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Kolumne17:30 09.05.12

Börsenexperte, Experte und Author Hermann Kutzer
Nervöse Börsen - Mit Aktien durch die Krise
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die „Bären“ rappeln sich wieder auf, wittern eine neue Chance – die Chance, dass der Euro platzt, Europa gleich mit, Griechenland sowieso und Spaniens Banken vielleicht. Die Chance, dass die Finanzkrise endlich von allen als unlösbar anerkannt wird, dass Europas Konjunktur ebenso wie die chinesische in die Knie geht und aus der gefühlten eine statistisch nachweisbare Inflation wird – eine zumindest „trabende“ Geldentwertung, nicht nur schlappe plus zwei Prozent. Insgesamt die Chance also, dass Katastrophen-Propheten und Crash-Kassandras Recht bekommen, denn dann sind sie glücklich und können in TV-Diskussionen mit ernster Miene feststellen, dass Pessimismus mit Realismus gleichzusetzen sei.

Börsen handeln stets die Zukunft, heißt es, man versuche das Kommende vorwegzunehmen, zu antizipieren, zu eskomptieren. Eine Erwartungshaltung wird eingepreist. Wenn es dann so weit ist, erfolgt der Abgleich von Fantasie und Realität. Dann werden die Kurse gegebenenfalls korrigiert. Nur. Die Kapitalmarkt-Akteure denken seit Jahren zunehmend kurzfristiger. Und so verändert sich auch das Gedächtnis. Zwei aktuelle Beispiele.

Spätestens seit dem mitunter bürgerkriegsähnlichen Aufruhr in Athens Straßen war klar – und überall zu lesen –, dass die großen Parteien bei der Wahl abgestraft würden. Griechenland sei unregierbar geworden. Jetzt haben wir den Salat, aber doch keine Überraschung, die Börsianer hatten das Thema eigentlich längst abgehakt.

Ein Großteil der Kritik an den politischen Krisenlösungsversuchen hat sich bisher um die Zweifel an den nötigen Sparerfolgen gerankt. Zugleich wurde in den Diskussionen immer wieder die Frage gestellt, ob und wie es gelingen könne, den angeschlagenen Staaten Europas nicht nur strenge Konsolidierung zu verordnen, sondern auch neue Wachstumsimpulse zu vermitteln. Durch Francois Hollande rückt dieses Zentrale Thema wieder ins Bewusstsein

In beiden Fällen ist es also unverständlich, dass sich durch die von den Wahlen in Griechenland und Frankreich veränderten Konstellationen Ängste ausbreiten, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte. Märkte und Medien schaukeln sich förmlich hoch in der Dramatisierung. Außerdem sei die Frage erlaubt, warum jetzt wieder laut gezittert wird, wurden seit Herbst vergangenen Jahres doch mehr als 450 Vorschläge zur Lösung des Euro-Problems von (Chef-)Volkswirten, Analysten und Journalisten auf den Tisch gelegt – in ungezählten Reden, Fernsehdiskussionen, Artikeln und Büchern. Da muss doch der Richtige dabei gewesen sein – oder?

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Ich hatte schon Anfang des Jahres beschlossen, mir nicht anzumaßen, den 451. Vorschlag zu präsentieren. Aus einem einzigen simplen Grund: Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht mit überzeugender Sicherheit, wie uns extremer Schuldenabbau und gleichzeitige Stimulanz desolater Volkswirtschaften gelingen kann. Aber wir müssen es schaffen, wie auch immer. Deshalb sind alle Worst Cases längst im Gespräch, einschließlich einer Währungsreform.

Denjenigen, die sich dennoch nicht ins „Bären“-Lager verdrücken, sondern in der Krise auch etwas Erneuerndes sehen, möchte ich drei ganz aktuelle Meldungen mit auf den Weg geben :

    • Der Internationale Währungsfonds gibt Deutschland relativ gute Noten für seine Wirtschaftsentwicklung und Haushaltspolitik. "Die Aussichten für den Aufschwung in Deutschland sind günstig.“

    • Die deutsche Wirtschaft hat ihre Produktion im März unerwartet deutlich hochgefahren und damit die Winterdelle hinter sich gelassen. „Die gute Nachricht ist, dass nach dem derzeitigem Stand der Indikatoren eine Rezession nicht zu befürchten ist", sagte auch der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, in Berlin.

  • „In Zeiten unverzinster Inflation führt für private und institutionelle Anleger kein Weg an Aktieninvestments vorbei“, so Dr. Bert Flossbach, Vorstand und Mitgründer von Flossbach von Storch, einem der führenden, unabhängigen Investmentmanager in Europa. Das Zinsniveau bleibe durch die beschönigte „monetäre Lockerung“ der Europäischen Zentralbank trotz steigender Inflation noch lange Zeit tief und der Realzins negativ. Je länger dieser Zustand anhalte, umso mehr würden Anleger nach rentableren Anlagealternativen suchen müssen, um ihr Vermögen zu sichern und somit der Enteignung durch Inflation zu entgehen. „Nach Abzug der Inflation macht jeder, der sein Geld auf dem Konto, dem Sparbuch oder in Bundesanleihen anlegt, ein Verlustgeschäft“, ist Dr. Bert Flossbach überzeugt. „Die Enteignung der Anleger hat begonnen, und Ihnen sollte bewusst werden, dass Aktien erstklassiger Unternehmen quasi ein Schlaraffenland sind: attraktive Rendite, verlässliche Gewinne und Schutz vor Inflation.“

Dem ist aus der Sicht eines Aktien-„Bullen“ nichts hinzuzufügen.

Deshalb: Machen Sie weiter mit – und machen Sie’s gut!
Ihr

Hermann Kutzer

Chefredakteur
Kutzers-Anlegerbrief


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