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Kolumne09:32 15.05.12

Börsenexperte, Experte und Author Harald Ruppert
Indikatoren und Oszillatoren - Ihr Navi für die Börse (Teil II)
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

Durchschnitt ist nicht gleich Durchschnitt

Es gibt wohl nur wenige Analysten, für die Gleitende Durchschnitte, kurz GDs, nicht zur Standardeinstellung ihrer Chartsoftware gehören. Meist direkt im Chartfenster angezeigt, zählen diese seit Jahrzehnten zu den am häufigsten angewandten technischen Studien. „Nervöse“ Kursverläufe glättend, folgen sie dabei dem Trend und zeigen diesen, je nach Glättungsverfahren und Periodeneinstellung, mehr oder minder zeitverzögert an. Neben seiner primären Aufgabe als Filter für „unbedeutende" Kursbewegungen liefert das Ergebnis der Glättung wichtige Grundlagen für eine Vielzahl weiterer Analysen. Inzwischen gibt es ungezählte Handelsansätze, bei denen Durchschnitte auch direkt zur Signalgenerierung herangezogen werden.

Wir wollen uns in der heutigen Ausgabe des System-Trading-Ruppert jedoch auf die Trendfolge bzw. Trendbestimmung mittels Moving Average (MA), so der engl. Begriff für gleitende Durchschnitte, konzentrieren. Dabei beschränken wir uns auf die drei bekanntesten Glättungsverfahren.

SMA
Die einfachste Methode zu Berechnung eines Gleitenden Durchschnitts kommt beim SMA (Simple Moving Average) zur Anwendung. Um einen 200-Tage-Durchschnitt zu berechnen, werden zunächst die letzten 200 Kurse addiert und danach die Summe durch 200 dividiert. Das Ergebnis zeigt den Durchschnittskurs dieses Zeitraums. Eine fortlaufende Berechnung, bei der jeweils ein neuer Tag hinzugenommen und die älteste Position der Datenreihe gestrichen wird, liefert uns dann die geglättete Verlaufskurve der Kurse. Dabei erhalten alle zur Berechnung herangezogenen Perioden die gleiche Gewichtung, was den SMA in seinem Verhalten relativ träge macht.

WMA
Um jüngeren Kursen eine höhere Gewichtung zu verleihen, werden beim WMA (Weighted Moving Average) die neueren Kursdaten mit einem (Gewichtungs-)Faktor multipliziert. Dieser ist umso höher, je näher sich die Kurse der Gegenwart annähern. Damit reagiert der WMA auf sich verändernde Preise schneller, als der SMA.

EMA
Ein ähnliches Verfahren kommt beim EMA (Exponential Moving Average) zur Anwendung. Auch hier wird neu hinzukommenden Kursen eine höhere Bedeutung attestiert. Allerdings bleibt die Gewichtung nicht auf einen festgelegten Zeitraum begrenzt. Sie reicht vielmehr bis zum ältesten herangezogenen Kurs, wobei sich der Faktor abschwächt, je weiter die Berechnung in die Vergangenheit zurückreicht.

Um Ihnen einen Eindruck über die möglichen Vor- und Nachteile dieser Glättungsverfahren zu geben, vergleichen wir die Durchschnitte im Chart miteinander.

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Abb. 2.3 DAX auf Tagesbasis mit SMA, WMA und EMA



Schnell wird deutlich, dass sowohl der WMA als auch der EMA nach dem Trendwechsel des Basiswertes früher drehen, als der einfache Durchschnitt. Während der EMA bereits am 16. Januar in eine Aufwärtsbewegung überging, folgte der WMA nur drei Tage später. Der SMA hingegen befindet sich nach wie vor noch immer in einer Abwärtsbewegung (Stand Ende April 2012). Dies muss jedoch nicht zwangsläufig von Nachteil sein. Welchen der drei Indikatoren Sie einsetzen sollten, hängt nicht zuletzt von Ihrem Analyseansatz ab.

Dient der Gleitende Durchschnitt als dynamische Unterstützungs- oder Widerstandslinie, kann der langsamere SMA durchaus mithalten. Da sich die reagibleren EMA und WMA in der Regel näher am Preis bewegen, kommt es bei ihnen häufiger zu Fehlsignalen. Die folgende Abbildung macht den Unterschied anhand des Goldcharts deutlich.

Abb. 2.4 Gold-Future auf Tagesbasis (März 2009 bis Februar 2012)



Als Trendfilter eingesetzt, konnte mit dem einfach geglätteten Kursverlauf (SMA) der über drei Jahre andauernde Aufwärtstrend optimal erfasst werden. Lediglich im Dezember 2011 kam es zu einem Fehlsignal (roter Punkt). Anders bei der gewichteten Durchschnittslinie (blau). Hier kam es zu nicht weniger als acht angezeigten aber letztlich nicht vorhandenen Trendwechseln. Der exponentiell berechnete 200-Tage-Durchschnitt hätte seinen Anwender immerhin noch viermal in die Irre geführt (grüne Punkte).

Dennoch:
Richtig angewandt können alle drei Indikatoren recht gute Hilfsmittel sein, um Trends auszumachen. Mehr zu diesem wichtigen Thema im kommenden System-Trading-Ruppert.

Viel Erfolg an der Börse
Ihr

Harald Ruppert
Chefredakteur
Neuronales-System-Trading


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