Kolumne18:39 05.07.12
Sommer-Rallye oder Euro-Crash?
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
welch eine Kursexplosion im
deutschen Aktienindex am vergangenen Freitag. Die Zeichen stehen mittlerweile recht gut, dass der Startschuss für eine Sommer-Rallye gefallen ist. Denn mit +4% schaffte das Leitbarometer den größten Tageskurssprung des Jahres. Dank +7% gelang sogar die größte Wochenbewegung seit 10. Oktober 2011. Anlass ist die Erleichterung über den gelungenen Euro-Gipfel, bei dem Bankenrettungen beschlossen wurden. Das heißt: Die Märkte vertrauen der Politik wieder. Nur bleibt meine Meinung, dass politische Börsen kurze Beine haben und einfaches „Vertrauen“ riskant sein kann. Als Trendfolger sehen wir uns das Verhalten, also Trends und Trend-Stärke (
gemessen am Abstand zum GD200) an. Deshalb nehmen wir heute die Chance auf eine Sommer-Rallye mit dem geplanten Kauf eines Long-Zertifikats auf den Dax wahr. Insgesamt gilt es jedoch, noch vorsichtig zu bleiben, wie eine geringe Aufwärtstrend-Stärke sowie volkswirtschaftliche Daten zeigen, die in den Medien keine Rolle zu spielen scheinen. Denn:
Spanien erlebt hinter dem Rücken der berichtenden Medien eine Kapitalflucht ungeahnten Ausmaßes. Nach den Zahlen der spanischen Zentralbank haben von Januar bis Ende April 124 Milliarden Euro das Land verlassen, da private Investoren dieses Geld ins Ausland schafften. 2011, im Jahr mit den historisch höchsten Abflüssen, waren insgesamt lediglich 75 Milliarden Euro abgewandert. Alleine im Mai 2012 schrumpften in Spanien die privaten Einlagen bei Banken (inklusive Unternehmen) um 31,7 Millarden Euro. Dies ist das zweithöchste jemals gemessene Monatsminus. Damit sind diese Bankeinlagen gegenüber dem Allzeithoch von Juni 2011 um 148,5 Milliarden gesunken, was -8,5% entspricht. Mit anderen Worten:
Die Kredite, mit denen das spanische Bankensystem am Leben gehalten werden soll, reichen bei gut 60 bis 125 Milliarden Euro kaum, um auch nur den Kapitalabfluss auszugleichen. Die Bankkunden wissen, warum sie dem System misstrauen. Noch immer stehen dort und in den Krisenstaaten Portugal, Italien, Irland und Griechenland unglaubliche Kredite aus. Die Bilanzsummen, gestreckt durch – ungedeckte – Ausleihungen, sind höher denn je zuvor. Von September 1997 bis Mai 2012 explodierten diese insgesamt von 2,875 Billionen Euro auf 10,249 Billionen Euro. Deshalb scheint das Vertrauen der Kunden in die Politik zerstört. Auch wir Trendfolger „vertrauen“ den Regierungen nicht, sondern beobachten stur das Marktverhalten. Ein Indikator für das Misstrauen bleibt der Euro. Noch immer notiert unsere Währung bei 5% Abstand zum GD200 satt im Abwärtstrend, wobei mit 248 Tagen die drittlängste Trendphase der vergangenen zehn Jahre erreicht wurde. Es fehlen nur 28 Tage bis zum Rekord — und dies macht sich in Short-Trendgewinnen von 106% deutlich. Als Fazit bleibt: Eine Sommer-Rallye ist nach den langanhaltenden Korrekturen seit März möglich. Dies entscheidet jedoch der Markt mit seiner Trend-Stärke und nicht die Politik.
Handeln Sie erfolgreich!
Ihr
Janne Jörg Kipp
Chefredakteur
TrendbriefP.S.: Janne Jörg Kipp ist Trendbrief-Chefredakteur und unterstützt Sie täglich mit konkreten Empfehlungen zu den lukrativsten Trends in Aktien, Indizes, Devisen, Zinsen sowie Rohstoffen. Der Trendbrief erscheint mittlerweile im 25. Jahrgang und ist heute der maßgebliche Börsenbrief für Trends & Tradings.
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