Und der Haifisch, der hat Zähne...
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
wenn Sie Kinder haben, kennen Sie das Spiel:
Das trozige Kleine bäumt sich dickköpfig gegen Mama und Papa auf, auch wenn es keine Chance hat, seinen Kopf durchzusetzen. So ein Bild kam im Laufe der Woche wohl vielen in den Sinn, als die Zentralbanken der Welt zum Schlag gegen die Märkte ausholten.
Als die Notenbanken der Eurozone, der USA, Japan, Großbritannien, der Schweiz und Kanada ankündigten, dass sie die Märkte mit zusätzlicher Liquidität versorgen würden, war dies nicht das gesamte Ausmaß der Überraschungsaktion. Viel wichtiger ist, dass die Banken nun zum ersten Mal in der Geschichte Kredite in Fremdwährung gewähren werden. D.h. ein Schuldiger kann einen Kredit z.B. in US-Dollar aufnehmen, aber die Sicherheit dafür – also die sogenannte Kundeneinlage - z.B. in Euro absichern. Zuvor war dies so nicht möglich. Dieses Verfahren macht es für Unternehmen und Investoren viel einfacher, international Kredite aufzunehmen und Gelder zu investieren.
Damit soll die Wirtschaft angekurbelt werden. Banken haben es einfacher, über Landesgrenzen hinweg Gelder zu verleihen und somit haben Unternehmen es einfacher, Gelder dort zu bekommen, wo diese für Investitionen benötigt werden, ohne dass Unmengen von Geld von einem Land in das andere verfrachtet werden müssen. Dies ist gut für die Konjunktur und bringt dadurch natürlich auch den Aktienmarkt in Aufschwung. Auch wurde eine Geld-Spritze angekündigt. Letztlich geht es darum, die Banken liquide zu halten.
Die Märkte taten allerdings genau das, was von unserer Seite erwartet wurde:
Alle Börsen verzeichneten am Mittwoch einen großen Sprung nach oben – der Dax stieg um 5%, nur um tags darauf zu schwächeln wie ein Partyhengst, der am nächsten Tag mit einem Kater aufwacht.
Zugegeben, diese koordinierte Aktion der Zentralbanken war ein unerwartetes Zeichen der Politik-Entschlossenheit, der Krise Herr zu werden. Doch die der Krise zugrundeliegeneden Probleme wurden dadurch nicht einmal angekratzt. Das haben auch die Investoren nach kurzer Überraschung und Euphorie bemerkt. Und so bleibt das Kursfeuerwerk von Mittwoch eine Eintagsfliege.
Oder? Dies ist nun die Frage, welche sich für die nächsten Tage stellt. Oft reagieren die Märkte auf unvorhersehbare Ereignisse wie die Notenbankaktion vom Mittwoch mit einer Überreaktion. Oft folgt dann erst einmal eine Flaute in den Tagen danach. Doch heißt dies, dass der Effekt gänzlich verpufft ist und wir wieder „Business as Usual“ haben – oder haben sich die Märkte nach dem Mittwochssprint nur eine kurze Verschnaufpause gegönnt bevor die Rallye weitergeht? Als Resultat der Notenbankenaktion konnte der Euro jedenfalls etwas Aufwind gewinnen. Zeit, sich ein Gesamtbild der Währung etwas genauer anzuschauen:
Beim EUR/USD jedenfalls konnte in „Doppel-Bottom“ konnte gerade noch verhindert werden – obwohl sich nun zeigen muss, ob dieser kurzzeitige Anstieg gegen den Dollar anhält. Am Freitag hatten wir jedenfalls einen Bären-Tag. Nachdem Der EUR/USD am Mittwoch, Donnerstag und Freitag es jeweils kurzfristig schaffte, Intra-Day die psychologisch wichtige runde Marke 1,3500 zu brechen blieb das Close des Tages jeweils darunter und das euro-amerikanische Paar schloss die Woche mit 1,3402. Das Ausbleiben eines Doppelten Bodens könnte als bullisches Zeichen gewertet werden – zumal das Low von 1,3211 bereits am 25.11. verzeichnet wurde – also schon vor der Notenbankintervention in den Märkten. Um auch nur den Anschein einer Trendwende zu erwecken, müsste das Paar in der kommenden Woche die Widerstände bei 1,3500 und 1,3600 sowie der GD50 und die Dreiecks-Unterseite in Angriff nehmen und dabei ein Höheres Hoch etablieren.
Auf der bärischen Seite würden wir ein Brechen der Unterstützungszone im Bereich 1,3145 bis 1,3258 erwarten – also ein tieferes Tief im Vergleich zum Tief vom 04.10. bei 1,3145.

Etwas deutlicher zeigt sich der neugewonnene Auftrieb des Euro im Vergleich mit dem japanischen Yen. Der Eur/JPY hat bei 102,48 ein deutlich höheres Tief im Vergleich zum Tief vom 04.10. bei 100,75 verzeichnet. Allerdings handelte es sich bei dem genannten Tief um ein 10-Jahres-Tief; das letzte Mal, dass der Euro gegenüber dem Yen so schwach war, schrieben wir den Juni 2001! Seit dem Jahres-Hoch bei 123,32 hat die Einheitswährung hier mächtig Federn gelassen und daher auch reichlich Luft nach oben bei einer Verschnaufpause. Im Gegensatz zum EUR/USD hat sich der Kurs hier auch bereits zum GD50 bei der Widerstandszone um 105,40 hochgearbeitet. Sollte sich ein bullischer Ausblick für den Euro bestätigen, würden wir für die kommende Woche ein Brechen dieses Widerstandes erwarten – ansonsten steht auf der Down-Seite als Wochenziel die Unterstützungszone bei 102,48 an.

Auch gegen den britischen Pfund hat der Euro ein Höheres Tief, aber auch ein Höheres Hoch etabliert. Der EUR/GBP zeigt somit die ersten Anzeichen einer Trendwende und befindet sich auf dem Weg zur momentanen Widerstandzone zwischen den GDs 50 und 200, welche auch die Kursziele der kommenden Woche darstellen. Auf der Down-Seite kämen dann die Unterstützungen bei 0,8527 sowie die Unterseite des Abwärtskanals, in welchem sich das Paar gerade befindet als Wochenziele in Frage.

Insgesamt scheint sich der Euro zunächst etwas zu erholen, doch die Zeichen sind noch nicht sehr eindeutig. Falls die Baisse vorüber sein sollte, befinden wir uns nun in der Übergangsphase – und dies kann oft bedeuten, dass die Märkte unentschieden sind, in welche Richtung der Euro nun gehen soll. Bei allen Paaren ist eine Mindestbedingung für sehr konservative Bullen das Überschreiten des GD200. Bis dahin befinden wir uns mittel- und langfristig immer noch in einer Baisse.
Bleiben Sie dran, bleiben Sie vorsichtig!
Happy Trading!
Ihr
Sven Brand
P.S.: Im wöchentlich erscheinenden Newsletter „Devisen-Ausblick” erhalten Sie einen Überblick über die aktuelle Lage an den Devisenmärkten und wie Sie von den aktuellen Währungsschwankungen profitieren.
Hier geht´s zur kostenlosen Anmeldung!