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Kolumne14:05 12.01.12

Börsenexperte, Experte und Author Holger Wentz
US-Erdgas weiter im Rückwärtsgang
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

ein Winter, der kein eigentlicher Winter ist, der hat so einige Vorteile zu bieten: Kein lästiges frühmorgendliches Schneeschippen vor der Haustür, keine glatten und rutschigen Straßen und vor allem die Aussicht auf eine Heizrechnung, die einem nicht gleich das Blut in den Adern gefrieren lässt. Der aktuelle Winter könnte einer von dieser Sorte werden und uns einiges an Nerven und Geld ersparen.

Denn: Die Preise für Gaskunden in Deutschland kennen seit Jahren eigentlich nur eine Richtung. Regelmäßig werden die Preise für den Bezug so genannten Stadtgases erhöht. In 2011 musste im Durchschnitt ca. fünf Prozent mehr für diesen Energieträger auf den Tisch gelegt werden als im Vorjahr und im noch jungen Jahr 2012 müssen Verbraucher bis zu etwa zweiundzwanzig Prozent mehr für Gas berappen. Aber es geht auch anders, wie das Beispiel USA zeigt.

US-Gaspreis weiter auf dem Weg nach unten

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der Energieverschwendung hingegen wird Erdgas seit etwa zwei Jahren immer billiger und hat mittlerweile ein Niveau erreicht, wie es zuletzt im Herbst 2009 zu beobachten war. Und der Trend zeigt weiter nach unten. Allein gestern hat der Preis um weitere fünf Prozent nachgegeben und notiert aktuell bei etwa 2,80 US-Dollar je Million britischer Thermaleinheiten (mbtu). Ein mbtu entspricht etwa 28 Kubikmetern. Die USA sind somit das Land mit den geringsten Gaspreisen weltweit.

Auf dem US-Gasmarkt wird der Preis vor allem durch das extrem hohe Angebot und die ständig steigenden Lagerbestände belastet. Das Überangebot kommt von den im vergangenen Jahr verstärkt ausgebeuteten Schiefergasvorkommen in den USA.

Da trotz der beständig fallenden Preise die Schiefergasförderer aufgrund ihrer Kostenstruktur und der Angebotsverknappung auf den Preisverfall nicht mit Produktionskürzungen gegensteuern, glauben etwa die Rohstoffanalysten der Societe Generale daran, dass der Gaspreis noch um etwa weitere zwanzig Prozent fallen könnte, bis hier eine Schmerzgrenze erreicht wurde.

Chinas Gashunger wächst und wächst und wächst

Auf der anderen Seiten der Extreme steht etwa China, wo für dieselbe Menge Gas etwa umgerechnet 14 Dollar und somit das Fünffache bezahlt werden muss!

Der Grund für den immensen Preisunterschied: Chinas Nachfrage nach Erdgas steigt seit einigen Jahren stark an, um durchschnittlich achtzehn Prozent jährlich. Aktuell kann China bereits zwölf Prozent des Bedarfs nicht mehr aus eigenen Gasvorkommen bedienen, innerhalb von vier Jahren dürfte dieser Anteil sogar auf fünfunddreißig Prozent ansteigen.

Die Chinesen werden daher zukünftig den einen oder anderen Fühler in Richtung US-Erdgas ausstrecken, um diese Lücke langfristig schließen zu können.

Doch erst im Jahr 2015 wird die Technik zur Verflüssigung von Erdgas in großem Umfang in den USA bereitstehen. Verflüssigtes Erdgas lässt sich mit riesigen Tankschiffen über weite Strecken transportieren, was die Nachfrage nach dem momentan überreichlich vorhandenen US-Gas und somit dessen Preise wird wieder ansteigen lassen.

Und was sagt die Markttechnik zu US-Gas?



Wie bereits dargelegt, notiert US-Erdgas aktuell im Bereich der 2009er-Tiefstpreise und somit im Bereich einer starken Unterstützungszone. Hält dieser Bereich, so sollte sich der Gaspreis unter technischen Aspekten zumindest stabilisieren können. Wird jedoch auch diese Zone nach unten durchbrochen, dann wird der Gaspreis weiter nach unten durchgereicht werden und die pessimistische Preisprognose der Analysten kann dann durchaus schnell Realität werden.

Herzliche Grüße und bis zum nächsten Rohstoff-Ausblick
Ihr

Holger Wentz


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