kontraproduktiver Maßnahmen erleben, die dann aber rasch den Wendepunkt einleiten werden hin zu besseren Ufern.“

Aha.

Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr

Hermann Kutzer


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