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Kolumne16:14 31.10.11

Börsenexperte, Experte und Author Katja Zacharias
Süßes oder Saures - dem Gruselkabinett der Fonds entgehen

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

die Versuchung ist gelegentlich groß, der Suggestion von Bankberatern zu glauben, die Direktanlage in Aktien sei nur etwas für Profis. Unter dieser Voraussetzung wird dann dem geneigten Investor geraten, ein Produkt des Instituts zu erwerben, zum Beispiel einen Fonds. Das ist im Grunde der gleiche Trick, den heute zum Halloween-Abend mancherorts die Kinder versuchen: bange machen und Abkassieren, Süßes oder Saures. Während es jedoch bei den kleinen Monstern lustig ist und sich die kleinen Gespenster auch mit der Gabe einer Leckerei „vertreiben“ lassen, werden beim Kauf eines Fonds etliche Geister geradezu heraufbeschworen. Denn beim Geschäft mit dem „Geld anderer Leute“ verliert in der Regel der Kunde.

Zunächst einmal fallen ganz offensichtlich die Gebühren auf, die der Anleger zu entrichten hat. Diese müssen durch eine überdurchschnittliche Performance wieder hereingeholt werden, wobei die Mehrheit der professionell verwalteten Depots nicht einmal den Markt schlägt. Wer jedoch glaubt, dass dies der einzige Nachteil sei, der irrt. Hier ein paar weitere Punkte aus dem Gruselkabinett der Investmentbranche:

    • Fonds sind meist auf kurzfristige Rendite-Ziele ausgerichtet. Das ergibt sich aus dem ständigen Vergleich mit der Vielzahl von Konkurrenzprodukten und führt letztlich zu geringeren Renditen.

    • Die meisten institutionellen Investoren messen ihre Performance zudem relativ zu Indices oder zu Wettbewerbern. Vermögensverwalter, die nur darauf bedacht sind, einen bestimmten Index zu schlagen, laufen jedoch Gefahr, den Blick dafür zu verlieren, ob ein Investment tatsächlich attraktiv ist.

      • Fondsmanager werden in der Regel nach dem betreuten Volumen bezahlt. Daher besteht ein hoher Anreiz, den Kundenstamm beständig auszuweiten, um neue Gebühren zu generieren. Allerdings wird es mit zunehmender Portfoliogröße immer schwieriger, eine zufrieden stellende Rendite zu erwirtschaften.

      • Läuft es gut, stehen Fonds in Rankings weit oben. Dies wird auch „Todeskuss“ genannt, denn nun werden neue Kunden angezogen, das frische Geld muss in der Regel weniger profitabel angelegt werden.

      • Läuft es schlecht, verkaufen die Anleger. Der Verwalter fährt also mit der Strategie, durchschnittliche Ergebnisse abzuliefern, am besten.

      • Oft werden zudem mit dem so genannten Window Dressing sogar noch falsche Fährten gelegt. Dabei handelt es sich um die Praxis, ein Portfolio vor dem Quartalsbericht zu schönen. Die Aktien der besten Performer des vergangenen Vierteljahrs werden hinzugekauft, Positionen mit Verlusten werden hingegen veräußert.


Überlassen Sie also am besten Ihre Anlageentscheidungen dem Menschen, dem Sie am meisten vertrauen können: sich selbst. An der Börse ist derjenige erfolgreich, der langfristig handelt und auf die Güte der Investments achtet. Je mehr Qualitätstitel Sie im Depot haben, desto weniger böse Überraschungen werden Sie erleben. An der Beteiligung eines Top-Unternehmens (zum Beispiel eines Champions aus dem boerse.de-Aktienbrief) haben Sie langfristig Freude, an der Beteiligung an einem Fonds nur so weit, wie es die Investmentbranche zulässt!

Mit bester Empfehlung
Ihre

Katja Zacharias
Value-Analystin für den boerse.de-Aktienbrief

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