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Kolumne15:39 05.04.16

Börsenexperte und Autor Volker Meinel

Tesla geht in den Massenmarkt

Tesla Motors firmiert zwar als Autohersteller. Aber die Mischung von Computer-Hightech auf vier Rädern, die Ambitionen Richtung autonomes Fahren und verbesserter Batterieleistung sowie die Art und Weise des wichtigsten Wartungsvorgangs - ein Softwareupdate - haben schon vielen Analysten dazu bewogen, Tesla als Technologie-Wert und nicht als Autohersteller zu bewerten.

 

Im Gegensatz zu vielen weiteren Konkurrenten schreibt Tesla trotz tollen Wachstumsperspektiven keine schwarzen Zahlen. Aktionäre müssen sich mit viel Zukunftsperspektiven begnügen. Das macht die Aktie etwas anfällig für schlechte Nachrichten, und das sind bei Tesla schlicht fehlende gute Nachrichten. Immerhin: Die Kurs-Delle vom Februar konnte inzwischen ausgebügelt werden und es steht die Einführung eines neuen Modells an, das Tesla in eine neue Kategorie führen könnte: Das neue Modell 3, eine Mischung von Sport- und Kompaktwagen, soll Kunden für das mittleren Marktsegment und damit den Massenmarkt ansprechen. Tesla war bisher erfolgreich in einer Marktnische unterwegs - denn die Preise beginnen in den USA ab 70.000 Dollar und in den ersten Zehn Jahren hat Tesla zusammen 50.000 Autos verkauft.

 

Für das Jahr 2020 plant Tesla den Verkauf von einer halbe Million Fahrzeuge, vor allem das Modell S. Es kommt für 35.000 Dollar (vor allfälligen Förderbeträgen von Staaten) auf den Markt - und es ist ein Vorstoß in den Massenmarkt, in dem die Spielregeln anders und die Margen viel niedriger sind als im vergleichsweise exklusiven oberen Marksegment. Tesla stellt noch viele Schlüsselkomponenten selber her - die Konkurrenten beschränken sich dagegen in der Regel noch auf die Entwicklung, das Marketing und den Zusammenbau der Fahrzeuge. Zudem verkauft Tesla bisher immer direkt in eigenen Geschäften - und nicht via ein Netz von Vertragshändlern. Ein solches muss früher oder später ausgebaut werden - was wiederum die Kosten- und Margenstruktur ausgerechnet zu einem Zeitpunkt verändert, in dem hohe Investitionen anstehen.

 

Für die nächsten vier, fünf Jahre sind deshalb selbst bei optimistischen Szenarien über den Verkaufserfolg des neuen Modells kaum Gewinne zu erwarten. Vor allem Verkaufs- und Umsatzzahlen werden deshalb den Aktienkurs treiben. Unsere Research-Experten rechnen mit einer Fortsetzung des Seitwärtstrends mit leicht steigender Tendenz. Tesla-Anleger brauchen deshalb einen langen Atem.
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