Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
was für eine Woche: Eine neue Regierung in Griechenland soll unter Übergangs-Premier Papademos dafür sorgen, dass der Geldstrom der Troika nicht versiegt. Die Situation hat sich somit etwas stabilisiert – und die Märkte waren bereit, sich das nächste Opfer auszusuchen. Konkret:
In Italien überstieg das Zinsniveau der 10-Jahres-Anleihen erstmals 7%. Solche Werte alarmieren, zumal es sich die römische Regierung auf Dauer nicht leisten kann, 7,5 oder gar 8% Zinsen auf ihre Anleihen zu bezahlen. Zudem stellt die 7%-Marke auch die sogenannte „Bailout-Barriere“ dar – das Zinssatzniveau für Staatsanleihen ab welchem die Notwendigkeit eines Einschreitens des europäischen Rettungsfonds ESFS wahrscheinlich wird. Das Überschreiten dieser 7%-Hürde veranlasste bereites die anderen 3 PIIG-Länder (Portugal, Irland und Griechenland), den ESFS in Anspruch zu nehmen. Konsequenterweise schafften die Märkte so, was unzählige Skandale nicht vermochten:
Berlusconi hat unter lauten Jubelrufen seiner Gegner das Handtuch geworfen, wodurch die Rekordzinsen für italienische Staatsanleihen zumindest kurzfristig gezügelt wurden. Ein wichtiger Schritt, denn Italien hat mehr Schulden als Griechenland, Portugal und Irland zusammen. Selbst ein gehebelter ESFS von rund einer Billion Euro wäre nicht annähernd ausreichend, die 1,6 Billionen Schulden der Pesto-Liebhaber aufzufangen. Eine Zahlungsunfähigkeit des Landes wäre also eine ernsthafte Bedrohung für den Euro. Nur mithilfe von massiven Aufkäufen italienischer Staatsanleihen durch die EZB konnte der Zinssatz bis zum Wochenende auf 6,5% gedrückt werden.
Dann hatten wir da noch die Herabstufung Frankreichs durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P). Nach den Schuldnern sind nun also die Gläubiger dran? Zum Glück handelte es sich bei dieser Information um einen „technischen Fehler“, der umgehend berichtigt wurde. Zur Börse:
Die Volatilität an den Märkten ist nach wie vor hoch. Die Kurse richten sich wie Fähnchen nach dem Wind – und der dreht ständig.
Aufgrund der immer wieder vorkommenden Überraschungen im Euro-Raum und der generell fehlenden Richtung ist es momentan schwer, kurzfristige Prognosen zu erstellen. Die Märkte sind im Augenblick zu sensibel und die Charts zu neutral, um zuverlässige Vorhersagen geben zu können. Wirft man einen Blick auf den Euro zum US-Dollar (EUR/USD), so lassen sich die Auswirkungen der vergangenen Tage deutlich ablesen:
Nach einer vierwöchigen Erhohlungsphase schloss der EUR/USD die zweite Woche in Folge im Minus. Auf dem Tages-Chart bleiben wir daher weiterhin unter den Gleitenden Durchschnitten (GD) 50 und 200. Bereits im Oktober hat der GD50 den langfristigen GD200 unterschritten – ein weiteres bärisches Zeichen. Mittlerweile hat sich mit eine Dreiecks-Preisfalle herausgebildet, welche die Kursausschläge der kommenden Woche nach oben und unten begrenzen könnte.

Falls die Talfahrt in der nächsten Woche weitergeht, dürfte der Kurs die Widerstandszone bei 1,3780-1,3860 respektieren und von dort nach unten abprallen. Erstes Wochenziel auf der Unterseite wäre dann 1,3500, bzw. die untere Dreiecks-Begrenzung.
Sollte sich jedoch die bullische Seite durchsetzten, muss sich der Kurs zunächst oberhalb des GD50 bei derzeit 1,3814 behaupten. Denkbar wäre zu Beginn der Woche noch ein Rückzug bis zur 1,3656-Unterstützungsmarke. Dann jedoch sollte der Eurogenügend Anlauf genommen haben, um ein Höheres Hoch oberhalb der Widerstandszone bis 1,3860 zu setzen. Erstes bullisches Wochenziel wäre dann die Widerstandszone um 1,3900 und den GD200. Doch bei den Longs Vorsicht:
Zu viel Negatives haftet dem Euro zurzeit an. Daher brauchen alle Euro-Bullen diese Woche ein dickes Fell.
Man darf also gespannt bleiben, was als nächstes passiert. Bleiben Sie dran!
Happy Trading!
Ihr
Sven Brand
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| Wert | Aktuell | % |
|---|---|---|
| DAX | 6.317,00 | 0,15 |
| MDAX | 10.231,52 | 0,03 |
| TecDAX | 755,00 | 0,39 |
| EURO STOXX 50 | 2.156,70 | 0,00 |
| Dow Jones Industrial | 12.529,75 | -0,09 |
| Nasdaq 100 | 2.538,50 | 0,28 |
| Gold | 1.561,60 | 0,08 |
| Silber | 28,27 | 0,24 |
| Rohöl (WTI) | 90,65 | -0,37 |
| Euro/Dollar | 1,2560 | 0,23 |
| Bund-Future | 143,86 | -0,09 |