Kolumne17:17 02.08.12
Reis - Hoffnungsträger 2012
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
auch im heutigen Rohstoff-Ausblick wollen wir – wie in den Vorwochen bereits verstärkt geschehen - dem Thema
Agrarrohstoffe unsere Aufmerksamkeit widmen. Standen in unseren vergangenen Analysen vor allem „westliche“ Rohstoffe wie Weizen und vor allem Mais im Mittelpunkt, so wollen wir uns heute einem Soft-Commodity zuwenden, der für fast die Hälfte der Weltbevölkerung das wichtigste Grundnahrungsmittel darstellt. Konkret: Wir werfen einen Blick auf die aktuelle Situation bei Reis.
Reis als HoffnungsträgerDie anhaltende Dürre und die Rekordtemperaturen in den USA sorgen dafür, dass die Preise für Agrarrohstoffe derzeit binnen kürzester Zeit durch die Decke geschossen sind. Mais, Weizen und Sojabohnen standen dabei im Zentrum dieses Preisfeuerwerks. Relativ außen vor geblieben bislang: Reis.
Das aktuell immer noch recht robuste globale Angebot an Reis gibt Rohstoffanalysten Hoffnung. Hoffnung, dass sich die dramatischen Szenen in etlichen Ländern der Dritten-Welt nicht wiederholen, die sich im Hungerjahr 2008 zugetragen haben. Damals gab es etliche lokale Hungerrevolten, da aufgrund der ähnlich wie heute auch explodierenden Lebensmittelpreise immer größere Teile der Bevölkerung sich nicht mehr mit dem absoluten Minimum an Lebensmitteln eindecken konnten. Das wenige Geld reichte oft nicht für die notwendige Tasse Reis.
Die bisherigen Schätzungen gingen davon aus, dass die Reisernte in diesem Erntejahr zumindest zufriedenstellend ausfallen dürfte.
Prognose für Reis zu optimistisch? Allerdings deuten erste Anzeichen mittlerweile darauf hin, dass diese Prognose sich als zu optimistisch herausstellen könnte. Zwar spricht die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) davon, dass sie noch keine Versorgungsprobleme mit Reis sehe. Doch die Zeichen mehren sich, dass dies nicht unbedingt so eintreten muss.
Indien, das nach China zweitwichtigste Anbauland, kämpft aufgrund des schwachen Monsumregens mit Verzögerungen bei der Pflanzung. Es fehlen zum langjährigen Durchschnitt fast fünfundzwanzig Prozent an Niederschlag. Somit haben die indischen Reisbauern rund zehn Prozent weniger Reispflanzen gesetzt, als sie dies vor einem Jahr gemacht haben.
Es kann bei wieder stärkeren Regenfällen zu einer Aufholjagd kommen, doch ob dieser kommt, das steht in den Sternen. Eine geringere Reisernte in Indien wird sicher Einfluss auf den Weltmarktpreis haben. Der Preis ist bereits auf ein Zweimonatshoch gestiegen – ein Vorgeschmack auf noch höhere Preise, falls die indische Ernte tatsächlich rückläufig sein wird.
Und was sagt die Markttechnik zu Reis?Seit Mai hat sich der Reispreis deutlich positiv entwickelt. Unter markttechnischen Aspekte ist jedoch noch weitere Luft nach oben vorhanden, sofern die Widerstandszone im Bereich von 16 US Dollar überwunden werden kann.

Die nächste Widerstandszone ist dann erst wieder im Bereich von 17,20 US-Dollar zu finden. Reisinvestments bitte wie immer nur mit Stop-Loss-Limit eingehen.
Herzliche Grüße
Ihr
Holger Wentz
Chefredakteur
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