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Kolumne15:30 28.05.12

Börsenexperte, Experte und Author Harald Ruppert
Indikatoren und Oszillatoren - Ihr Navi für die Börse (Teil III)
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

Todeskreuz und Goldkreuz

Bereits der Name verbreitet Angst und Schrecken: „Todeskreuz!“
Wann immer dieses aus zwei Gleitenden Durchschnitten konstruierte Baissesignal durch die Medien geistert, erregt es die Gemüter. Das Signal „erscheint“ stets dann im Chart, wenn die 50-Tage-Durchschnittslinie den Kursdurchschnitt der vergangenen 200 Tage von oben nach unten schneidet. Das gegensätzliche Muster führt zum sogenannten „Goldkreuz“ und soll eine Haussephase ankündigen.

Abb. 3.5 Death Cross + Golden Cross



Im Proficharttool von boerse.de haben Sie die Möglichkeit Gleitende Durchschnitte frei wählbarer Zeiträume direkt im Kursverlauf einzeichnen zu lassen.

Auch wenn die Aufregung um Death Cross und Golden Cross für mich nur bedingt nachvollziehbar ist - richtig angewandt, können Durchschnitte durchaus brauchbare Werkzeuge sein, um Trends aufzuspüren. Anleger, die seit der Jahrtausendwende dem Aktienmarkt beim Auftauchen der Todeskreuze den Rücken zukehrten, blieben von den beiden größten Einbrüchen der vergangenen 12 Jahre weitestgehend verschont. Sowohl das Platzen der Dotcom-Blase im Jahre 2000, als auch die Finanzkrise 2008 wurden von Todeskreuzen flankiert. Als die Finanzkrise im September 2008 mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers ihren Höhepunkt erreichte, hatten alle wichtigen Aktienindizes der Welt längst in den Baissemodus umgeschaltet. Denn sowohl für den DAX als auch für Dow Jones, Nasdaq, S&P 500, EURO STOXX 50, Nikkei etc. konnten bereits im Januar zuvor Todeskreuze ausfindig gemacht werden.

Abb. 3.6 Dow Jones (2006-2010) vor, während und „nach“ der Finanzkrise

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Dieses Beispiel könnte nun den Schluss zulassen, dass die Kombination der beiden GDs grundsätzlich hervorragende Ergebnisse im langfristigen Zeitfenster liefert. Doch von 2006 bis 2010 war der Dow Jones von drei starken Trendphasen geprägt, was den Einsatz der Gleitenden Durchschnitte sinnvoll machte. Wird dieselbe Vorgehensweise stattdessen in Seitwärtsphasen angewendet, werden schnell die Schwachstellen dieser Strategie sichtbar. Erweitern wir unseren Beispielzeitraum aus Abb. 3.6 um je zwei Jahre in die Vergangenheit und in die Zukunft, führt dies zu einer Häufung von Fehlsignalen (siehe Abb. 3.7). Die durch die nachlaufende Eigenschaft der Durchschnittslinien hinzunehmende Zeitverzögerung beim Ein- und beim Ausstieg, konnte vom auf- und abschwingenden Kursverlauf nicht kompensiert werden.

Abb. 3.7 Dow Jones (2004-2012) mit Trend- und Seitwärtsphase



Gleitende Durchschnitte als alleinige Signalgeber zu nutzen, birgt also ein hohes Risiko. Als Filterinstrumente hingegen können sie eine recht gute Hilfe sein. Daher sollten bevorzugt Positionen in die Richtung beider Durchschnitte eingegangen werden.


Viel Erfolg an der Börse
Ihr

Harald Ruppert
Chefredakteur
Neuronales-System-Trading


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