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Kolumne15:27 26.02.16

Börsenexperte und Autor Christian Lukas

Über die Abschaffung des Bargeldes

Liebe Leserinnen und Leser,

ausnahmsweise möchte ich auf ein Thema eingehen, dass nicht unmittelbar mit Trading zu tun hat. Aktuell wird über eine Obergrenze für Bargeldgeschäfte diskutiert. Das ist der erste Schritt, und der zweite ist die völlige Abschaffung von Bargeld. Genauso, wie es der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, vorhergesagt hat: „In zehn Jahren wird es kein Bargeld mehr geben“.

Freiheit ist nur wenigen Politikern etwas wert

Bargeld ist gelebte Freiheit. Ein Freiheitsgefühl kann man jedoch nicht beziffern, da es individuell ist. Deshalb wird Freiheit weniger gewürdigt. Der bargeldlose Geldverkehr soll kriminelle Machenschaften eindämmen, weil die Verfolgung der Geldströme ermöglicht wird. Sicherheit für die Gesellschaft ist wichtig, doch man muss abwägen, wie weit die individuelle Freiheit beschnitten werden darf. Politiker geben sich der Illusion hin, dass mit einem Verbot die Kriminalität eingedämmt wird. Falsch, Kriminelle finden immer neue Wege. Schon jetzt werden Drogen- oder Waffengeschäfte im Darknet über Bitcoins bezahlt. Das geschieht bargeldlos, und man kann es nicht unterbinden.

Neue Gewinne für Banken

Banken drängen auf die Umsetzung der Bargeldlosigkeit. Die unnatürliche Niedrigzinspolitik der EZB macht den Geldhäusern schwer zu schaffen. Doch ohne Bargeld würden sich viele neue Geschäftsbereiche für die Banken eröffnen. Bargeld erzeugt praktisch eine „natürliche“ Untergrenze für Zinsen. Sinkt ein Zins zu weit in den negativen Bereich, dann wird es für den Kunden attraktiver, das Geld in Cash zu halten. Kunden heben ihr Geld vom Konto ab, und stecken es lieber unter das Kopfkissen. Das funktioniert natürlich nicht, wenn es kein Bargeld mehr gibt. Seit der Niedrigzinspolitik der EZB entfiel eine wichtige Einkommensquelle der Banken. Daher liegt es nahe, den Banken eine Art „Strafzins“ für Girokonten zu ermöglichen. Die Bank beschützt ihr Geld, weil es auf dem Konto liegt. Es ist eine moderne Schutzgelderpressung.

Vorhandene Bargelduntergrenzen

Folgende Bargelduntergrenzen sind schon umgesetzt: Frankreich 1000 Euro, Belgien 3000 Euro, Spanien 2500 Euro, Italien 1000 Euro, Griechenland 1500 Euro. In Deutschland wird jetzt über die 5000 Euro-Grenze diskutiert, und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass dieses Limit bald unterboten wird. Weil einige Bargeldgrenzen schon umgesetzt sind, ist es nur noch ein ganz kleiner Schritt bis zur völligen Bargeldabschaffung. Die Realität wird EU-Politiker einholen. Ohne Bargeld wird das Vertrauen der Bevölkerung in den Euro und der EU weiter abgebaut. Die Idee des gemeinsamen und starken Europas sinkt. Schlimmer noch: Radikale rechte Parteien bekommen handfeste Argumente, um ihr dummes Geschwätz in die Öffentlichkeit zu bringen.

Top-Börsengewinne wünscht Ihnen

Christian Lukas
Chefredakteur
Dax-Hebel-Trading

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