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Kolumne10:09 15.07.14

Börsenexperte und Autor Prof. Dr. Max Otte

Manchmal muss man die Reißleine ziehen

Sehr geehrte Privatanleger,

ich bin dafür bekannt, dass ich gerne billig kaufe. Und wenn ein Unternehmen bzw. eine Aktie dann noch billiger wird, kaufe ich nach. Das ist Value-Investing, das Gegenteil von Momentum-Investing, bei dem man auf einen fahrenden Zug aufspringt.
 

So etwas kann ganz schön an den Nerven zerren. Bei der Eurokrise waren wir schon im Sommer 2010 in einigen südländischen Werten drin. Und es hat bis zum Herbst 2012 gedauert, bis sich diese Werte erholten und wir Rendite einfahren konnten. Die Strategie war richtig.

Immer wieder habe ich billige Werte gekauft, die aus der Mode gekommen waren und von denen der Markt gerade nichts hielt. Derzeit haben wir einen relativ hohen Anteil der unbeliebten Goldminen im Depot, nämlich ungefähr zehn Prozent. Auch japanische Aktien haben wir aufgestockt. Nach der Explosion der Deepwater Horizon hatten wir BP-Aktien (WKN: 850517) gekauft und prächtig damit verdient.

Aber manchmal muss man die Reißleine ziehen.
 

Hätten wir doch zum Beispiel besser bei Praktiker vor der Insolvenz die Reißleine gezogen!

Aktuell ziehen wir die Reißleine bei Morrison Supermarkets (WKN: 880225). Morrison ist eine integrierte englische Einzelhandelskette und damit viel breiter aufgestellt als Praktiker. Aber in England ist ein Preiskrieg ausgebrochen, an dem Morrison nicht unschuldig ist. Und Preiskriege gehen beim Handel sehr schnell auf die Substanz. Zudem ist Morrison mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis um 1 nicht billig.

Lidl und Aldi sind in den englischen Markt eingestiegen und wollen dort rasch expandieren. Bislang sieht es so aus, als ob ihre Strategie aufgeht. Zudem sind beides europäische Marktführer, die eine andere Dimension als Morrison haben.

Die jetzige Morrison-Strategie scheint uns hingegen falsch und unsinnig. Auch der Gründer der Kette, Ken Morrison, der das 1899 gegründete Geschäft zu nationaler Größe geführt hatte und nicht mehr im Management ist, hat den aktuellen Kurs des Managements auf der diesjährigen Hauptversammlung scharf kritisiert.

In diesem Fall haben wir also die Reißleine gezogen und uns für eine Trennung von der Position Morrison trotz Verlust entschieden. Zudem entnehmen wir den Titel unserer Datenbank.

Unsere aktuelle Analyse zu Morrison können Sie in der heutigen Ausgabe nachlesen. Wir bitten um Nachsicht und hoffen, Ihnen so viele attraktive Investmentideen bieten zu können!

Auf gute Investments,
Ihr

Prof. Dr. Max Otte
maxotte.de

 


 

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Performance: Dax-Aktien 2016

Platz: 30
Unternehmen: E.ON
Von 8,93 auf 6,79 Euro
Performance: -24,90%

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