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Kolumne16:55 21.11.11

Börsenexperte, Experte und Author Sven Brand
Staatsanleihen-Crash voraus?

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Märkte scheinen die Euro-Staaten nun endgültig zum Abschuss freigegeben zu haben:

Nachdem Anfang des Monats Italien dran glauben musste, sind in der vergangenen Woche nun auch Spaniens Staatanleihe-Renditen über die sogenannte „Bailout-Barriere“, die 7%-Marke, geschossen. Alle Länder, welche mehr als 7% Verzinsung für ihre Staatsanleihen zu zahlen hatten oder haben, mussten über kurz oder lang den europäischen Rettungsfonds ESFS in Anspruch nehmen. Sogar Frankreich musste bei seinen zehnjährigen Anleihen im Laufe der Woche mächtig Federn lassen. Die französischen Staatsanleihen erreichten zum ersten Mal seit Einführung des Euros gegenüber den deutschen Briefen einen Zinsvorsprung von bis zu zwei Prozentpunkten. Als einzige unter den europäischen Staatsanleihen konnten sich die deutschen Bundesanleihen leicht verbessern. Als Resultat werden die Spreads zwischen Bundesanleihen und den Staatspapierend er anderen Euro-Länder immer größer – d.h., der Rest der Euro-Zone muss im Vergleich zu Deutschland immer tiefer in die Tasche greifen, um seine Papiere unter die Leute zu bringen. Die EU-Kommission schreit buchstäblich nach der Einführung von Euro-Bonds.

„Desperate times call for desperate measures“: Verzweifelte Zeiten rufen nach verzweifelten Taten. Der neue italienische Staatschef Mario Monti hat sein Kabinett vorgestellt – keines der 16 Mitglieder ist Politiker. Damit hofft der neue italienische Staatschef, das Vertrauen sowohl der Märkte als auch der Bevölkerung zurückzugewinnen. Ob dies gelingt, wird sich bald zeigen. Ein Vertrauensvotum im Parlament konnte Monti diese Woche schon für sich entscheiden. Zu Ende der Woche waren die Zinsen der italienischen Staatsanleihen daher wieder unter 7%.

Als erste Ratingagentur warnte Fitch am Mittwoch vor möglichen Auswirkungen der Euro-Krise auf amerikanische Banken. Moody’s setzte tags darauf mit der Herabstufung mehrerer deutscher Landesbanken – allen voran die BayernLB – einen drauf. Weltweit kommen Banken also erneut unter Druck.

Als Resultat der anhaltend schlechten Nachrichten setzte der Euro seine Talfahrt gegen den US-Dollar fort. Der EUR/USD schloss die Woche zum dritten Mal in Folge im Minus und sah Mitte der Woche mit 1,3421 ein Sechs-Wochen-Tief. Gleich am Montag diente der Gleitende Durchschnitt (GD) 50 als Begrenzung nach Oben und ließ den Wechselkurs gnadenlos an sich abprallen. Schon am Dienstag viel dann die 1,3600-Marke und Tags darauf die 1,3500. Somit ist das Währungspaar auch aus der Dreiecksformation ausgebrochen. Zwar konnte am Freitag die 1,3500-Marke zurückerobert werden – insgesamt blieb der Tag allerdings unterhalb der Dreiecks-Begrenzung und deutet somit auf ein klassisches „Breakout-Retest“-Muster hin. Die Tatsache, dass der EUR/USD zum Wochenschluss unterhalb des Dreieckes blieb, deutet daraufhin, dass sich die Abwärtsbewegung des Paares in der kommenden Woche weiter fortsetzten wird.


Falls die Talfahrt in der nächsten Woche weitergeht, wäre die Unterstützung bei 1,3400 das erste Wochenziel auf der Unterseite mit dem Potenzial, bis zum Ende der Woche die 1,3200-Marke zu knacken bzw. das Jahrestief bei 1,3145 zu erreichen.

Sollte sich jedoch wider Erwarten die bullische Seite durchsetzten und die Widerstandszone bei 1,3576-1,3653 passieren, wären der GD50 und danach der GD200 die unmittelbaren Aufwärtsziele.

In der kommenden Woche werden Investoren und Händler ein genaues Auge auf die weiteren Entwicklungen in der Eurozone werfen. Besonders volatil könnte es ab Donnerstag werden. Zum einen wird die Bundesrepublik ihre endgültigen Zahlen zum Bruttosozialprodukt des vergangenen Quartals veröffentlichen, zum anderen bleiben die Börsen in den USA aufgrund des amerikanischen Erntedankfestes (Thanksgiving) geschlossen. Da ein großer Teil der Devisengeschäfte in den USA getätigt wird, werden viele Devisenhändler weltweit diese Gelegenheit für ein verlängertes Wochenende nutzen und dadurch das Handelsvolumen auf den Devisenmärkten zum Ende der Woche merklich ausdünnen. Es könnte also etwas unruhig werden. Daher:

Bleiben Sie dran, aber bleiben Sie vorsichtig!

Happy Trading!
Ihr

Sven Brand


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