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Kolumne10:08 04.06.04

Börsenexperte und Autor Prof. Dr. Max Otte

Kommt die Zinswende?

Sehr geehrte Privatanleger,

im Juni 2003 hatte die Rendite der 10jährigen deutschen Staatsanleihen mit 3,3% ein Tief erreicht. Im April sank die Rendite noch einmal auf 3,5%. Mittlerweile stehen wir bei 3,98%. Ist die Zinswende eingeleitet?

Seit mehr als zwanzig Jahren leben wir in einer Ära global fallender Zinsen. Die älteren von uns haben vielleicht schon vergessen, dass man in den USA in den Jahren 1980 bis 1982 auch für erstklassige Anleihen bis zu 18 Prozent Rendite erzielen konnte. Die jüngeren von uns erinnern sich vielleicht gar nicht mehr daran.

Das Verdienst, die weltweite Inflation gestoppt zu haben, kommt unzweifelhaft einem Mann zu: Paul Volker. In den siebziger Jahren sahen die Wirtschaftspolitiker weitgehend hilflos zu, wie die Inflation und die Zinsen immer höher drifteten. Volker, Vorgänger von Alan Greenspan, begrenzte schließlich 1979 die Geldmenge und ließ den freien Markt den Preis für Geld regeln. Dabei nahm er es in Kauf, dass die Zinssätze bis auf 18 Prozent stiegen. Als die Finanzmärkte nach 1982 „merkten“, das Volcker es ernst gemeint hatte, begannen die Zinsen zu fallen.

Ich hatte das Privileg, an der Princeton University bei Paul Volcker studieren zu dürfen. Mit 2,06 Metern ist Volcker ein wirklich imposanter Mann. Imposanter als seine Größe ist allerdings sein geradliniger Charakter. Anders als der diplomatische Greenspan kam Volker nicht immer gut bei den Politikern an. Reagan entließ in 1987 in Ehren. Was ihn sympathisch macht: auch Volker erinnert sich nicht gerne an die Jahre des knappen Geldes von 1979 bis 1982, weil sie mit einer Wirtschaftskrise und ökonomischem Leid für viele Unternehmen einhergingen. Als von ca. 10 Jahren meine Freude Bill Grimes und Dan Granirer – einer ist heute Professor an der Boston University, der andere Investment-Banker bei Merrill Lynch – ein Buch mit ihm schrieben, mussten sie Volcker erst dazu überreden, auch ein Kapitel darüber zu schreiben, wie er die Inflation gestoppt hatte.

In den Greenspan-Jahren wurde hingegen bisher sehr viel Geld in das internationale Wirtschaftssystem gepumpt: zum Beispiel nach dem Börsencrash 1987, im Zuge der Reformen in Osteuropa, nach der Asien-Krise 1997 und der Rußland-Krise 1998. Die steigende Arbeitsproduktivität und die seit Anfang der achtziger Jahre fallenden Rostoffpreise sorgten dafür, dass sich dies bislang nicht nachteilig auf die Inflation ausgewirkt hat.

Greenspan war bislang mehr damit beschäftigt, eine mögliche Deflation zu bekämpfen als die Inflation. Das ist richtig, wenn man sieht, wie schwer Länder aus einer Deflation herauskommen – siehe Japan. Aber die Gefahr der Deflation scheint zunächst gebannt. Im ersten Quartal 2004 wuchs das Bruttoinlandsprodukt der USA um 6,6%, gleichzeitig zog die Inflationsrate deutlich an. Der Notenbankzins wird weiter ansteigen müssen. Es gibt viele Anzeichen, dass wir tatsächlich vor einen Zinswende stehen.

Das ist schlecht für die Besitzer von Anleihen. Es ist auch zunächst einmal schlecht für Aktien, obwohl sich steigende Zinsen unterschiedlich auswirken: hart kann es hoch bewertete Aktien aus dem Technologiesektor treffen (weil die Alternative einer risikoarmen Anlage in Zinspapieren nun relativ mehr bringt), schlecht kann es auch für kapitalintensive und zyklische Aktien sowie für den Rohstoffsektor sein. Am besten dürften einen Zinsanstieg Markenartikler und Dienstleister verkraften.

Viele Anleger fragen mich immer wieder, wass sie denn dann mit Ihrem Bargeldbestand machen sollen, damit sie etwas mehr als ein oder zwei Prozent verdienen. Meine Antwort ist immer dieselbe: seien Sie froh, dass Sie überhaupt so viel Bargeld haben! Manchmal kann das Warten profitabler sein, als das Jagen nach ein paar Prozenten. Auf keinen Fall sollten Sie in riskante Hochzinsanleihen gehen. Das ist das Risiko des Verlustes viel zu groß.

Außerdem: im Aktienmarkt bleibt man mit einigen Top-Werten IMMER investiert – sonst bekommen Sie nämlich nicht mit, wenn sich das Blatt wendet.

Erfolgreiche Investments wünscht
Ihr

Prof. Dr. Max Otte
www.privatinvestor.de

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