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Kolumne10:21 11.06.04

Börsenexperte und Autor Prof. Dr. Max Otte

Software wird zu einer "reifen Branche"

Sehr geehrte Privatanleger,

manchmal bleibt auch mir beim Lesen einer Nachricht der Mund offen stehen. Diese Woche war es wieder soweit: es wurde bekannt, dass Bill Gates und Hasso Plattner, die Gründer und Hauptaktionäre von Microsoft und SAP monatelang über eine Fusion verhandelt hatten. Letztlich wurde das Projekt nicht weiterverfolgt.

Dennoch: DAS amerikanische Software-Erfolgsunternehmen und DAS deutsche Software-Erfolgsunternehmen sondierten auf höchster Ebene ein Zusammengehen. Allein die Tatsache, dass solche Gespräche zwischen zwei Marktführern stattgefunden haben, ist ein Hammer!

Software wird tatsächlich zu einer „reifen Branche“, wie es Larry Ellison von Oracle ausgedrückt hat. Die verschiedenen Player positionieren sich. Nachdem der Markt abgesteckt worden ist, wird sich die Branche jetzt konsolidieren. Bei Microsoft und SAP wäre es wohl eher einer Übernahme von SAP durch Microsoft gleichgekommen. Die Jahre des wilden Wachstums und der vielen großen Neuerungen sind zunächst einmal vorbei.

Interessant ist dabei auch, dass die Tendenz in vielen Fällen zu Software-Kaufhäusern geht, die ein möglichst umfassendes Spektrum von Dienstleistungen anbieten wollen. Microsoft muss außerhalb des Marktes für Standard-Bürosoftware (Windows und Office) neue Wachstumsfelder erschließen und hat Unternehmenssoftware angepeilt. Dazu wurden bereits Plains Software Inc. und Navision AS übernommen.

Bei SAP – einem Klasseunternehmen – rate ich aufgrund der recht hohen Bewertung schon länger von einem Engagement ab. Das Unternehmen muss kräftig wachsen, um seinen jetzigen Wert zu rechtfertigen. Durch das Übernahmeangebot steht SAP jetzt etwas besser da.

Microsoft hat gezeigt, dass es die Grenzen seines organischen Wachstums erreicht hat. Viele von Ihnen wissen, dass ich Microsoft lange mit einer der höchsten Punktzahlen in meinem Königstest bewertet habe. (Der Test misst die Stärke des Unternehmens und seine Finanzzahlen.) Barreserven von 55 Milliarden Dollar tragen dazu bei. In den letzten Monaten habe ich meine Position zu Microsoft überdacht: alle Versuche der letzten 5 Jahre, neue Geschäftsfelder zu erschließen, waren bestenfalls zaghaft. Zusätzlich wird die Bedrohung durch Linux immer ernster. Microsoft sitzt auf einem großen Geldhaufen, kann ihn aber nicht einsetzen. Obwohl Microsoft eines der profitabelsten Unternehmen der Welt ist, sehen die „Owners Earnings“ nach Warren Buffett – zusätzliche Gewinne pro zusätzliche Investition – nicht so gut aus.

Auch IBM positioniert sich unter Sam Palmisamo als Systemlösungs-Kaufhaus und möchte für Großkunden ganze Geschäftsprozesse neu organisieren und managen. Der Ansatz von IBM ist personal- und beratungsintensiv: das Unternehmen hat fast zehnmal mehr Mitarbeiter als Microsoft. Aber auch IBM ist ambitioniert bewertet.

Natürlich wird es immer wieder neue, interessante Softwareanbieter in Spezialbereichen geben. Beispiele hierfür sind Symantec (Virenschutz-Software) mit 11,4 Mrd. € Marktkapitalisierung bei einem KGV von 40 und der Spieleanbieter Electronic Arts mit 12,5 Mrd. € Marktkapitalisierung bei einem KGV von 28. Beide Unternehmen sind schon recht hoch bewertet, können aber noch wachsen. Sie könnten auch Übernahmeziele werden.

Ölwende

Zu einem anderen Thema: zwar ist der Kurs für Rohöl in den letzten Wochen zurückgekommen, aber die weltweite Ölwende ist da. Die Entdeckungsrate von Ölreserven nimmt ab, der Verbrauch zu. Aus diesen einfachen Tatsachen hat der amerikanische Geologe M. King Hubbert bereits in den siebziger Jahren „Hubberts Gesetz“ abgeleitet: die amerikanische Ölproduktion würde in den siebziger Jahren ihren Höhepunkt erreichen. Jetzt sieht es so aus, als ob die Ölproduktion der ganzen Welt bald ihren Höhepunkt erreicht.

Ich halte Unternehmen mit Öl- und Gasreserven für interessante Langfristinvestments, auch wenn der Ölpreis zwischenzeitlich noch einmal fallen sollte. Leider werden im Internet auch immer wieder kleine Explorationsfirmen mit geringer Marktkapitalisierung und hohem Risiko gepusht. Dabei kann man nur hereinfallen. Die folgenden amerikanischen Explorationsunternehmen haben eine lange Erfolgsgeschichte und sind keine Leichtgewichte: Devon Energy (WKN 925345), XTO Energy (886499) und Anadarko (871766). Die jüngsten Kurskorrekturen machen einen Einstieg interessant. Auch die ungarische MOL (890537), die „Russen“ Gazprom (903276) und Lukoil (899954), sowie schließlich Gewinnweltmeister ExxonMobil (852549), British Petroleum (850517) China Petroleum (578955) und Petroleo Brasiliero (615375) sind solide Investments. Royal Dutch Shell hat dagegen ein Problem: mehrfach mussten die ausgewiesenen Ölreserven nach unten korrigiert werden.

Denken Sie daran: Ölexploration ist auch für Firmen, die ihr Können unter Beweis gestellt haben, ein riskantes Projektgeschäft. Berechenbar ist nur, dass der Ölpreis steigt, nicht, welche Unternehmen am meisten davon profitieren werden. Kaufen Sie daher 3 oder mehr Öltitel und halten Sie diese langfristig. Bauen Sie Ihren eigenen Energiefonds auf.

Erfolgreiche Investments wünscht Ihnen

Ihr
Prof. Dr. Max Otte
www.privatinvestor.de

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